VW-Manipulationen in den USA
Das schmutzige Spiel mit dem sauberen Diesel

Volkswagen hat die Abgaswerte seiner Dieselmotoren in den USA manipuliert. Das erschüttert das Vertrauen der US-Verbraucher in eine Technologie, in der die Deutschen weltweit führend sind. Eine Analyse.
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DüsseldorfGerade schien es, als hätte der Diesel sein schmutziges Image ablegen können. Diesel, das stand in den USA für Ruß und Schmutz, ölige Trucks und Gestank. Entsprechend marginal war der Anteil an den Verkäufen. Die Deutschen schickten sich an, das zu ändern. Immerhin gilt die hiesige Automobilindustrie in der Dieseltechnologie als führend. Kurzerhand taufte man die Technologie „Clean Diesel“, um das saubere Image schon im Namen zu transportieren.

Tatsächlich stieg in der Folge der Anteil der Diesel-Fahrzeuge im US-Markt – wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Um den Deutschen Paroli zu bieten, kündigten auch Chrysler und General Motors Diesel-Modelle für ihren Heimatmarkt an. Der deutsche Automobilzulieferer Bosch sagte gar einen US-Marktanteil des Dieselantriebs von zehn Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts voraus, derzeit liegt er noch bei unter drei Prozent.

Und jetzt das: Mit einer speziellen Software soll Volkswagen die US-Behörden über die wahre Umweltbelastung durch ihre Dieselmotoren getäuscht haben. Ein Vorwurf, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte. Und der das mühsam aufgebaute Vertrauen der Amerikaner in die Dieseltechnologie nachhaltig zerstören könnte. In einem Land, in dem das Benzin mit umgerechnet 53,5 Euro-Cent pro Liter noch günstiger ist als der vergleichsweise hoch besteuerte Diesel, haben es die Selbstzünder ohnehin schon schwer genug.

Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte von VW ist damit eine Katastrophe für die gesamte deutsche Autoindustrie. Denn der schmutzige Diesel beherrscht wieder die Öffentlichkeit. In einer gemeinsamen Kampagne werben Audi, BMW, Mercedes, Bosch und VW seit Jahren für den „Clean Diesel“. Darin loben die Autobauer den hohen Drehmoment und vor allem die hohe Effizienz der Technologie. „Das ist nicht mehr der Diesel deines Großvaters“, verspricht die Kampagne.

Das Kalkül dahinter: Der Diesel soll den Amerikanern als Alternative zum Hybridantrieb schmackhaft gemacht werden. Bis 2025 müssen die Autobauer ihre Kraftstoffeffizienz auf 54,5 Meilen pro Gallone steigern – so schreibt es das Gesetz vor. Bisher liegen sie noch deutlich darunter. Nur zwei Technologien scheinen geeignet, um den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen: der Hybrid- und der Dieselantrieb.

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    Oekonomicus
    vor einer Stunde
    Was für Arroganz und Narretei!
    Das wird spätestens in den nächsten 14 Tagen Winterkorns Abschied bedeuten,
    da geht kein Weg daran vorbei.
    Zum einem ist in einem autoritär und technisch geführten Konzern wie VW kaum denkbar, dass hier ohne Wissen des Konzernchefs gemauschelt wurde, schließlich ist Herr Winterkorn kein "Grüß Gott" Frühstücksdirektor, zum Anderen müssen bei einem solchen Skandal epischen Ausmasses Köpfe rollen, das ist nunmal so, und der jetzige VW-Verantwortliche für Amerika ist noch neu und er kann daher seine Hände in Unschuld waschen. So müssen Leute aus der zweiten Reihe dran glauben und natürlich Winterkorn, der trotz seiner gewichtigen Fehler insgesamt VW nach vorne gebracht hat,
    Sei's drum, doch was zuviel ist ist zuviel und dieses Desaster wird VW viele Milliarden kosten und dem schwächelndem VW-Absatz in Amerika eine weitere Delle verpassen.
    Dieser Skandal kann jedoch weltweit noch weitenKreise ziehen, denn warum sollten die Wolfsburger das Schummelprogramm nur in Amerika eingesetzt haben?
    Wenn voele Aktionäre das genauso sehen, dann werden die Aktien des Konzern nochnweitere Tiefststände küssen.
    Doch das Gedächtnis der Verbraucher ist kurz, das hat man bei Toyota und vielen anderen Skandalen gesehen.
    Wenigstens ist gut, dass die neuen Jeep-Modelle für Amerika erst 2007 kommen, dann sollte dieser Skandal langsam verkrusten.
    Üner Herbert Diess wird man wohl bald sagen können "Seine große Stunde kam, als Winterkorn seinen Abschied nahm", hoffentlich zerschlägt das Raubein nicht zuviel Porzellan, denn man wird ihm nicht annähernd soviel berzeihen,wie dem Großaktionär Piéch.
    Wogegen Pötsch sich hoffentlich noch nicht 100% auf den Aufsichtsrat konzentrieren kann,
    seine Erfahrung und Managmentwissen wird jetzt dringend gebraucht.
    Ferdinand Piéch wird es mit einem weinenden und einem lachenden Auge sehen.
    So verschwurbelt wie sich BMW und Mercedes äussern läßt befürchten, dass sie auch eine Leiche im Keller haben

  • So heiss gegessen wird der Braten dann auch wieder nicht!

    Mit den richtigen Einstellungen, die sich ja zum Glück durch das Aufspielen einer neuen Software relativ einfach aktivieren lassen, sollte das Fahrzeug dann abgaskonform funktionieren.

    Die Frage ist, wie sehr sich dies auf den Durchzug auswirkt; Endgeschwindigkeit braucht in den USA niemand. Natürlich wird dies die Besitzer gar nicht freuen. Letzten Endes ist die Frage "nur", ob etwas ähnliches auch auf anderen Märkten passiert sein könnte. Der US-Markt ist ja (zum Glück) nur Pipifax.

  • @marc otto
    sie müssen konsequent sein: wenn osterloh und winterkorn unter einer decke steckten und piech etwas gewittert hat, ist doch klar, dass die beiden sich stützen.
    daran zeigt sich aber auch, dass das angeblich sozialverantwortliche unternehmen VW und die guten Menschen in Betriebsrat und Gewerkschaft durch ihre klüngelei schlimmer sind als Unternehmen in denen diese "sozialen " Faktoren nicht so stark ausgeprägt sind. auch die Gewerkschaft steht hier mit am Pranger.
    und das land niedersachsen hat natürlich nichts gewußt! auch hier zeigt sich: es ist falsch, dass Niedersachsen eine hohe beteiligung an VW unterhält; wie kann herr weil dem herrn dobrindt noch unter die augen treten.
    und wer glaubt, dass in europa eine andere soft ware-verwendet wurde?
    die klungelei, ja die kriminalität in desem extrem mitbestimmten konzern hört nicht auf.

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