VW/Porsche
Alle schießen sich auf Porsche ein

Der Sportwagenbauer Porsche steht von immer mehr Seiten unter Druck. Erst forderte das Emirat Katar eine rasche Entscheidung über einen möglichen Einstieg und droht sogar mit dem Scheitern der Pläne, jetzt verlangt auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff nachdrücklich Klarheit. Porsche muss sich entscheiden, die Zeit läuft.

HB BERLIN. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat von dem hoch verschuldeten Sportwagenhersteller Porsche eine Entscheidung über die Zusammenarbeit mit VW verlangt. "Es liegen jetzt alle Fakten auf dem Tisch", sagte Wulff am Montag vor Beginn eines Unions-Wahlkongresses in Berlin. Es müsse geklärt werden, ob jeder seinen eigenen Weg gehe oder nicht. "Einen gemeinsamen Weg halte ich für sinnvoll." VW und Porsche hätten bereits in einigen Projekten erfolgreich zusammengearbeitet.

Zu dem Spiegel-Bericht, nach dem Volkswagen dem Großaktionär Porsche ein Ultimatum gestellt haben soll, und einen Erpressungsvorwurf von Porsche an VW äußerte sich Wulff kritisch. "Es gibt eine gewisse Irritation bei mir", sagte er. "Offenbar stehen nicht alle Fakten allen zur Verfügung." VW und Porsche müssten sich angesichts der aktuellen Veränderungen auf dem globalen Automobilmarkt wieder um ihre Zukunftsstrategie als Autobauer kümmern. "Darin muss das Interesse liegen und nicht auf einer Kopie von Dallas und Denver", sagte der CDU-Politiker, der auch dem Aufsichtsrat von VW angehört.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück griff den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) scharf an: "Dass er sich um VW sorgt, ist ja in Ordnung. Es geht aber nicht, dass er wie ein Revolverheld aus der Hüfte schießt", wird Hück von der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Hinter dem Ultimatum an Porsche stecke offenbar Wulff, der als Vertreter Niedersachsens im Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers sitzt. "Wir kämpfen in Stuttgart für die Eigenständigkeit von Porsche und lassen uns nicht erpressen. Hier wird mit aller Gewalt versucht, Porsche kaputt zu machen. Das lassen wir nicht zu", sagte Hück.

Unterdessen wurde bestätigt, dass der VW-Vorstand Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche in einem Schreiben einen Rettungsvorschlag für den hoch verschuldeten Sportwagenbauer unterbreitet hat. Das Papier habe ein Kurier in der vergangenen Woche bei dem Porsche-Miteigentümer abgegeben, sagte ein Porsche-Sprecher am Montag in Stuttgart. Darin habe der VW-Vorstand angeboten, sich mit knapp 50 Prozent an der Porsche AG zu beteiligen um dafür zwischen drei und vier Mrd. Euro zu bezahlen. Es sei Porsche auch ein Ultimatum gestellt worden. "Es wurden uns Fristen bis Ende Juni gesetzt", sagte der Sprecher. Ob Porsche auf das Angebot eingeht, war zunächst nicht bekannt. Das Ultimatum hatte Wolfgang Porsche scharf zurückgewiesen.

Die Reaktion an der Börse auf den Streit zwischen beiden Unternehmen ist deutlich. Die VW-Stammaktien büßten als schwächster Wert im Leitindex mehr als drei Prozent ein. Die Nachricht von dem möglichen Ultimatum war einer der maßgeblichen Gründe für den Einbruch. "Die Tatsache, dass VW beabsichtigt, Teile von Porsche zu übernehmen, belastet, da dies die Finanzposition von VW schwächt", sagte Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Die "sehr unterscheidlichen Interessenslagen" verwirrten die Investoren, behinderten den Prozess der Lösungsfindung und schadeten letztlich dem Aktienkurs. "Es wird jeden Tag etwas Neues diskutiert und das kann noch eine ganze Weile so weitergehen", sage Diermeier. Ein anderer Händler sagte: "Der Ausgang ist absolut unklar - in der Presse werden schon alle möglichen Varianten genannt. Mein Tipp: Finger weg von allen beteiligten Aktien!"

Die Papiere von Porsche starteten am Morgen im Minus, drehten bis zum Mittag aber leicht ins Plus.

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