VW streitet mit Bauern
Entweder Vegan oder Volkswagen

„Vital, vegetarisch, vegan“, so wirbt die Autostadt von VW aktuell. Jetzt machen die Bauernverbände Druck – sie fühlten sich durch die Argarkritik diskriminiert. Wie ein Fleischkonzern VW boykottieren will.
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Meppen/ Wolfsburg/ DüsseldorfBockwurst oder Blumenkohl, Frikadelle oder Tomatensalat? Seit einigen Wochen herrscht ein Streit zwischen dem deutschen Autoriesen Volkswagen und diversen Landwirtschaftsverbänden. Bauern werfen dem Konzern vor, vornehmend Werbung für vegetarisches Essen in Restaurants in Wolfsburg zu machen. Jetzt hat sich sogar ein großer Geflügelkonzern eingeschaltet. Der emsländische Schlachtkonzern Rothkötter will VW boykottieren.

In einem Brief an VW-Vorstandschef Martin Winterkorn schrieben die beiden Geschäftsführer Franz-Josef Rothkötter und Wilfried Fleming: „Solange die Stigmatisierung der konventionellen Land- und Ernährungswirtschaft auf der Homepage nicht beendet wird, werden wir keine weiteren Fahrzeuge des VW-Konzerns mehr erwerben.“ Eine ungewöhnliche Maßnahme, gilt doch VW in Wolfsburg und Umgebung als das „Must Have“-Auto. Ähnlich wie der Opel in Rüsselsheim und Ruhrgebiet.

Doch VW stellt sich diesen Vorwürfen nicht zum ersten Mal. Zuletzt hatte es im April einen Streit zwischen Landwirten und dem größten europäischen Autobauer gegeben. Damals rief der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse indirekt dazu auf, keine VWs mehr zu kaufen – weil sich Bauern von agrarkritischen Bemerkungen diskriminiert fühlten. Der Bauernverband Schleswig-Holstein hatte darüber auf seiner Facebook-Seite berichtet.

Dort heißt es beispielsweise: „Eine 'gute' Marketing-Strategie, um möglichst hippe Kunden anzusprechen. Dabei kann geschickt von den eigenen Umweltsünden abgelenkt werden. Da reitet der Konzern dann lieber auf einem Thema herum, das sich schon lange als effektiver Sündenbock der Mediengesellschaft bewiesen hat.“ (von Facebook-Nutzerin Eva Am Ort) Trotz der eindeutigen Anklage seitens des Bauernverbands gibt es viele Pro-VW-Kommentare, so wie der von Jürg Schwarz: „Der Wind hat sich halt gedreht, und der Verbraucher wird wach, womit die Branche nie gerechnet hatte. Echte Landwirte sollten sich von gewerblichen Investoren, von den rücksichtslosen Praktiken der Straathofs, Rothkötter [...] distanzieren“. Genauso wie im Kurznachrichtendienst Twitter:

Die Rothkötter-Geschäftsführer schrieben weiter, sie seien „zunehmend irritiert“, dass es auf der Homepage der Autostadt bislang keine Korrektur gäbe. Rothkötter produzierte laut dem jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss vom 30. Juni 2013 rund 30 Prozent des deutschen Hähnchenfleischs. Der Jahresumsatz betrug damals 995,5 Millionen Euro, momentan beschäftigt die Firma eigenen Angaben zufolge 2500 Mitarbeiter.

Indes will VW-Sprecher Tobias Riepe die Wogen glätten. Er wies darauf hin, dass sich inzwischen der niedersächsische Landvolk-Präsident und der Autostadt-Geschäftsführer Otto Wachs getroffen hätten. Es solle einen weiteren Austausch zwischen Landwirten und der Autostadt geben. „Da befinden wir uns noch in der Terminfindung“, sagte Riepe. Möglicherweise werde die Homepage überarbeitet.

VW gebe keine einseitigen Empfehlungen für fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung, sondern wolle alle Ernährungsformen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen darstellen. Mehr als zwei Drittel der Gerichte enthielten Fleisch, betonte Riepe. Nichtdestotrotz wirbt VW aktuell noch mit dem Slogan „vital, vegetarisch, vegan“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " VW streitet mit Bauern: Entweder Vegan oder Volkswagen"

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  • Vegetarisch und Vegan ist doch ohne die hervorragende Arbeit von Landwirten gar nicht denkbar!
    Dass die Tierhaltung gravierende Auswirkungen auf unsere Böden, unser Grundwasser, auf die Weltweite Lebensmittelverteilung, Rodung des Regenwaldes, den immensen CO2-Ausstoß, teilweise auf unsere Gesundheit, auf das Wohlbefinden von fühlenden Lebewesen hat, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Das darf durchaus angesprochen werden. Dies sollte verantwortungsbewusste Landwirte nicht beunruhigen.
    An der Reaktion einiger Verbände, ist erkennbar, wie sehr sie sich durch diese Faktenlage angegriffen fühlen.

  • @Friedericke Krick

    Das verwundert mich jetzt etwas - welche "fragwürdigen Quellen(verweise)" meinen Sie denn genau? Ich habe mir die Quellen mal angeschaut und finde da nichts fragwürdiges drunter. Es ist inzwischen anerkannt, dass unser Konsumverhalten bei tierlichen "Produkten" einen massiven Impact auf die Umwelt hat (Klima, Boden- und Wasserqualität, Krankheiten bei Menschen und anderen Tieren, etc. pp.).

    So hat z.B. das Worldwatch Institut festgestellt, dass die Massentierhaltung wahrscheinlich knapp über 50% des gesamten Klimawandels ausmacht, da hier nicht nur CO2, sondern auch wesentlich potentere Gase wie Methan und Stickoxid ausgestoßen werden, und das milliardenfach. Dazu kommt noch die mit der Haltung einhergehende systematische Zerstörung von CO2 Senken (nennt man Regenwald).

  • Leider ist auch der Handelsblatt-Recherche der eigentliche Grund für die Aufregung entgangen. Kein Mensch hat sich entrüstet, wel die Autostadt vegane und vegetarische Speisen anbietet. Sie verkauft ja auch sehr erfolgreich ihre Curry-Würste. Also alles in Ordnung. Entrüstet haben sich die Landwirte über die Hintergrundinformationen, in denen in epischer Breite die Qualität von Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft mit teils fragwürdigen Quellenverweisen mehr als in Frage gestellt wurde. Der Tenor dieser Aussagen: Wer sich nicht Bio ernährt oder gar Fleisch und/oder Milch zu sich nimmt, ist dem Tode nahe. Da darf man sich schon mal aufregen.

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