VW-Strategie nach dem Dieselgate
Volkswagen muss umbauen – auch in der Belegschaft

VW-Chef Matthias Müller präsentiert dem Aufsichtsrat die Strategie mit Elektrifizierung und Mobilitätskonzepten. Zudem wird ein Jobabbau unvermeidlich. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch es geht um sehr viele Stellen.
  • 19

WolfsburgVolkswagen steht an diesem Dienstag vor einer wegweisenden Aufsichtsratssitzung. Vorstandschef Matthias Müller will von den obersten Kontrolleuren des Konzerns seine „Strategie 2025“ absegnen lassen. Müller muss den Spagat versuchen: Besonders die Konzernmarke VW produziert viel zu teuer und ist auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig. Volkswagen muss viel effizienter werden, am Ende wird das auch Stellen kosten. Zugleich will Müller das Unternehmen auf die Zukunft ausrichten – auf den Elektroantrieb und den Wandel zum Mobilitätsanbieter.

Der Vorstandschef hat schon selbst vor ein paar Wochen vor Führungskräften von VW die Agenda vorgegeben. „Die Mittel, die wir in die Elektrifizierung und in andere Zukunftsfelder investieren, müssen aus dem Kerngeschäft mit den bestehenden Fahrzeugen und klassischen Antrieben kommen“, verkündete Müller.

Im Jahr 2025, so lautet eine der Vorgaben in Wolfsburg, soll jedes zehnte Auto mit Elektro- oder Hybridantrieb ausgestattet sein. Das wären dann also pro Jahr etwa eine Million Autos. Nach dem Dieselskandal ist VW in Sachen Umwelt besonders unter Druck und muss seine Glaubwürdigkeit zurückerlangen. Zudem bereitet sich der Wolfsburger Konzern damit auf schärfere Umweltbestimmungen vor, die wegen des Dieselskandals in den kommenden Jahren für die gesamte Branche zu erwarten sind.

VW ist damit nicht allein, auch andere Autohersteller bereiten sich auf die neue Zeit vor. So will Daimler den Anteil der verkauften Autos mit Elektroantrieb deutlich ausbauen und plant weitere Modelle. „Bis 2020 wird Elektromobilität bei Daimler sechsstellig“, sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Auf dem Pariser Autosalon im September wollen die Stuttgarter den Ausblick auf ein rein batterieelektrisches Fahrzeug geben. Es soll mit einer Ladung bis zu 500 Kilometer weit fahren und in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.

Die Elektrifizierung wird Milliarden verschlingen und steht für die eine Seite von Müllers „Strategie 2025“. Zugleich muss Volkswagen auch sein eigenes Gesicht erneuern. In der Zukunft wird es nicht mehr reichen, ausschließlich nur Autos von den Bändern laufen zu lassen. In den Städten werden die Staus immer länger und die Parkplatznot immer größer. Gerade Städter werden deshalb verstärkt auf den eigenen Wagen verzichten. Ihnen ist es egal, wie sie von A nach B kommen. Sie werden Taxi- und Mobilitätsdienste in Anspruch nehmen, sich mit anderen ein Auto teilen. Die „Sharing economy“ wird davon profitieren.

VW-Chef Müller muss seinen Aufsichtsräten die Schritte präsentieren, wie er sich diesen Wandel des Unternehmens in den nächsten zehn Jahren vorstellt. Ende Mai hat sich Volkswagen bereits mit 300 Millionen Euro am israelisch-amerikanischen Mitfahrdienst Gett beteiligt. Dieses Engagement beim Uber-Konkurrenten kann nur ein erster Schritt gewesen sein, VW wird noch viel mehr machen müssen. Müller will eine eigene Gesellschaft gründen, in der das komplette neue Mobilitätsgeschäft gebündelt wird. Dieses Unternehmen soll seinen Sitz in Berlin haben und vielleicht zur 13. Konzernmarke werden. Die neue Tochter soll auch die Konzepte für das autonome Fahren entwickeln.

VW-Markenchef Herbert Diess drängt darauf, dass der Umbau des Konzern möglichst zügig von statten geht. „Dabei dürfen wir keine Zeit verlieren, denn die Veränderungen in unserer Branche kommen jetzt sehr schnell – und sie sind von großer Tragweite“, sagt er. Bis zu diesem Punkt herrscht mit dem mächtigen Betriebsrat Einigkeit. „Wir müssen jetzt beherzt zupacken, damit Volkswagen den Schritt in das neue automobile Zeitalter schaffen kann“, fordert auch Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Seite 1:

Volkswagen muss umbauen – auch in der Belegschaft

Seite 2:

Kommt die neue Batteriefabrik?

Kommentare zu " VW-Strategie nach dem Dieselgate: Volkswagen muss umbauen – auch in der Belegschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • In jedem Fall erscheint eine Änderung der Governance im VW - Konzern, in dem bisher eine Art
    Co-Management durch den Betriebsrat bzw. die IG - Metall herrschte, dringend geboten.

  • was passiert eigentlich mit den erfolgsabhängigen Boni von Piech, Winterkorn und konsorten?? negativer Erfolg = negativer Bonus!
    warum betreibt VW Steuersparmodelle in z.B.Dellaware? trotz Aktienanteil vom Land Niedersachsen ( = Politik) ???

  • Wenn der Strom für die Straßenmobilität von erneuerbaren Energien kommt, wird der LKW der Ware zum nächsten Aldi-Markt bringt, genauso wie das Cabrio aus dem Netz heraus versorgt. Dafür braucht es nur 1 cm dicke isolierte Aludrähte, die in die Fahrbahndecke eingeritzt und wieder vergossen sind. Der Strom wird mit mehr als >93% Wirkungsgrad induktiv über Luftspalt auf den Empfänger am Fahrzeugboden übertragen. Damit 50 Hz Netzstrom einen ca. 30 cm Luftspalt überwindet, muss die Frequenz auf 35 kHz umgerichtet werden.
    99 % des von uns verbrauchten Stroms wird in der gleichen Sekunde des Verbrauchs erzeugt. Auch der Strom den ein ICE braucht um aus München Hbf heraus zu beschleunigen, lag nicht irgenwo herum, sondern wird in den Sekunden der Beschleunigung erzeugt. Wieviel Strom aus den verschiedenen Resourcen erzeugt wird, lässt sich Minutengenau auf der Fraunhofer-Website
    www.energy-charts nachschauen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%