VW Phaeton: Das Ende eines Luxustraums

VW Phaeton
Das Ende eines Luxustraums

Mit dem Phaeton wollte Volkswagen die Oberklasse erobern. Aber erst blieb der Erfolg aus, und dann kam auch noch die Abgas-Krise. In wenigen Tagen ist das Kapitel endgültig Geschichte. Doch niemals geht man so ganz.

DresdenDie durchsichtigen Hallen der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden wirken dieser Tage wie im Wartemodus. Im gläsernen Auto-Turm, in dem die Luxuskarossen für ihre Besitzer bereitstehen, sind viele Stellplätze bereits leer. Die Zeichen der Zukunft werfen ihre Schatten voraus. Statt reger Betriebsamkeit bereitet sich das einstige Vorzeigewerk von Europas größtem Autobauer Volkswagen auf das Ende einer nicht mal 15-jährigen Ära vor.

Denn die Tage des Luxus-Vehikels Phaetons sind gezählt. Mitten in der Abgas-Krise mit unabsehbaren Folgen hat die Konzernspitze um VW-Chef Matthias Müller die Reißleine gezogen. Statt immer größer, schneller und weiter lautet bei Volkswagen die Parole „Sparen auf Sicht“. Im Aufsichtsrat fällt der Phaeton unter die Kategorie „Enttäuschungen“.

Volkswagen und der Phaeton - in der Wolfsburger VW-Konzernzentrale wird die Liaison hinter den Kulissen schon lange als großes Missverständnis abgetan. Schon die Namensgebung wirkt rückblickend zumindest schief. Nach der Überlieferung des Dichters Ovid war Phaeton einer der ersten Unfallfahrer der Geschichte. Für einen Tag lenkte der menschliche Sohn des griechischen Sonnenkönigs Helios den kostbaren Sonnenwagen seines Vaters, doch er verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und stürzte in die Tiefe des Alls.

Tatsächlich ist im Zwölf-Marken-Konzern VW Größe Segen und Fluch zugleich. Denn bei den Pkw-Marken droht mitunter eine Kannibalisierung, weil einzelne Modelle auf dieselben Kundengruppen zielen. Seat gegen Skoda, Skoda gegen VW, VW gegen Audi, Audi gegen Porsche: Die interne Abgrenzung ist nicht immer leicht, und an vielen Stellen nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch der Markenpositionierung im Marketing. In dieser Gemengelage spielte der Phaeton eine Hauptrolle.

Er sollte helfen, die Pkw-Kernmarke am oberen Ende auch als Premium zu definieren. Der in Teilen handgefertigte Phaeton trat nicht nur gegen den Audi A8 an, sondern auch gegen die automobilen Flaggschiffe der deutschen Konkurrenz: BMW 7er und Mercedes S-Klasse. Und VW entschied noch unter dem langjährigen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, den Phaeton ganz bewusst unter dem VW-Logo laufen zu lassen.

Doch genau das gilt als ein Grund, warum der Phaeton sich hierzulande nicht so verkaufte, wie es die Qualität des Autos hätte zulassen können. „Den Phaeton unter dem VW-Emblem laufen zu lassen, war einer der größten Fehler in der Piëch-Ägide“, sagt ein Konzerninsider. Der Phaeton in seinem letzten Modelljahr 2016 begann beim Startpreis von knapp 90.000 Euro. Nach oben war dank der langen Extraliste viel Luft - etwa mit dem „erweiterten Holzpaket“ für 1950 Euro, das dann auch eine Holzeinlage in den Haltegriffen bereitstellte, inklusive einer „Holzleiste in den Türarmlehnen durchgehend von vorn bis hinten“. Ein „Volks“-Wagen neuerdings auch als Luxusauto - ein zu frommer Wunsch?

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