VW-Prozess: Sekretärin musste Prostituierte und Taschengeld besorgen

VW-Prozess
Sekretärin musste Prostituierte und Taschengeld besorgen

Das Beiprogramm für Reisen von VW -Betriebsräten war umfangreich: Besuche bei Prostituierten und Taschengeld oder Einkaufsgutscheine für Ehefrauen zählten offenbar dazu, wie Zeugen im VW -Prozess vor dem Landgericht Braunschweig berichteten. Am Mittwoch ist Aufsichtsratschef Piëch als Zeuge geladen.

HB BRAUNSCHWEIG. Ausflüge in Nachtclubs und Besuche von Prostituierten auf Firmenkosten gehörten bei Volkswagen seit Mitte der 90er Jahre zum Beiprogramm von Betriebsratsreisen. "Das hat sich so ergeben. Dass es nicht richtig war, das weiß ich jetzt", sagte der ehemalige SPD -Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl am Dienstag als Zeuge im Korruptionsprozess gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert.

Aufklärung erhofft sich das Gericht auch von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der am Mittwoch vor dem Landgericht Braunschweig als Zeuge vernommen werden soll.

Neben Volkert ist der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer angeklagt, der Bindeglied zwischen Betriebsrat und Management war. Gebauer habe ihn wohl auf einer Dienstreise angesprochen, ob er mit in einen Nachtclub kommen wolle, sagte Uhl, der früher Geschäftsführer des VW -Betriebsrates war. "Das hat dann wiederholt stattgefunden." Gebauer habe ihm auf solchen Reisen gelegentlich auch Geld für private Zwecke gegeben. Uhl hatte im vergangenen Jahr nach langem Leugnen gestanden, in seiner Zeit als Betriebsrat auf VW -Kosten die Dienste von Prostituierten genutzt zu haben. Wegen Beihilfe zur Untreue und falscher eidesstattlicher Versicherung war er zu einer Geldstrafe von fast 40 000 Euro verurteilt worden. Als Abgeordneter war er zurückgetreten.

Gebauer hatte das Beiprogramm mit Nachtclub-Besuchen und Prostituierten organisiert, über seinen Tisch liefen die umstrittenen Spesenabrechnungen von Betriebsräten. Dieses Gebaren habe sie als ungerecht empfunden, sagte eine damalige Sekretärin Gebauers. Sie habe ihren Unmut ihrem Chef gegenüber geäußert. "Herr Gebauer hat gesagt, beschwere dich ein paar Sektoren weiter." Damit habe er ihrer Ansicht nach Volkert gemeint. "Aber ich kann mich ja nicht zu denen gehen, die involviert sind", sagte die Zeugin.

Es habe auf VW -Kosten auch Reisen für einige Betriebsräte in Begleitung ihrer Ehefrauen gegeben, berichtete die Sekretärin. "Wir hatten den Auftrag, von allem das Beste zu organisieren." Die Frauen hätten Geschenke und Bargeld erhalten. "Bei einer Reise nach Paris gab es einen Einkaufsgutschein von Hermes."

Ob Piech, der 1993 bis 2002 VW -Vorstandschef war, von umstrittenen Spesenabrechnungen des Betriebsrates wusste, wollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung nun herausfinden. Ende November hatte VW erklärt, der Konzern und sein Vorsitzender hätten keinerlei Erkenntnis von den Veruntreuungen gehabt. Kommende Woche soll auch Piechs Nachfolger, der frühere VW -Chef Bernd Pischetsrieder, als Zeuge vernommen werden. Eine Mitwisserschaft des Managements könnte das Strafmaß für Volkert und Gebauer verringern.

Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue in 48 zum Teil besonders schweren Fällen angeklagt. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat Volkert über mehrere Jahre hinweg Sonderboni von fast zwei Mill. Euro kassiert, ohne dass er dafür eine entsprechende Gegenleistung erbracht hätte. Gebauer steht wegen Untreue in 40 Fällen vor Gericht.

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