VW und Dieselgate Ex-Volkswagen-Manager droht lebenslange Haftstrafe

Elf Anklagepunkte, keine Kaution wegen hoher Fluchtgefahr – die US-Justiz zeigt sich im Falle des festgenommenen Ex-VW-Managers gnadenlos. Nun drohen ihm laut Justizministerium sogar bis zu 169 Jahre Haft.
Update: 13.01.2017 - 09:35 Uhr 16 Kommentare
Dem in den USA festgenommenen Ex-VW-Manager drohen bis zu 169 Jahre Haft. Quelle: Reuters
Volkswagen

Dem in den USA festgenommenen Ex-VW-Manager drohen bis zu 169 Jahre Haft.

(Foto: Reuters)

Miami/New YorkDem in den USA festgenommenen früheren Volkswagen-Manager drohen nach Angaben des US-Justizministeriums im Abgas-Skandal bis zu 169 Jahre Haft. „Faktisch sieht er sich mit lebenslangem Gefängnis konfrontiert“, erklärte das Ministerium am Donnerstag.

Insgesamt gebe es elf Anklagepunkte. Der Mann war am Samstag in Miami nach einem Urlaubsaufenthalt vor dem Heimflug nach Deutschland verhaftet worden. Am Donnerstag entschied der zuständige Richter William Turnoff, der Beschuldigte könne wegen hoher Fluchtgefahr nicht gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Seine Anwälte wollten gegen die Entscheidung Einspruch erheben.

Der 48-Jährige soll von Beamten der Justizbehörde US Marshals Service zum zuständigen Gericht in Detroit gebracht werden, wo Strafanzeige gegen ihn gestellt wurde und ihm der Prozess gemacht werden soll. Der Mann wird beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen sein.

Ihm wird insbesondere der Versuch vorgeworfen, Abgas-Manipulationen zu vertuschen und Ermittler in die Irre zu führen. Wann der VW-Mitarbeiter, der bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, erstmals vor dem zuständigen Richter Sean Cox in Detroit erscheint, ist nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft von Michigan noch nicht klar.

Der Mann ist einer von sechs amtierenden und ehemaligen Volkswagen-Managern, die die US-Justiz im Zusammenhang mit der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Bei den anderen Angeklagten dürfte das aber nicht so einfach werden, da die US-Fahnder in Deutschland schwer Zugriff auf sie haben. In der 39-seitigen Klageschrift sind etliche Anschuldigungen von bewussten Falschaussagen bis hin zur Vernichtung von Beweismitteln gelistet.

VW hatte sich im US-Strafverfahren bereits auf Unternehmensebene schuldig bekannt und kriminelle Handlungen zugegeben. Der Konzern zahlt im Rahmen eines am Mittwoch vom US-Justizministerium verkündeten Vergleichs 4,3 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro), um straf- und zivilrechtliche Rechtskonflikte beizulegen. Diese Einigung muss aber noch abschließend von Richter Cox genehmigt werden.

  • rtr
  • dpa
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16 Kommentare zu "VW und Dieselgate: Ex-Volkswagen-Manager droht lebenslange Haftstrafe"

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  • Die US-Richter tun das wovor deutsche und EU-Richter Angst haben, nämlich krasses Fehlverhalten (Betrug) entsprechend hart zu ahnden. Wohlgemerkt, nicht nur die US-Öffentlichkeit ist durch die VW-Schummelsoftware hinter´s Licht geführt worden und Umwelt- und Gesundheitsschäden durch bis zu 7 x höhere Abgas-/Emissionswerte sind ebenfalls zu beklagen.

    Aber wenn ich mir die US-Dreckschleudern ansehe, die, insbesondere bei aufgemotzten SUV´s und PickUps schwarzen Qualm in die Umwelt pusten, so vermisse ich das große Engagement der US-Justiz bei der Verfolgung der Umweltsünden von Chrysler, GM und FORD.

    Hier wird mit 2er-lei Maß gemessen und hier müssen EU-Politiker ansetzen, vorausgesetzt sie haben das Rückgrat dazu (woran ich mittlerweile zweifle) ...

  • @Herrn Moser

    "Die EU und auch D ist nur zu dämlich mit gleicher Münze heimzuzahlen."

    Das glaube ich nicht. Entweder trauen sich die europäischen Behörden nicht, Firmen der Schutzmacht zu attacken, oder diese Praxis geschieht mit der Billigung Europas. Ich tippe mal auf letzteres

    Hier im handelsblatt hat mal einer reklamiert:

    " Ifo-Chef Sinn verteidigt VW und geht hart mit der US-Finanzindustrie ins Gericht: „Wo ist die europäische Verbraucherschutzbehörde, wo sind die Sammelklagen, die die Hersteller der betrügerischen ABS-Papiere aus Amerika mit Forderungen von Dutzenden von Milliarden Euro überschütten?“

    Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die Kritik an VW für überzogen. „Bei der VW-Affäre wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagte Sinn dem Handelsblatt. Der Konzern habe „regulatorische Arbitrage“ betrieben, wie sie in der Finanzindustrie allgegenwärtig sei."

