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18.12.2007 
Dr. Viagra und Lambo-Schuster halten auf

VW-Prozess geht in die Verlängerung

von Jan Keuchel

Im VW-Prozess redet so mancher. Am Dienstag hatten Dr. Viagra und Lambo-Schuster ihren Auftritt. Sie hatten durchaus Interessantes zu berichten, sprachen von "atmosphärischen Ergänzungen", die es für den Betriebsrat zu schaffen galt. Doch eigentlich warten alle nur auf eine Aussage: die von Ferdinand Piëch.

Auftritt Helmuth Schuster: Der frühere Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda verlässt am Dienstag den Gerichtssaal in Braunschweig. Foto: dpaLupe

Auftritt Helmuth Schuster: Der frühere Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda verlässt am Dienstag den Gerichtssaal in Braunschweig. Foto: dpa

BRAUNSCHWEIG. Warten, warten, warten. Die Uhr im Gerichtsaal zeigt bereits kurz nach zwei. Doch noch immer kein Wort zu jenem Mann, der hier längst unsichtbar im Mittelpunkt steht. Bislang ist nicht einmal sein Name gefallen. Es könnte der Tag des Ferdinand Piëch werden, aber zunächst sind andere dran. Jene da drüben mit der fahlen Gesichtsfarbe der Raucher, die Angeklagten. Und jene da draußen, die Zeugen.

"Dr. Viagra" ist soeben eingetreten, er hat als erster das Wort. Und er erzählt uns von damals, von Reisen in fremde Länder und von angenehmen Gesprächen mit jungen Frauen, "ich glaube es waren Studentinnen". "Eine von ihnen", sagt er, "habe ich später mit ins Hotel genommen."

Ein weiterer Tag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Braunschweigs. Der Prozess um Korruption bei VW, um Lustreisen auf Firmenkosten und Schmiergelder für Betriebsräte geht in die nächste Runde. Prozess Nummer vier, Prozesstag Nummer vier. Und die Kammer verlängerte den Prozess am Dienstag um fünf weitere Termine bis Ende März. Das Urteil, das ursprünglich für Ende Januar geplant war, ist nun für den 27. März terminiert.

Langsam wird's langweilig. Wäre da nicht die vermutete Patriarchendämmerung, ganz im Sinne des deutschen Endzeitstimmungs-Dichters Gottfried Benn. Ein letzter Aufschub für Deutschlands mächtigsten Autoboss Ferdinand Piëch? "Schwälende Tage, alte Beschwörung, Bann", so nennt es Benn. "Die Götter halten die Waage eine zögernde Stunde an."

Denn auf der Anklagebank sitzt Piëch, der frühere Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef, (noch) nicht. Aber das strahlende Bild des unantastbar Unwissenden bekommt ein paar schmutzige Flecken.

Nach Ex-Personalvorstand Peter Hartz und den früheren VW -Betriebsräten und SPD -Politikern Hans-Jürgen Uhl und Günter Lenz soll es nun Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und dem ehemaligen Personalmanager bei VW, Klaus-Jürgen Gebauer, strafrechtlich an den Kragen gehen. Untreue und Anstiftung dazu sowie Begünstigung von Betriebsräten steht in der Anklageschrift. Volkert hatte millionenschwere Sonderboni erhalten, VW hatte auf sein Drängen auch seine brasilianische Geliebte ausgehalten. Gebauer war der verlängerte Arm von Hartz, er organisierte die Bordell-Vergnügungen, er zahlte und rechnete die Kosten über das Spesenkonto "1860" ab.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Rolle spielte Piëch?

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