VW stellt seine Tochter auf den Prüfstand
Seat ist zum Erfolg verdammt

Volkswagen wacht mit Argusausgen über seine spanische Tochter Seat. Wolfsburg hat Milliarden in die Entwicklung neuer Modelle gesteckt. Sollten die Autos sich nicht besser verkaufen als die Vorgänger, könnten die Konzernoberen die Geduld mit dem Sorgenkind verlieren.

HB FRANKFURT. Mit dem Flaggschiff Toledo, dem kompakten Leon und dem Minivan Altea hat Seat in den vergangenen Monaten die Hälfte seiner Modellpalette erneuert. Doch der Verkaufserfolg blieb aus. Die Marke leidet, das geben selbst Konzernmanager zu, unter ihrem fehlenden Image. Seit Jahren versucht der VW-Konzern mit mäßigem Erfolg, Seat als Einstiegsmarke im sportlichen Segment für Audi aufzubauen. Doch selbst auf dem wichtigen Heimatmarkt Spanien gelingt das nur bedingt.

Im Volkswagen-Konzern läuft nach Informationen aus Branchenkreisen deshalb derzeit ein Machtkampf um die Zukunft der Marke. Angesichts der massiven Probleme von Volkswagen machten in Teilen der Wolfsburger Konzernführung Überlegungen die Runde, den spanischen Hersteller abzustoßen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa-AFX am Freitag. Von Audi, zu deren Markengruppe Seat gehört, bekomme die Tochter dagegen Rückendeckung. So unterstütze Audi-Chef Martin Winterkorn die bei Seat laufende Umstrukturierung.

Der Streit rankt sich offenbar auch um die Organisation der Markengruppen. Während Audi-Chef Winterkorn zwar formal die Hoheit über Seat hat, muss er sich tatsächlich doch jedes Investment in Wolfsburg absegnen lassen. Der Audi-Chef dürfte nun versuchen, auch die Investitionshoheit für Seat zu erhalten, schätzen Beobachter.

So weit, dass VW die Marke bei anhaltend schlechten Zahlen an einen chinesischen Autobauer verkaufen könnte, gehen die Pläne jedoch laut VW-Kennern noch nicht. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte am Freitag ohne Angaben von Quellen selbiges berichtet. Das Magazin schrieb weiter, VW könne dann die Seat-Fabrik im spanischen Martorell, wo das Unternehmen rund 10 000 Menschen beschäftigt, für die Herstellung von Modellen anderer Konzernmarken nutzen.

Sprecher von Seat und VW hatten den Bericht zurückgewiesen und erklärten, es gebe keinerlei Pläne für einen Verkauf der Marke oder eine Schließung des Werkes. Ein Seat-Sprecher sagte: „Wir befinden uns in einer Phase der Restrukturierung. Wir brauchen Zeit, um die Ziele des Konzerns zu erreichen.“

Dass Seat Probleme hat, ist offenkundig. „Seat hat in den vergangenen zwanzig Jahren gewaltig an Marktanteil verloren“, sagt Jordi Brunat, Automarktexperte bei der spanischen Businessschule Esade in Barcelona. Die Seat-Führung versucht derzeit, die Kosten massiv zu drücken. Ende August haben die Verhandlungen über ein neues Schichtmodell begonnen. Seat-Chef Andreas Schleef erhob die Forderung nach Lohnkostensenkungen von bis zu 15 Prozent. Ansonsten, so sagte er damals, drohe ein Stellenabbau von 800 der insgesamt 10 000 Beschäftigten in der Produktion.

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