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VW-Übernahmeschlacht: Porsche und Piëch im Visier der Staatsanwaltschaft

exklusivWolfgang Porsche, Ferdinand Piëch, Ulrich Lehner, Uwe Hück – das sind nur die prominentesten Namen, gegen die die Staatsanwaltschaft nun im Zuge der Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche ermittelt.

Wolfgang Porsche bei einer Veranstaltung des Porsche-Konzerns: Der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Autobauers steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Quelle: dapd
Wolfgang Porsche bei einer Veranstaltung des Porsche-Konzerns: Der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Autobauers steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Quelle: dapd

Stuttgart/HamburgEinen Tag, nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen gegen den Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE ausgedehnt hat, ist nun klar, gegen wen konkret ermittelt wird. Nach Informationen des Handelsblatts sind alle zwölf Aufsichtsräte, die im Zeitraum vom 10. März bis zum 2. Oktober 2008 dem Kontrollgremium angehörten, Teil der Ermittlungen. „Wir ermitteln gegen alle damaligen Aufsichtsräte“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation.

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Im Visier der Staatsanwaltschaft stehen damit unter anderem Wolfgang Porsche als Chefaufseher der Porsche SE und sein Cousin Ferdinand Piëch, Aufseher der Porsche SE und Aufsichtsratschef von Volkswagen. Auf der Kapitalbank saßen in dem von den Staatsanwälten untersuchten Zeitraum zudem Ferdinand Oliver Porsche, Hans Peter Porsche, Hans Michel Piëch und der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner. Nur Hans Peter Porsche gehört dem Gremium aktuell nicht mehr an.

Anlegeranwalt Braun „Piëch hätte die Optionsgeschäfte verhindern müssen“

Ferdinand Piëch hat seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt. Kläger-Anwalt Franz Braun erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, welche Folgen das Urteil für Porsche und Piëch haben könnte.

Ermittelt wird aber auch gegen die sechs Aufsichtsräte auf der Arbeitnehmerbank. Prominentester Vertreter ist Porsches Betriebsratschef Uwe Hück. Die Staatsanwälte hegen gegen die damaligen Aufsichtsräte den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation. Im Gegensatz zur Kursmanipulation selbst – auf diesen Tatbestand stehen bis zu fünf Jahre Haft – mildert sich das Strafmaß um ein Viertel. Auch eine Geldstrafe ist möglich.

„Ja, es stimmt, wir haben das Schreiben der Staatsanwaltschaft bekommen. Ich frage mich aber, warum jetzt. Nun brauchen wir erst einmal Akteneinsicht, um zu wissen, worum es geht“, sagte Porsches Betriebsratschef Uwe Hück dem Handelsblatt. „An den Vorwürfen gegen die Aufsichtsräte ist nichts dran“, so Hück.

Wegweiser durchs Klagedickicht bei Porsche/VW

  • Landgericht Braunschweig

    Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, sollten 2013 verhandelt werden.

    Eine Klage verwies das Landgericht im Juni 2013 an das Kartellgericht in Hannover, da die Kläger argumentiert hatten, Porsche habe mit einer Bank ein Kartell gebildet, um den Markt für die VW-Stammaktien zu kontrollieren.

    Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

  • USA

    Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wurde darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hatte die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt – im März 2013 zogen einige Kläger die Berufung zurück. Auch vor einem New Yorker Gericht standen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, in zweiter Instanz wurde die Klage allerdings abgewiesen.

  • Stuttgart 1

    Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten. Härter wurde Anfang Juni 2013 zu einer Strafe in Höhe von 630.000 Euro verurteilt, kündigte aber Revision an.

    Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.

  • Stuttgart 2

    Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.

Die Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln bereits seit Dezember gegen die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen des Verdachts, gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. Dabei geht es um den am Ende gescheiterten Versuch von Porsche, den vielfach größeren VW-Konzern zu übernehmen.

Wiedeking und Härter sollen durch das, was sie seit 2005 während der Übernahmeschlacht gesagt und nicht gesagt haben, den Aktienkurs von VW manipuliert und die Anleger getäuscht haben. Entscheidend ist für die Staatsanwaltschaft der Zeitraum zwischen dem 10. März 2008 und dem 2. Oktober desselben Jahres.

  • 12.02.2013, 10:56 UhrKORRUPTUS

    In einem sind diese Leute alle gleich, nämlich in Ihrer unersättlichen Gier nach Geld. Man sollte diese Leute weg sperren, damit Sie keinen Schaden mehr anrichten können mit Ihren unsäglichen Methoden. Man sollte Sie im Gefängnis "Geld fressen lassen".

  • 12.02.2013, 11:24 UhrOfelas

    Haerter und Team haben systematisch falsche Angaben gemacht und dadurch den urspruenglich Kredit von Banken erhalten. Als die Refinanzierung anstand und es nach und nach rauskamm wie sehr die Angaben "gebogen" wurden, haben die meisten Banken keine Refinanzierung zugestimmt. Desweiteren hat Haerter die versammelter Bankenmannschaft als Deppen bezeichnet. Arroganz kommt vor dem Fall!

  • 12.02.2013, 11:57 UhrK.Seim

    Was mich seit langem an der Berichterstattung (nicht nur im Handelsblatt) verwundert, ist die Einengung der betrachtungsweise Buf Herrn Härter und Herrn Wiedeking. Diese waren zwar als Vorstände einer dt. AG nicht weisungsgebunden, musssten sich aber für eine Investition der Größenordnung erst die Zustimmung der HV, bzw. des AR einholen. Das die Porsche AG (sozusagen als Vehikel) der Familien Porsche und Piech agiert hat beim Kauf der VW AG, wurde bisher fast nie thematisiert.
    Ich bezweifle die Deutung, dass dieser Unternehmenskauf das Werk "durchgeknallter Egos" namens Härter und Wiedeking war. Beide haben m.E. mit klarem Mandat der Anteilseigner gehandelt - letztlich bisher mit Erfolg. Mittlerweile gehört VW den beiden Familien zu fast 2/3 (inkl. der Porsche AG).

    Vor dem Hintergrund würde mich eine detailliertere Recherche und Berichterstattung zu diesem Komplex interessieren. Das Handelsblatt hat vor nicht allzu langer Zeit aus AR-Protokollen der Thyssen-Krupp AG zitiert (m.E. zu Lappalien, um Herrn Steinbrück zu schaden, aber das ist eine andere Ebene). Mich würde eine vertiefte Recherche zu den Abläufen rund um den Kauf etc. auf AR und Anteilseignerebene interessieren. Das wäre mal interessanter Printjournalismaus, für den ich (als ehem. FTD-Abonnent) gerne Geld ausgeben würde in Form eines fortgeführten Abonnements des Handelsblatts.
    Kai Seim

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