    Quelle: mmnews

    VW gehört für den Betrug bestraft. Punkt. Was aber hier passiert ist geopolitische Industrie- und Strukturpolitikpolitik mit fragwürdigen Mitteln.

  • Für die USA ist ihre Rechtsprechung ein Werkzeug, der Welt ihre Maßstäbe aufzuzwingen und Industriepolitik zu betreiben.
    Es ist unstrittig, daß VW den größten Fehler der Geschichte gemacht hat und dazu noch in den USA. Aktives Handeln gegen Gesetze ist Betrug.
    Aber es ist auch richtig, wie andere Foristen auch schon geschrieben haben, die USA zeigt gern mit dem Finger auf andere.
    Die EU und auch D ist nur zu dämlich mit gleicher Münze heimzuzahlen. Fälle gäbe es genug: facebook, Google ... Datenschutz, Monopole, ...
    Übrigens: Der betroffene Manager ist selten dämlich. Er selbst wusste am besten, was er mitverantwortet hatte. Da fahre ich doch nie wieder nach USA.

  • Nur in Nordkorea wäre so eine Strafe noch absurder.

  • Der VW-Vorstand nahm an der letzten Autoschau in den USA nicht teil, weil wohl "Schwierigkeiten" mit der US-Justiz befürchtet wurden ----- warnt aber einen mit dem Abgas-Skandal maßgeblich befaßten Mitarbeiter nicht davor, in den USA seinen Weihnachtsurlaub zu verbringen ??
    Der mit 169 Jahren Haft bedrohte Mitarbeiter wird nun im US-Gewahrsam "singen" wie eine Nachtigal im Frühling !!
    Schon möglich, dass auch die Herren Winterkorn und Piech demnächst den Wunsch verspüren, in den USA Urlaub zu machen.

  • @S. Fehlmann, Sie fehlen total, wenn Sie so etwas Fehlerhaftes schreiben:

    "Das Land zeigt ständig mit dem Finger auf andere, aber es ist das Land mit dem meisten "Dreck am Stecken"! Geschummelt haben vermutlich alle , um etwas einzuhalten, das gar nicht einzuhalten war. "

    "Vermutlich" alle? Es ist schade, dass sich die US-Justiz an den Dreck heranmacht, den die EU-Justiz und insonderheit die deutsche meidet oder an den sie sich erst gar nicht herantrauen (dürfen?). Über die Verfilzungen zwischen Konzernen und Ministerien gibt es genügend Berichte, und über diese Verquickungen sollte man sich ernsthafte Gedanken machen.

    Es ist gut, dass die VW-Vertuscher zur Rechenschaft gezogen werden, und da es mir völlig unerklärlich ist, dass der sonst so pedantische Winterkorn nach eigenen Angaben von alledem nichts gewusst haben will, bleibt nur zu hoffen, dass die US-Justiz auch Prof. Winterkorn die Gelegenheit bieten wird, in die USA zu reisen, um dort vor Gericht seine Unschuld zu beweisen. Denn wenn sich Winterkorn öffentlich übers "Scheppern" aufregte, wie kann er dann behaupten, in führender Position von dem umfassenden Dieselgate nichts gewusst zu haben?

    Zu guter letzt noch folgende Frage an Sie, Fehlmann. Wenn sich Ihr Nachbar wie ein Schwein verhält, ist das dann für Sie ein Grund, es ihm gleichzutun und so Ihr Fehlverhalten zu rechtfertigen?

  • @ Peter Spiegel 11.27h

    Das Überwachen eigener Mitarbeiter ist in den USA üblich und hierzulande gerade für den Bürger im Rahmen der Videoüberwachung im Kampf gegen den Terrorismus eingeführt.

    Zudem hat Europa gegen den Hunderte-Milliarden-Schaden bei ABS nach 2008 stillgehalten, es gilt also zunächst diese Schadenssumme zuerst mal zu toppen, bevor sich Europa rührt.

  • @ Herr Rasmussen

    Klar können die das, allerdings soll die VW-Konzernabteilung Rechnungswesen seit einigen Tagen bei dienstlich veranlassten Reisen in die Staaten auf One-Way-Tickets bestehen.

  • Können VW-Mitarbeiter jetzt noch in die USA reisen?

  • Herr Achim von Oberstaufen@ Das entwickeln von Sofware ist nicht ilegal und das Abhören des Handys von Frau Merkel, aus amerikanischer Sicht, schon gar nicht.

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