VW sichert sich Mehrheit an Scania
„Da können wir gemeinsam einkaufen“

Harmonie war angesagt, als am Montag im feinen Stockholmer Restaurant „Operaterassen“ Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, Investor-Chef Börje Ekholm und Scania-Boss Leif Östling den Verkauf der Mehrheit des schwedischen LKW-Herstellers Scania an VW bekanntgaben. Freundschaftliches „Auf-die-Schulter-Klopfen“ und beherztes Lachen – hier trafen sich gute alte Bekannte. Zumindest sollte dieser Eindruck vermittelt werden.

STOCKHOLM. VW-Chef Winterkorn, dessen Konzern jetzt 68,6 Prozent der Stimmrechte an Scania besitzt, hob die lange „Erfolgsstory von Scania“ hervor und betonte, dass es „ in absehbarer Zeit keine Veränderungen im Management und der Belegschaft“ geben werde. Auch gaben sich Winterkorn und Östling bedeckt, welche Rolle MAN in einem neuen LKW-Riesen spielen werde.

Gegenüber dem Handelsblatt erklärte Winterkorn, dass Scania ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen bleiben werde. Das sei „keine Frage, die heute oder in absehbarer Zukunft beantwortet werden muss“, sagte er. Sein Konzern habe in der Vergangenheit bewiesen, dass man acht verschiedene Marken unter einem Dach managen kann. „Das wird auch mit neun Marken gehen“, so Winterkorn, der aber gleichzeitig betonte, dass es langfristig eine industrielle Logik mit einer stärkeren Zusammenarbeit der drei Unternehmen gäbe.

Er schloss aus, dass MAN einen Platz im Aufsichtsrat von Scania erhalten werde. Außerdem unterstrich er, dass er gern Scania-Chef Leif Östling auch noch über dessen Vertragsende im Frühjahr 2009 in der Konzernführung sähe. Auch Östling selbst bestätigte sein Interesse an einer Vertragsverlängerung. „Ja, ich würde gern weitermachen“, sagte er.

Überhaupt versuchte Östling, der nach dem ersten feindlichen Übernahmeangebot von MAN im Herbst 2006 von einem “Blitzkrieg“ der Deutschen sprach, einen versöhnlichen Ton zu finden. Mit VW habe sein Konzern seit vielen, vielen Jahren eine enge und freundschaftliche Partnerschaft. „VW hat bewiesen, dass sie ein guter industrieller Eigner sind“, sagte Östling. VW-Finanzchef Hans-Dieter Pötsch betonte die „substanziellen Synergien“ zwischen VW und Scania. „20 bis 30 Prozent der Produktionskosten in der Fahrzeugbranche macht heute in die Elektronik aus. Da können wir gemeinsam einkaufen“. Auch in der Forschung könne man voneinander profitieren.

Während Investor-Chef Börje Ekholm den Verkauf des Scania-Anteils als einen Beschluss bezeichnete, der „nicht leicht gefallen ist“, begrüsste Schwedens konservativer Regierungschef Fredrik Reinfeldt den neuen Hauptaktionär VW. „Das Wichtigste ist, dass Volkswagen zugesagt hat, Konzernsitz und Entwicklungsabteilung in Södertälje zu belassen“, sagte er. Positive Töne auch von der Scania-Gewerkschaft, die sich noch vehement einer Übernahme durch MAN widersetzt hatte. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass VW ein langsichtiger und guter industrieller Partner ist“, sagte der Vorsitzende der Metall-Gewerkschaft bei Scania, Johan Järvkio.

In der schwedischen Presse wurde die nahezu vollständige Übernahme von Scania durch VW unterschiedlich kommentiert. „Die Deutschen siegen“, schrieb die größte Wirtschaftszeitung des Landes, Dagens Industri, in ihrer Online-Ausgabe, während die meisten anderen Medien auf nationalistische Untertöne verzichteten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%