VW/Porsche
Porsche sieht sich vor Abschluss mit Katar

Porsche sieht sich laut einem Unternehmenssprecher „auf der Zielgeraden der Verhandlungen“ mit Katar. Einem Pressebericht zufolge könnte es dabei aber gar nicht um einen Einstieg bei dem Sportwagenbauer gehen. Vielmehr ist das Emirat demnach an VW interessiert. Einen mächtigen Mann könnte das in Bedrängnis bringen.

tia/HB STUTTGART/BERLIN. "Die Buchprüfung wurde positiv abgeschlossen", sagte ein Porsche-Sprecher am Freitag in Stuttgart zu den Verhandlungen mit dem Emirat Katar. Der Sportwagenbauer reagierte damit auf Marktgerüchte, nach denen der Einstieg des Investors gescheitert sei. Eine Person aus dem Umfeld von Porsche sagte, man sei sich weitgehend einig mit Katar, es müssten noch Details abgeklärt werden. Das Verhandlungsergebnis müssten die zerstrittenen Familieneigner noch absegnen.

Bislang hatte das Emirat eine Entscheidung bis Ende kommender Woche in Aussicht gestellt. Porsche hat sich bei der geplanten VW-Übernahme verhoben und ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet. Deshalb braucht das Unternehmen dringend frisches Geld und hofft auf eine Kapitalerhöhung durch die Altaktionäre oder eine Kapitalspritze Katars. Notfalls muss Porsche auch zu beiden Maßnahmen greifen, da für den Schuldendienst hohe Summen fällig werden.

Katar will sich laut der "Süddeutschen Zeitung " nur über einen Einstieg bei Volkswagen an dem gemeinsamen Autokonzern aus VW und Porsche beteiligen. Um die Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dafür zu gewinnen, müsste womöglich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gehen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise am Freitag in ihrer Online-Ausgabe. Katar habe überhaupt kein Interesse an einem Einstieg bei dem Sportwagenhersteller.

Der staatliche arabische Investor will Porsche der Zeitung zufolge die Optionen auf den Erwerb weiterer VW-Aktien abkaufen und so 10 bis 20 Prozent an dem Wolfsburger Konzern erwerben. Eine solche Lösung hält Katar aber offenbar mit Porsche-Chef Wiedeking für nicht möglich. Katar habe kein Interesse, mit Wiedeking "gegen den Rest der Welt zu koalieren", zitiert die "SZ" aus den Kreisen. Der Staatsfonds strebe vielmehr eine Lösung im Einvernehmen mit Porsches Eigentümer-Familien Piëch und Porsche sowie dem Land Niedersachsen und dem VW-Management an. Der Zeitung zufolge wird Ferdinand Piëch nur dann für diese Lösung stimmen, wenn Wiedeking zurücktritt oder zumindest seinen Plan einer Komplettübernahme von VW aufgibt. Niedersachsen würde einen direkten Einstige Katars bei VW begrüßen.

Aus Stuttgart kann Porsche derweil wohl keine Hilfe zu erwarten: Der ebenfalls in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ansässige Automobilkonzern Daimler wird sich nicht an dem Sportwagenbauer beteiligen. "Wenn wir das wollten, würden wir das kundtun", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche der "Welt am Sonntag". In der vergangenen Woche waren Spekulationen aufgekommen, Daimler könnte beim mit neun Milliarden Euro verschuldeten Sportwagenbauer einsteigen. Porsche sei doch ganz offensichtlich technisch und inhaltlich sehr eng in die Aktivitäten des VW-Konzerns integriert, sagte Zetsche dem Blatt. "Es scheint mir nicht sinnvoll, daran zu denken, diese Integration durch eine andere zu ersetzen."

Was der Daimler-Chef nicht ansprach, sind zudem massive kartellrechtliche Probleme, mit denen bei einem Einstieg zu rechnen wäre. Denn eine Beteiligung am VW-Mehrheitseigner Porsche wäre für den Marktführer bei Nutzfahrzeugen zugleich ein Einstieg bei VW, und zu den Wolfsburgern gehören MAN und Scania.

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