VW und Dieselgate
Volkswagen heuert amerikanischen Staranwalt an

Der US-Anwalt Ken Feinberg gilt als Experte für große Entschädigungsfälle. Nun soll er Volkswagen in den Vereinigten Staaten dabei helfen, Diesel-Kunden zu entschädigen – und damit teure Klagen abzuwenden.

New YorkVolkswagen kommt bei den Aufräumarbeiten im Dieselgate-Skandal voran. Der Autobauer hat den US-Staranwalt Kenneth Feinberg engagiert, um ein großangelegtes Entschädigungsprogramm auf die Beine zu stellen. Fahrer der betroffenen Zwei-Liter- und Drei-Liter-Motoren in den USA sollen sich mit ihren Ansprüchen an ihn wenden.

Bei solchen außergerichtlichen Verfahren geben die Teilnehmer im Gegenzug meist ihr Recht auf, gegen VW zu klagen. Eine Sprecherin verwies darauf, dass die Details noch nicht feststehen würden.

In den USA sind rund 500.000 Fahrzeuge von dem Manipulationsskandal betroffen. Da VW den Betrug eingeräumt hatte, hat sich eine Schar von Anwälten auf den Fall gestürzt. Gut 500 Klagen wurden gegen den Wolfsburger Konzern eingereicht – die erste bereits am 18. September, jenem Tag, als der Skandal bekannt wurde. Anfang Dezember entschied ein richterlicher Ausschuss, dass die Klagen der betroffenen Autofahrer vor einem Gericht in San Francisco gebündelt werden sollen.

Das bringt VW nun in Zugzwang. Denn ein Prozess ist langwierig und teuer, und VW hat keine Chancen, ihn zu gewinnen. Ein außergerichtliches Verfahren könnte eine gute Methode sein, um die klagewilligen Amerikaner zu besänftigen. Die Methode ist in den USA erprobt.

Feinberg gilt als Experte für große Entschädigungsfälle. Er hatte unter anderem die Entschädigungsregelungen für die Opfer der Terrorattacken vom 11. September 2001 ausgearbeitet. Im Auftrag des britischen Ölkonzerns BP leitete er das Entschädigungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

Zuletzt hatte der 70-jährige Jurist die Zahlungen nach einer Rückrufaktion für General Motors geregelt. Dabei ging es um defekte Zündschlösser. GM zahlte knapp 600 Millionen Dollar an Entschädigungen im Rahmen des von Feinberg verwalteten Programms. Dabei genehmigte er 399 Anträge, die nach Todesfällen oder Verletzungen zustande gekommen waren.

„Dies ist ein großer Schritt für VW in dem Prozess, die Diesel-Herausforderungen hinter sich zu lassen“, sagte Karl Brauer vom Analysehaus Kelley Blue Book. „Die TDI-Kunden des Unternehmens gehörten zu den loyalsten und leidenschaftlichsten. Darum waren auch viele so enttäuscht über die Entwicklungen der letzten Monate. Feinbergs Erfahrung mit der Organisation und Durchführung solcher Angelegenheiten ist genau das, was VW jetzt braucht.“

Feinbergs Ernennung werden auch die Umweltbehörden genau beobachten. EPA und der kalifornische Regulierer Carb werden Anfang kommender Woche entscheiden, ob sie VWs Rückrufplan genehmigen. VW hatte im November den Behörden dargelegt, wie die Rückrufe organisiert und die Autos repariert werden sollen.

VW hatte zudem bereits ein sogenanntes „Goodwill-Programm“ auf den Weg gebracht, um die Kunden zu beruhigen und sie in eine Datenbank aufzunehmen, die für die Rückrufe wichtig sein wird. Dabei bekamen Kunden unter anderem eine Gutscheinkarte im Wert von 500 Dollar, die sie wie eine Kreditkarte überall einsetzen können. Außerdem gab es 500 Dollar, die sie bei einem VW-Händler ausgeben können. Bei diesem Paket mussten Kunden jedoch nicht ihr Recht aufgeben, gegen VW zu Gericht zu ziehen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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