VW-Spitzentreffen in Leipzig
Was VW-Chef Müller beim Krisengipfel erwartet

Die Top-Führungskräfte von Volkswagen treffen sich am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Leipzig. Eigentlich geht es um die Neuausrichtung des Konzerns – doch auf einmal stehen wieder Personalfragen im Brennpunkt.

FrankfurtZumindest die Farbe der Fahrzeugflotte ist einheitlich. Schwarze VW-Busse mit Lederausstattung werden es in der Mehrzahl sein, dazu einige Phaetons und Touaregs mit den Chefs. Und weil man sich auf dem Werksgelände von Porsche in Leipzig befindet, wird auch der eine oder andere Cayenne darunter sein. Gut 1000 Gäste müssen schließlich bewegt werden, wenn Volkswagen seine Top-Führungskräfte zur Tagung am Donnerstag lädt.

Eigentlich wäre das alles eine unaufgeregte Veranstaltung, in der über die Herausforderungen der Zukunft, über neue Märkte, Modelle und Motoren gesprochen werden würde. Seit Monaten ist sie anberaumt, so wie jedes Jahr im Herbst. Vergangenes Jahr war man in Dresden, jetzt eben in Leipzig.

Nur dass die Veranstaltung seit der Dieselaffäre einen anderen Drive bekommen hat. An diesem Mittwoch berichtet der „Spiegel“ von mindestens 30 Managern, die in die Manipulation von Abgaswerten verwickelt gewesen sein sollen. Das Magazin beruft sich auf die bisherigen Ermittlungen der Internen Revision und der Anwaltskanzlei Jones Day. Ein VW-Konzernsprecher dementierte umgehend: „Die Zahl entbehrt jeglicher Grundlage“. Dennoch steht die Frage weiter im Raum: Wer wusste was?

Nicht der einzige Paukenschlag vor dem Führungskräfte-Treffen. Für einen weiteren sorgte Winfried Vahland, bisheriger Skoda-Chef und nun auserwählt für die Leitung in der neu geschaffenen Region Nordamerika, tritt seinen Posten nicht an. Nach 25 Jahren verlässt er den Konzern.

Ausgerechnet Vahland, der Hoffnungsträger, werden viele sagen. Der Mann, der das China-Geschäft des Konzerns vor rund einem Jahrzehnt erst groß machte und anschließend ab 2010 Skoda zur Ertragsperle mit einer Marge von mehr als acht Prozent formte. Vahlands Entscheidung werden die Teilnehmer versuchen zu interpretieren: Übersteigen die Probleme in Amerika selbst Vahlands Möglichkeiten, sind die Schwierigkeiten dort weit größer als bisher bekannt? Oder ist er am Ende gekränkt, da er einst selbst für den Posten des Konzernchefs gehandelt wurde, ehe sich der Aufsichtsrat dann doch eher für Matthias Müller entschied?

Darum wird sich das Gros der Vorträge und der Gespräche in den Pausen drehen, erwarten die, die dabei sein werden. Aber wohl noch mehr um die Dieselaffäre. Antworten auf das weitere Vorgehen und darauf, wie das verloren gegangenes Vertrauen beim Kunden zurück gewonnen werden kann, wären dringend erwünscht. Und vor allem auch eine Aussage, wie es über Jahre zur Manipulation in größten Stil kommen konnte, ohne dass angeblich jemand aus der obersten Führungsebene etwas davon mitbekommen haben will.

Dafür ist Matthias Müller zuständig. Wie schon bei Auftritten in den vergangenen Wochen seit seinem Amtsantritt am 25. September wird er den angestrebten Kulturwandel, den neuen Umgang untereinander und die durchaus erwünschte konstruktive Gegenrede in den Vordergrund stellen. Antworten, wie es überhaupt zur Dieselaffäre kommen konnte und wie diese zu lösen ist, wird aber auch er nur in begrenztem Maß geben können. Schlicht deswegen, weil auch er sie noch nicht kennt. Und weil es für die bis zu elf Millionen betroffenen Motoren weltweit Dutzende unterschiedlicher Lösungen braucht.

Ein Dreizylinder-Motor mit 1,2 Litern ist dabei, dazu zwei wesentliche populärere Vierzylinder mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum. Die wurden wiederum bei VW anders ausgerichtet als bei Audi, Skoda oder Seat. Und die boten diese Motoren wieder in unterschiedlicher Form in verschiedenen Märkten an. Dann muss auch noch unterschieden werden, ob das Fahrzeug mit Schaltgetriebe oder Automatik ausgeliefert wurde. Und bei den Schaltgetrieben macht dann noch den Unterschied, dass der 1,6 Liter-Motor mit Fünf-Gang-Getriebe ausgeliefert wurde, während der 2,0 Liter-Motor ein Sechs-Gang-Getriebe erhielt.

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