VW-Prozess
Angeklagter Volkert zeigt auf Piëch

Unschuldsbeteuerungen im dritten Prozess der VW-Affäre: Die zwei Schlüsselfiguren des Skandals, Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, haben jede Schuld von sich gewiesen. Für sie sitzt der wahre Urheber der Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten ein paar Etagen höher.

HB BRAUNSCHWEIG. Bordellbesuche, Privatreisen, In knapp zwei Stunden listet Oberstaatsanwalt Ralf Tacke detailliert alle Verfehlungen auf, die er den Angeklagten vorwirft. Volkert (64) räumte sodann vor dem Landgericht Braunschweig zwar Fehler ein, ohne diese jedoch konkret zu benennen. Den Vorwurf der Anstiftung zur Untreue wies er zurück. Der wegen Untreue angeklagte Gebauer (63) sagte, er sehe sich als Opfer und nicht als Täter.

Volkert soll den früheren VW-Personalvorstand Peter Hartz dazu angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro zu zahlen. Volkert allerdings stellte dies vor Gericht anders dar. Er habe sich Mitte der 90er Jahre nicht ausreichend bezahlt gefühlt, weil er Aufgaben weit über die üblichen eines Betriebsrats hinaus geleistet habe. "Die zusätzliche Arbeit wurde aber nicht angemessen bezahlt.“ Daraufhin habe er den damaligen Vorstandschef Ferdinand Piëch angesprochen. Dieser habe ihm zugesagt, er solle wie ein Markenvorstand behandelt werden. Hartz werde sich darum kümmern. Er habe Hartz also nicht angestiftet.

Über die Idee mit den Sonderbonuszahlungen sei er gar nicht begeistert gewesen, weil sie sich nicht auf seine Rente auswirkten, sagte Volkert. "Ich habe Herrn Dr. Hartz nicht dazu angestiftet, Sonderboni an mich zu zahlen.“ Volkert sagte, Hartz und Piëch hätten ihm eine höhere Rente zugesagt. Ein entsprechendes Dokument war aber laut Volkert-Verteidiger Johann Schwenn nicht in Volkerts Personalakte.

„Verantwortung endete nicht bei Hartz“

Schwenn sagte nach Ende des ersten Prozesstages mit Blick auf die Rolle Piëchs: "Es ist doch deutlich geworden, dass die Verantwortung nicht bei Hartz endete.“ Der jetzige VW-Aufsichtsratschef Piëch hat bisher jede Verwicklung in den Skandal vehement bestritten. Er soll im Verlauf des Prozesses als Zeuge aussagen.

Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen angeklagt. Davon sieht die Staatsanwaltschaft in 25 Fällen auch eine Anstiftung zu einem Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. So soll Volkert einen "Scheinvertrag“ zwischen VW und Volkerts brasilianischer Geliebten Adriana Barros veranlasst haben, der Barros ohne Gegenleistung knapp 400 000 Euro einbrachte. Volkert sagte allerdings vor Gericht, Barros habe sich um soziale Projekte gekümmert. Außerdem sollen an Volkert und seine Geliebte rund 290 000 Euro gezahlt worden sein für Reisen, Hotelaufenthalte, Einkäufe und andere "dienstferne Veranstaltungen“. Volkert hatte im Herbst 2006 wegen Verdunkelungsgefahr drei Wochen lang in Untersuchungshaft gesessen.

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