VW-Tochter
Seat zieht sich aus Russland zurück

Die spanische VW-Tochter Seat soll sich wegen schlechter Verkäufe aus Russland zurückziehen. Doch das wird kaum jemand bemerken: Auf dem Markt spielten die Spanier bislang ohnehin keine Rolle.
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MoskauDie Volkswagen-Tochter Seat wird Russland einem Zeitungsbericht zufolge im Januar den Rücken kehren. „Seat wird seine Verkäufe in Russland ab 1. Januar 2015 einstellen“, zitierte die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ am Montag Unternehmenskreise. Mittlerweile hat ein Unternehmenssprecher den Bericht bestätigt. Grund sei die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes, vor allem der Fall der Landeswährung Rubel. Er hat seit Beginn des Jahres ein Viertel seines Wertes eingebüßt.

Die Autoverkäufe in Russland waren zuletzt eingebrochen. Seat leidet unter der Marktschwäche. Die Verkäufe von Januar bis Oktober waren zuletzt um 57 Prozent auf 1.357 Fahrzeuge abgestürzt. Im Oktober verkauften die Spanier in Russland gerade einmal 78 Fahrzeuge. Damit kommen sie auf einen Marktanteil von 0,037 Prozent. Selbst unbekannte Marken wie Acura, Changan und Haima verkaufen in Russland mehr Autos.

Es ist das traurige Ende eine Expansion, die der damalige Seat-Chef James Muir im Januar 2011 eingeleitet hatte. Im darauffolgenden Jahr hatte Seat die Zahl seiner russischen Handelsstützpunkte mehr als verdoppelt und die im Land angebotene Produktpalette erweitert. Dennoch blieb die Präsenz der Marke in Russland gering. Produziert wurden die Modelle von Seat ohnehin nie in Russland. Für die Kapazitätsauslastung spielt der Rückzug daher keine Rolle.

Und auch für die Strategie des VW-Konzerns in Russland ist Seat irrelevant. Den Löwenanteil der Verkäufe machen die Kernmarke VW (103.000 verkaufte Fahrzeuge von Januar bis Oktober) und die tschechische Tochter Skoda (70.619 verkaufte Fahrzeuge) aus. Während die Kernmarke im Jahresverlauf rund 21 Prozent weniger Fahrzeuge verkaufen, können sich vor allem die Tschechen im Markt behaupten. Sie konnten im abgelaufenen Monat gegen den Markttrend um fünf Prozent zulegen.

Obwohl Seat im vergangenen Jahr mit knapp 6,5 Milliarden Euro die höchsten Umsatzerlöse der Unternehmensgeschichte erzielte, bleibt die Tochter für den VW-Konzern ein Sorgenkind. Die Nettoverluste nämlich kletterten von rund 30 Millionen auf 149 Millionen Euro.

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