VW und Ex-Manager erzielen keine Einigung
Die andere Welt

Sie passen nicht hierher, die beiden Herren, die am Dienstag, kurz vor elf, im Eingang des Arbeitsgerichts Braunschweig stehen. Zweckbau nennt man die nüchterne Architektur wohl, drinnen hallen vereinzelt Schritte über verkratztes Linoleum, bis sie hinter Furniertüren verklingen.

BRAUNSCHWEIG. Die beiden Herren müssen nach unten, eine enge Treppe hinunter, in Saal D, den größten der vier Sitzungssäle. Die Kapazität hat man auf 50 Plätze erhöhen müssen, aus Göttingen ist ein Wachtmeister angereist: Sicherheitspersonal ist hier normalerweise nicht nötig.

Die beiden Herren wirken wie Vertreter aus einer anderen Welt, so korrekt sitzen ihre Anzüge, so modisch perfekt sind ihre Krawatten ausgewählt, und auch ihre Brillen zeugen von gutem Geschmack. Sie kommen aus der Welt, in der Arbeitsgerichte nur eine Rolle spielen, wenn man jemand rausgeworfen hat – nicht wenn man selbst gefeuert wurde.

Doch genau das ist Klaus-Joachim Gebauer passiert. Einst war er bei Volkswagen Leiter und einziger Mitarbeiter der Abteilung Personalprojekte. Für die Belustigung von Betriebsratsmitgliedern und Top-Managern soll er zuständig gewesen sein, soll Lustreisen organisiert haben, bei denen sich die Lust nicht allein auf die Erkundung fremder Städte bezogen haben soll. Und er hat angeblich zusammen mit dem ehemaligen Skoda-Personalchef Helmuth Schuster ein Firmengeflecht aufgebaut, das systematisch Aufträge aus dem VW-Reich erhielt. Am 27. Juni wurde ihm gekündigt. Und dagegen geht er vor.

Man kann sich Gebauer gut vorstellen bei einer fröhlichen Firmenrunde. Ein gemütlicher Bauch wölbt das Hemd und buckelt den gelben Schlips, die Haut ist von gesundem Braun. Doch immer wieder flirrt Unsicherheit über das Gesicht des 61-Jährigen, unwohl schaut er in den Saal, sieht Journalisten, Kameras, Objektive.

Der Mann rechts neben ihm ist das gewöhnt. Wolfgang Kubicki ist ein Mann der Medien. Anwalt ist der hauptberuflich, nebenbei FDP-Chef in Schleswig-Holstein, in beiden Positionen ist er bekannt für markige Sprüche und manikürtes Auftreten: grauer Zweitagebart, energiegeladene Bewegungen – ein Magazin für Herren in den besten Jahren würde sich über solch ein Model freuen.

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