VW Passat in Polen deutlich billiger als in Deutschland
Preisgefälle bei Autos bleibt in der EU hoch

Auch knapp zwei Jahre nach der Einführung der neuen Spielregeln für den Automobilvertrieb in der Europäischen Gemeinschaft besteht bei zahlreichen Modellen noch immer ein hohes Preisgefälle zwischen den Mitgliedsländern. Dies besagen die jüngsten Zahlen der EU-Kommission über die Kfz-Preise in Europa.

sce BRÜSSEL. Innerhalb der Eurozone gibt es bei 25 von 90 untersuchten Modellen Preisunterschiede von mehr als 20 Prozent. In der gesamten EU der 25 Mitgliedsländer sind es sogar 72 von 90 Modelle. Am teuersten sind Neuwagen weiterhin in Deutschland, am billigsten in Polen.

Diese Preisschere führt dazu, dass ein Händler in Polen den VW Passat um 30,8 Prozent billiger anbietet als sein deutscher Kollege. Beim VW Golf liegt die Preisspanne bei 28,3 Prozent. Preisunterschiede zwischen 15 und 27 Prozent bestehen bei Modellen von Renault, Fiat, Ford, Peugeot und Opel. Luxusfahrzeuge wie Limousinen und Geländewagen fallen aus dem Rahmen. Sie sind in Polen teurer als im Euro-Währungsgebiet.

Mit der neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), die im Oktober 2002 in Kraft trat, wollte EU- Kommissar Mario Monti den Automobilvertrieb liberalisieren und die Händler unabhängiger von den Herstellern machen. Im Zentrum der Regelung stand die Einführung des Mehrmarkenvertriebs.

Als Effekt erhoffte sich Monti eine Senkung der Automobilpreise in klassischen Hochpreisländern wie Deutschland. Doch statt dessen sind die Preise seit Mai 2003 in Deutschland und den Niederlanden leicht überdurchschnittlich um 1,7 Prozent gestiegen (EU-Durchschnitt 0,9 Prozent).

Wettbewerbsverstöße im Autovertrieb will die Kommission auch in Zukunft streng ahnden. Wie ein Monti-Sprecher bestätigte, hat die Kommission vor einem Monat ein Kartell-Verfahren gegen den französischen Hersteller PSA Peugeot-Citroen eröffnet. Es geht um den Vorwurf, Peugeot habe Händlern in den Niederlanden und Deutschland, die ausländische Kunden belieferten, den Bonus gestrichen.

Wegen ähnlicher Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln waren zuvor schon die Konzerne VW, Daimler-Chrysler und Opel zu zweistelligen Millionen-Bußgeldern verurteilt worden. Das Europäische Gericht erster Instanz, das zweithöchste Gericht in Europa, bestätigte das harte Vorgehen Montis weitgehend.

Auch BMW und Audi sind weiter im Visier der Brüsseler Kartellbehörde. Gegen den Münchner Konzern liegt in Brüssel eine Beschwerde der BMW-Händlerorganisation. Die Händler beschweren sich über systematische Versuche des Konzerns, bei der Gestaltung der Schauräume andere Marken zu diskriminieren. Audi soll Querlieferungen zwischen Händlern geahndet haben. Ein mit dem Fall vertrauter Kommissionsbeamter sagte, im Zusammenhang mit der Audi-Untersuchung werde auch das Verhalten des Mutterkonzerns Volkswagen in Wolfsburg überprüft. Den beiden Unternehmen droht die Einleitung eines Kartellverfahrens.

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