VW und Dieselgate: Ex-Volkswagen-Manager droht lebenslange Haftstrafe

VW und Dieselgate
Ex-Volkswagen-Manager droht lebenslange Haftstrafe

Elf Anklagepunkte, keine Kaution wegen hoher Fluchtgefahr – die US-Justiz zeigt sich im Falle des festgenommenen Ex-VW-Managers gnadenlos. Nun drohen ihm laut Justizministerium sogar bis zu 169 Jahre Haft.
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Miami/New YorkDem in den USA festgenommenen früheren Volkswagen-Manager drohen nach Angaben des US-Justizministeriums im Abgas-Skandal bis zu 169 Jahre Haft. „Faktisch sieht er sich mit lebenslangem Gefängnis konfrontiert“, erklärte das Ministerium am Donnerstag.

Insgesamt gebe es elf Anklagepunkte. Der Mann war am Samstag in Miami nach einem Urlaubsaufenthalt vor dem Heimflug nach Deutschland verhaftet worden. Am Donnerstag entschied der zuständige Richter William Turnoff, der Beschuldigte könne wegen hoher Fluchtgefahr nicht gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Seine Anwälte wollten gegen die Entscheidung Einspruch erheben.

Der 48-Jährige soll von Beamten der Justizbehörde US Marshals Service zum zuständigen Gericht in Detroit gebracht werden, wo Strafanzeige gegen ihn gestellt wurde und ihm der Prozess gemacht werden soll. Der Mann wird beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen sein.

Ihm wird insbesondere der Versuch vorgeworfen, Abgas-Manipulationen zu vertuschen und Ermittler in die Irre zu führen. Wann der VW-Mitarbeiter, der bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, erstmals vor dem zuständigen Richter Sean Cox in Detroit erscheint, ist nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft von Michigan noch nicht klar.

Der Mann ist einer von sechs amtierenden und ehemaligen Volkswagen-Managern, die die US-Justiz im Zusammenhang mit der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Bei den anderen Angeklagten dürfte das aber nicht so einfach werden, da die US-Fahnder in Deutschland schwer Zugriff auf sie haben. In der 39-seitigen Klageschrift sind etliche Anschuldigungen von bewussten Falschaussagen bis hin zur Vernichtung von Beweismitteln gelistet.

VW hatte sich im US-Strafverfahren bereits auf Unternehmensebene schuldig bekannt und kriminelle Handlungen zugegeben. Der Konzern zahlt im Rahmen eines am Mittwoch vom US-Justizministerium verkündeten Vergleichs 4,3 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro), um straf- und zivilrechtliche Rechtskonflikte beizulegen. Diese Einigung muss aber noch abschließend von Richter Cox genehmigt werden.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die US-Richter tun das wovor deutsche und EU-Richter Angst haben, nämlich krasses Fehlverhalten (Betrug) entsprechend hart zu ahnden. Wohlgemerkt, nicht nur die US-Öffentlichkeit ist durch die VW-Schummelsoftware hinter´s Licht geführt worden und Umwelt- und Gesundheitsschäden durch bis zu 7 x höhere Abgas-/Emissionswerte sind ebenfalls zu beklagen.

    Aber wenn ich mir die US-Dreckschleudern ansehe, die, insbesondere bei aufgemotzten SUV´s und PickUps schwarzen Qualm in die Umwelt pusten, so vermisse ich das große Engagement der US-Justiz bei der Verfolgung der Umweltsünden von Chrysler, GM und FORD.

    Hier wird mit 2er-lei Maß gemessen und hier müssen EU-Politiker ansetzen, vorausgesetzt sie haben das Rückgrat dazu (woran ich mittlerweile zweifle) ...

  • @Herrn Moser

    "Die EU und auch D ist nur zu dämlich mit gleicher Münze heimzuzahlen."

    Das glaube ich nicht. Entweder trauen sich die europäischen Behörden nicht, Firmen der Schutzmacht zu attacken, oder diese Praxis geschieht mit der Billigung Europas. Ich tippe mal auf letzteres

    Hier im handelsblatt hat mal einer reklamiert:

    " Ifo-Chef Sinn verteidigt VW und geht hart mit der US-Finanzindustrie ins Gericht: „Wo ist die europäische Verbraucherschutzbehörde, wo sind die Sammelklagen, die die Hersteller der betrügerischen ABS-Papiere aus Amerika mit Forderungen von Dutzenden von Milliarden Euro überschütten?“

    Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die Kritik an VW für überzogen. „Bei der VW-Affäre wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagte Sinn dem Handelsblatt. Der Konzern habe „regulatorische Arbitrage“ betrieben, wie sie in der Finanzindustrie allgegenwärtig sei."

    Quelle: mmnews

    VW gehört für den Betrug bestraft. Punkt. Was aber hier passiert ist geopolitische Industrie- und Strukturpolitikpolitik mit fragwürdigen Mitteln.

  • Für die USA ist ihre Rechtsprechung ein Werkzeug, der Welt ihre Maßstäbe aufzuzwingen und Industriepolitik zu betreiben.
    Es ist unstrittig, daß VW den größten Fehler der Geschichte gemacht hat und dazu noch in den USA. Aktives Handeln gegen Gesetze ist Betrug.
    Aber es ist auch richtig, wie andere Foristen auch schon geschrieben haben, die USA zeigt gern mit dem Finger auf andere.
    Die EU und auch D ist nur zu dämlich mit gleicher Münze heimzuzahlen. Fälle gäbe es genug: facebook, Google ... Datenschutz, Monopole, ...
    Übrigens: Der betroffene Manager ist selten dämlich. Er selbst wusste am besten, was er mitverantwortet hatte. Da fahre ich doch nie wieder nach USA.

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