VW und VDO-Siemens
Justiz in São Paulo macht Ernst

Gleich zwei deutsche Unternehmen sind ins Visier der brasilianischen Justiz geraten: VW hat Ärger mit den brasilianischen Börden wegen Produktfehlern und der Automobilzulieferer VDO-Siemens muss sich wegen wettbewerbsfeindlicher Geschäftsgebaren verantworten.

SÃO PAULO/DÜSSELDORF. Die brasilianische Justiz fordert VW do Brasil auf, eine Rückrufaktion des Kleinwagens VW Fox zu starten, weil ein Klappmechanismus an der Rückbank mehrere Fox-Besitzer verletzt habe. Bis Samstag muss der Konzern den Behörden eine technische Lösung des Problems anbieten und entscheiden, ob er einer Rückholaktion für 477 000 verkaufte Fox in Brasilien zustimmt. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass VW sich höchstwahrscheinlich zu einer Rückrufaktion verpflichten und die Aufforderung nicht anfechten wird. Einer Tochter des Continental-Konzerns werfen brasilianische Behörden zudem Kartellverstöße vor.

Ein VW-Sprecher in Deutschland sagte, der "in Europa eingesetzte Mechanismus ist ein anderer". Man suche nun nach technischen Lösungen für das Problem. VW verdient an den auch in Europa verkauften Fox-Modellen aufgrund der schlechten Währungsrelationen kein Geld.

Die in Brasilien ungewöhnliche gerichtliche Aufforderung an VW, eine Rückrufaktion zu starten, hat eine längere Vorgeschichte: Seit vergangenem Jahr läuft das Verfahren bei der Verbraucherschutzbehörde, weil sich ein Fox-Besitzer einen Finger an den Rückbank verstümmelt hatte.

Da es monatelang keinen weiteren Fall gab und VW den technischen Fehler als "nicht systemimmanent" beurteilt, versuchte VW das Verfahren wegen fehlender Beweise einstellen zu lassen. Inzwischen sollen jedoch acht weitere Verletzte aufgetaucht sein. Mit fünf von ihnen hat VW Entschädigungen zwischen 24 000 und 33 000 Euro ausgehandelt. "Die Maßnahmen, die VW bisher zum Schutz der Kunden getroffen hat, haben sich als ungenügend erwiesen", sagt Roberto Pfeifer von Verbraucherschutz in São Paulo. Für VW steht viel auf dem Spiel: Der Fox ist das meistexportierte Fahrzeug des Konzerns aus Brasilien und dort nach dem VW Gol das bestverkaufte Modell.

VDO-Siemens - der Automobilzulieferer gehört seit Ende vergangenen Jahres zum hannoverschen Konzern Continental - werden gleich zwei Delikte vorgeworfen: VDO-Siemens soll versucht haben, einen Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Nachdem das nicht gelang, soll ein Manager des Konzerns dem Konkurrenten vorgeschlagen haben, ein Kartell zu bilden. Das Justizministerium hat den Fall nun der Kartellbehörde Cade übergeben. Es droht eine Strafe von bis zu 30 Prozent des Umsatzes.

Im Falle von VDO Siemens/Continental erhebt das Sekretariat für Wirtschaft im Justizministerium (SDE) in seiner Anklage den Vorwurf, die Justiz zur Behinderung eines Konkurrenten ("sham litigation") missbraucht zu haben. Danach habe die Continental-Tochter mehrfach versucht, eine Genehmigung für einen Fahrtenschreiber des Konkurrenten Seva Engenharia Eletrônica durch die Justiz verbieten zu lassen.

VDO-Siemens hat einen Marktanteil von 85 Prozent. Seva beliefert nur rund drei Prozent des Marktes. Als dieser Versuch scheiterte, schlug ein VDO-Siemens-Direktor dem Konkurrenten vor, sich doch den Markt zu teilen. In einer heimlich gefilmten Aufnahme soll er angeboten haben, dass der deutsche Zulieferer den Markt für Fahrtenschreiber alleine beliefere, Seva dagegen den Markt für Bordcomputer ungestört dominieren könnte. Continental will sich nicht zu laufenden Verfahren äußern.

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