VW-Skandal
Jetzt begehren die Aktionäre auf

Anwalt Andreas Tilp bringt die erste deutsche Anlegerklage nach dem VW-Manipulationsskandal auf den Weg. Weitere Aktionäre können sich anschließen. Tilp ist überzeugt: „Der Sachverhalt ist so klar wie selten.“

DüsseldorfEtliche Volkswagen-Aktionäre haben Andreas Tilp zuletzt um den Schlaf gebracht. Doch das ärgert den Juristen keineswegs. Im Gegenteil: Tilps Jagdinstinkt ist geweckt, in solch einem historischen Fall legt er gerne mal eine Nachtschicht ein. Jetzt geht es ihm darum, VW für den Schaden zur Verantwortung zu ziehen, den der Konzern durch Pflichtverletzungen womöglich seinen Anleger zugefügt hat.

Tilp ist nicht irgendein Anwalt, er vertritt auch Musterkläger gegen die Deutsche Telekom und die Hypo Real Estate. Ihm war sofort klar, welche juristische Sprengkraft der VW-Skandal aus Aktionärssicht hat. Jetzt schafft Tilp Fakten: „Wir haben beim Landgericht Braunschweig eine Klage nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) eingereicht. Der Konzern hat nicht auf die Ansprüche reagiert, die unser Mandant angemeldet hat, deswegen war der Schritt notwendig“, erklärte Tilp gegenüber dem Handelsblatt. Damit hat Tilp die erste deutsche Anlegerklage gegen Volkswagen auf den Weg gebracht.

Im konkreten Fall macht der Kläger einen wirtschaftlichen Schaden von rund 20.000 Euro geltend. Er hatte im April und Juli 2015 VW-Stammaktien gekauft und will nun, dass die Aktienkäufe rückgängig gemacht werden. Hilfsweise macht er einen sogenannten Kursdifferenzschaden von rund 60 Euro pro Aktie geltend.

Der Kläger bildet nun womöglich die Sperrspitze einer großen Anzahl von institutionellen Investoren und Kleinaktionären, die sich der Musterklage anschließen können. „Ich gehe davon aus, dass unsere Kanzlei im Rahmen dieses KapMuG-Verfahrens eine Schadensumme von einer halben Milliarden Euro für geschädigte Aktionäre geltend machen kann“, sagt Tilp.

Handelsblatt-Dossier:
Inside Wolfsburg

Volkswagen hatte höchste Ziele: Die Welt der Autos wollte man auch mit der Dieseltechnologie erobern. Doch die Motoren lieferten nicht die vom US-Staat geforderten Abgaswerte, weshalb der Wolfsburger Automobilkonzern eine groß angelegte Manipulation begann. Die Rekonstruktion eines Betrugs in elf Kapiteln.

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Für ihn steht außer Frage, dass viele Anleger den Autokonzern in Haftung nehmen können. Volkswagen habe es versäumt, rechtzeitig über die Manipulation der Abgaswerte bei den Dieselfahrzeugen zu informieren. „Der Sachverhalt ist so klar wie selten“, sagte Tilp. „Es gab bereits 2014 Ermittlungen der Umweltbehörden und erste Rückrufaktionen.“ Mindestens zu diesen Anlässen sei VW nach dem Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet gewesen, eine Ad-hoc-Meldung herauszugeben.

Nach dem Bekanntwerden des Skandals am 20. September brach die VW-Aktie um teilweise mehr als 40 Prozent ein. Insgesamt büßte der Konzern viele Milliarden an Börsenwert ein.

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