VW-Markenchef Diess verbreitet Optimismus
„Die Automobilindustrie hat eine goldene Zukunft“

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„Die Branche macht zu wenig“

„Die deutschen Hersteller sind voll auf das klassische Segment und die Produktion von Autos fokussiert“, kritisiert auch Willi Diez, der im schwäbischen Geislingen das Institut für Automobilwirtschaft leitet. Große Defizite sieht er vor allem bei den neuen Mobilitätsdiensten. „Die Branche redet über Veränderungen, macht aber zu wenig“, beklagt der Professor. So habe Volkswagen vor einem Jahr seine neue Mobilitätstochter Moia mit großem Aufwand in der Öffentlichkeit präsentiert. Doch wahrnehmbar sei die neue Volkswagen-Tochter noch immer nicht.

Am großen Abstand zu weltweit führenden Mobilitätsdienstleistern wie Uber, Lyft und Didi habe sich nichts geändert. Sorgen bereitet dem Hochschullehrer auch die Entwicklung der Autowerte an den Aktienmärkten: Die großen Geldströme flössen an den deutschen Herstellern vorbei. Investoren interessierten sich heute viel stärker für Unternehmen, die sich um die Mobilitätsthemen der Zukunft kümmerten.

Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Universität Duisburg-Essen, warnt vor den aufstrebenden Autoherstellern aus China. „Die Chinesen sind sehr schnell und setzen künftig die Maßstäbe“, sagt der Hochschullehrer. Während in Europa weiterhin über Elektroantrieb und autonomes Fahren debattiert werde, würden in China Fakten geschaffen und beides bald im Realbetrieb eingeführt.

Die deutschen Hersteller müssten aufpassen, dass sie von der neuen chinesischen Konkurrenz nicht abgehängt würden. Zudem engagierten sich starke chinesische IT-Konzerne wie Baidu und Tencent im Automobilbereich. Dadurch werde eine schnelle Verzahnung zwischen Computer- und Autobranche möglich. Bei den deutschen Autoherstellern fehle hingegen eine ausgeprägte IT-Kompetenz.

Dudenhöffer rät der deutschen Automobilindustrie deshalb dazu, verstärkt Entwicklungsabteilungen nach China zu verlagern. Dort könnten die deutschen Hersteller bald in der Praxis auf den Straßen und nicht auf einer Teststrecke lernen, wie Elektroautos und autonomes Fahren die Welt der Mobilität prägen werden. „Die Deutschen dürfen nicht einfach in ihren Konzernzentralen sitzen bleiben“, warnt der Professor.

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