VW/Porsche
Piëch tranchiert Wiedeking mit feinen Schnitten

Im Tauziehen um einen Zusammenschluss zwischen Volkswagen und Porsche erhöht VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Druck. Porsche müsse erst seine Schuldenprobleme in den Griff bekommen, bevor Entscheidungen über einen integrieren Autokonzern mit VW getroffen werden könnten.

OLBIA. Sensation auf Sardinien. Eigentlich sollte es der Tag des Polo werden. Europas größter Autobauer Volkswagen präsentiert seit Montag für einige Wochen auf Sardinien den neuen Kleinwagen. Testfahrer aus aller Welt sollen den Hoffnungsträger auf den kurvigen Pisten der italienischen Insel auf Herz und Nieren testen.

Doch dann wurde es einer der denkwürdigsten Tage der jüngeren Automobilgeschichte. Im Firmenjet traf überraschend die Führungsphalanx des VW-Konzerns auf dem Flughafen Olbia ein.

In Wolfsburg gestartet war VW-Chef Martin Winterkorn im Anschluss an eine Sitzung des Vorstandes. Im Schlepptau hatte er nicht nur Personalvorstand Horst Neumann. Mit an Bord waren auch Betriebsratschef Bernd Osterloh und Staatssekretär Olaf Glaeseker, Sprecher des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Die Vertreter der beiden entscheidenden Machtblöcke im Volkswagen-Reich. Wulff sollte selbst dabei sein, musste aber wegen Kabinettssitzung und Landtagsplenum am Dienstag in Hannover bleiben.

In Salzburg machten die illustre Truppen einen Zwischenstopp. In die Maschine stiegen VW-Patriarch Ferdinand Piech und seine Frau Ursula. Für den Trip in die südliche Sonne hatte Piech - dunkler Nadelstreifenanzug, weißes Hemd, weiß-blau gemusterte Krawatte, sich eigens einen Strohhut eingepackt. Kurzfristig habe der VW-Chefaufseher ihn angerufen und gesagt: "Ich komme mit", erzählt ein aufgeräumter Winterkorn später beim Essen, in einem Strohpavillon des Hotels Romazzino in Porto Cervo mit Blick auf das blau-grüne sardische Meer.

Audienz beim Autopapst. Vom ersten Moment an ist klar: Piech will sich den in den letzten Wochen angestauten Unmut von der Seele reden. Jetzt, da er sich sicher ist, dass ihm den Triumph keiner mehr nehmen kann.

Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Nur wenige Fahrminuten entfernt liegt der kompakte Jachthafen von Porto Cervo, den Aga Khan einst in die Felsen sprengen ließ. Die exklusive Mitgliederliste des dort ansässigen Jachtclubs Costa Smeralda weist Milliardäre wie den Schweizer America's-Cup-Gewinner Ernesto Bertarelli auf. Zum dritten Mal präsentieren die Niedersachsen einen neuen Polo auf Sardinien, "dieser wunderschönen Insel", wie Winterkorn mit Blick auf den Sandstrand, die Bastschirme, die Klippen und das leise dahinplätschernde Meer außerhalb des Pavillons sagt. Schon als Entwicklungschef der Wolfsburger Marke war er hier, da war sein Patron Piech noch selbst VW-Chef.

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