
Stuttgart/HamburgEinen Tag, nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen gegen den Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE ausgedehnt hat, ist nun klar, gegen wen konkret ermittelt wird. Nach Informationen des Handelsblatts sind alle zwölf Aufsichtsräte, die im Zeitraum vom 10. März bis zum 2. Oktober 2008 dem Kontrollgremium angehörten, Teil der Ermittlungen. „Wir ermitteln gegen alle damaligen Aufsichtsräte“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation.
Im Visier der Staatsanwaltschaft stehen damit unter anderem Wolfgang Porsche als Chefaufseher der Porsche SE und sein Cousin Ferdinand Piëch, Aufseher der Porsche SE und Aufsichtsratschef von Volkswagen. Auf der Kapitalbank saßen in dem von den Staatsanwälten untersuchten Zeitraum zudem Ferdinand Oliver Porsche, Hans Peter Porsche, Hans Michel Piëch und der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner. Nur Hans Peter Porsche gehört dem Gremium aktuell nicht mehr an.
Ermittelt wird aber auch gegen die sechs Aufsichtsräte auf der Arbeitnehmerbank. Prominentester Vertreter ist Porsches Betriebsratschef Uwe Hück. Die Staatsanwälte hegen gegen die damaligen Aufsichtsräte den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation. Im Gegensatz zur Kursmanipulation selbst – auf diesen Tatbestand stehen bis zu fünf Jahre Haft – mildert sich das Strafmaß um ein Viertel. Auch eine Geldstrafe ist möglich.
„Ja, es stimmt, wir haben das Schreiben der Staatsanwaltschaft bekommen. Ich frage mich aber, warum jetzt. Nun brauchen wir erst einmal Akteneinsicht, um zu wissen, worum es geht“, sagte Porsches Betriebsratschef Uwe Hück dem Handelsblatt. „An den Vorwürfen gegen die Aufsichtsräte ist nichts dran“, so Hück.
Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, haben laut Plan ihren mündlichen Verhandlungstermin am 17. April 2013. Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.
Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wurde darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hatte die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt – im März 2013 zogen einige Kläger die Berufung zurück. Auch vor einem New Yorker Gericht standen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, in zweiter Instanz wurde die Klage allerdings abgewiesen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten, der Prozess soll 2013 enden. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.
Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.
Die Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln bereits seit Dezember gegen die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen des Verdachts, gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. Dabei geht es um den am Ende gescheiterten Versuch von Porsche, den vielfach größeren VW-Konzern zu übernehmen.
Wiedeking und Härter sollen durch das, was sie seit 2005 während der Übernahmeschlacht gesagt und nicht gesagt haben, den Aktienkurs von VW manipuliert und die Anleger getäuscht haben. Entscheidend ist für die Staatsanwaltschaft der Zeitraum zwischen dem 10. März 2008 und dem 2. Oktober desselben Jahres.

Sehr richtig! Mir kann niemand erzählen das F. P. Da nicht Bescheid wusste. Wann wird man je verstehen....

...kommt ein Anleger nackt aus dem Casino...
liebes HB: ein paar Zocker haben verloren, ein paar irres Geld eingesackt. Was soll das Gelaber vom "Anleger" - dieser Begriff suggeriert Seriosität, die einfach nicht da ist.
Der Staat hat da übrigens auch sein Schnäppchen gemacht, was soll also dieses Rumgepose von Staatsanwälten?

@ofelas und roothom
Eine Kreditlinie über 7,5 Milliarden € war geknüpft an den Fall des VW Gesetzes. Hinter den Kulissen hat da auch Herr Christian Wulff gespielt. Er wollte unbedingt im AR seine Macht erhalten. Damals hatte er sich für mich charakterlich für das Amt des Bundespräsidenten disqualifiziert.
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