VW setzt auf russischen Markt

Mit Motoren gegen die Krise

Seit 2006 spielt der VW-Konzern in der Liga der wichtigsten Autobauer in Russland. Weltweit macht der Abgas-Skandal den Wolfsburgern zu schaffen. Doch in Russland hat der Konzern noch ganz andere Probleme.
„In Russland verkaufen wir sehr wenig Diesel.“ Quelle: dpa
VW-Produktion in Russland

„In Russland verkaufen wir sehr wenig Diesel.“

(Foto: dpa)

KalugaIn Jörn Kuchs Reich herrscht emsiges Treiben. Der 47-jährige Ingenieur leitet das erste Motorenwerk des VW-Konzerns in Russland. Getriebe zusammenschrauben gegen die Krise. „Drehen, fräsen, schleifen, bohren - hier könnte ich mich mein ganzes Leben austoben“, sagt Kuch. Wenn er durch das neue Werk in Kaluga rund 170 Kilometer südlich von Moskau führt und die vielen kleinen Arbeitsschritte präsentiert, versprüht er große Begeisterung.

Hochkonzentriert wirken die Arbeiter an ihren Werkständen und am Fließband. Ein zarter Hauch von Chemie hängt in der Luft, doch alles wirkt neu, hell und klinisch rein. Kuch beaufsichtigt rund 400 Mitarbeiter, seit die Fabrik im September an den Start gegangen ist. 600 Motoren am Tag will er hier zusammensetzen, 150.000 im Jahr - dem milliardenschweren Abgas-Skandal und der Wirtschaftskrise zum Trotz.

„In Russland verkaufen wir sehr wenig Diesel“, sagt Marcus Osegowitsch, Chef von VW-Russland. Deswegen spiele „Dieselgate“ für sein Geschäft kaum eine Rolle.

Der 48-jährige Österreicher empfängt in einem modernen Konferenzraum im Hauptwerk in Kaluga, auf dessen Gelände auch die Motorenfabrik angesiedelt ist. „Wir verkaufen im Durchschnitt weniger als fünf Prozent Dieselmotoren in Russland.“ Vom Abgas-Skandal sind Osegowitsch zufolge lediglich drei Prozent des Absatzes betroffen.

VW war einer der Hauptsponsoren der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und ist Partner der russischen Fußball-Nationalmannschaft. Der Konzern gehört in Russland zu den größten ausländischen Investoren im Automobilsektor. Die Fahrzeuge gelten als zuverlässig. Besonders beliebt sind wegen der oft schon am Rand von Großstädten schwierigen Straßenverhältnisse geländefähige Modelle.

Am stärksten macht VW in Russland die desolate russische Wirtschaftslage zu schaffen. „Bei uns hat die Wirtschaftskrise Mitte 2013 angefangen“, schildert Osegowitsch. Noch 2012 hatte VW-Russland mit mehr als 320.000 verkauften Autos einen Rekord eingefahren und sich damit auf Platz fünf der wichtigsten Konzern-Regionen katapultiert.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Seit 2013 aber geht es nur noch bergab. Lag der Absatz 2014 noch bei 260.000 Fahrzeugen, sank er der Vereinigung Europäischer Unternehmer in Moskau zufolge in den Monaten Januar bis November 2015 um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der gesamte russische Automarkt steckt demnach mit rund 34 Prozent im Minus.

„Wir glauben an Russland“
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