VW nach der Dieselaffäre
Volkswagen fährt auf der grünen Welle

Die Dieselaffäre hat auch ihr Gutes: Volkswagen verstärkt die eigenen Anstrengungen in Sachen Umweltschutz. In der Autoproduktion soll alles sauberer und umweltgerechter werden. VW verfolgt damit noch ein weiteres Ziel.
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WolfsburgSchon am Eingang ist der Lackgeruch unverkennbar. Durch die Glasscheibe lassen sich die lackierten Stoßfänger erahnen, in „Atlantic Blue“ oder „Oryxweiß“ laufen sie über die Produktionsstraße. Der Zutritt ist nur über eine Luftschleuse und mit Schutzanzügen möglich. Die Kunststoff-Lackiererei von Volkswagen in Wolfsburg ist wie ein großer Reinraum angelegt, Sauberkeit im Inneren hat höchste Priorität.

Seit gut drei Jahren ist die Anlage in Betrieb, täglich werden dort bis zu 4.000 Stoßfänger aus Kunststoff für den Golf und dessen Modellableger Sportsvan gefertigt. Kunststoffe sind im Autobau immer wichtiger geworden, weil sie die Fahrzeuge leichter machen und damit Sprit sparen helfen. Beim ersten Golf vor 40 Jahren lag der Kunststoff-Anteil noch bei zehn Prozent, heute in der siebten Generation sind es 23 Prozent.

Olaf Thiemermann leitet die Kunststoff-Lackiererei. Er ist stolz darauf, dass die Produktion immer sauberer geworden ist. Neue Filteranlagen sorgen dafür, dass in der Lackiererei jährlich 600.000 Kilowattstunden Strom gespart werden können. „Wir haben den Energieverbrauch also deutlich senken können“, sagt der Techniker. Noch einen weiteren Fortschritt gibt es in der Produktionsstraße für Stoßfänger: Der Lack wird heute ohne Grundierung auf die Kunststoffteile aufgetragen, außerdem werden keine Lösemittel mehr gebraucht.

Die eigenen Anstrengungen in Sachen Umweltschutz präsentiert VW nur allzu gern. Denn die Last der Dieselaffäre wiegt unverändert schwer auf dem Volkswagen-Konzern. Der Wolfsburger Autohersteller hat eine große Umweltsünde begangen: Der Belastung der Atmosphäre mit Stickoxiden durch Millionen von manipulierten Dieselmotoren stand das Unternehmen gleichgültig gegenüber. Hauptsache, die Absatzzahlen stimmten, ob nun in Europa, Kanada oder den USA. Erst in dieser Woche hat es Audi getroffen: Die VW-Tochter hat nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unzulässige Abgas-Software verwendet. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war - dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet. Es seien rund 24.000 Fahrzeuge betroffen, sagte der Minister. Audi weist die Vorwürfe zurück.

Volkswagen und insbesondere dem Top-Management ist klar, dass der Konzern nach dem Dieselskandal etwas für sein grünes Gewissen tun muss. Nicht nur nach außen gegenüber dem Kunden, sondern auch intern in den eigenen Fabriken. Das Unternehmen hat das Umweltprogramm „Think Blue. Factory“ ins Leben gerufen. Alles soll sauberer und umweltgerechter werden: Volkswagen will weniger Wasser und weniger Energie verbrauchen, die Autowerke sollen eine geringere Menge Kohlendioxid an die Atmosphäre abgeben, überall soll weniger Müll anfallen. Ganz so wie in der Lackieranlage für die Kunststoff-Stoßfänger. Weil die werkseigene grüne Welle gut angelaufen ist, werden die VW-internen Umweltziele noch einmal verschärft.

„Wir haben das Ziel vorzeitig erreicht, unsere Fahrzeuge bis 2018 insgesamt 25 Prozent nachhaltiger zu produzieren“, sagt Thomas Ulbrich, VW-Marken-Vorstand für Produktion und Logistik. Bis 2025 sollen nun 45 statt 25 Prozent weniger Kohlendioxid und Müll anfallen sowie weniger Energie, Wasser und Lösemittel verbraucht werden. Damit sei Volkswagen „auf dem Weg zur ressourcenoptimalen Fabrik an allen Standorten der Marke“.

Seit der Einführung des „Blue-Factory-Programms“ habe es nicht nur in Wolfsburg, sondern in allen VW-Fabriken weltweit 5.300 einzelne Schritte zur Verringerung der Emissionen und zur effizienteren Nutzung von Ressourcen gegeben.

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