VW vor unabsehbaren Kosten

Aufsichtsrat gibt Fünfjahresplanung auf

Gestoppte Neuentwicklungen, Verzicht auf neue Werke, Streit mit Arbeitnehmern – der Abgas-Skandal hat VW ins Wanken gebracht. Das wirkt sich auch auf die langfristige Finanzplanung aus: Sie wird einfach abgeschafft.
Die hohen möglichen Kosten für die Aufarbeitung des „Dieselgate“ und eine Anpassung der Kostenstruktur machen es dem VW-Management schwer, langfristig zu planen. Quelle: dpa
VW im Umbau

Die hohen möglichen Kosten für die Aufarbeitung des „Dieselgate“ und eine Anpassung der Kostenstruktur machen es dem VW-Management schwer, langfristig zu planen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Volkswagen AG wird nach Informationen von Bloomberg News die Praxis fünfjähriger Investitionsplanungen erstmals seit 2009 aufgeben und reagiert damit auf die noch immer weitgehend unabsehbaren finanziellen Folgen des Abgasskandals. Das sagten dem Aufsichtsrat nahe stehende Personen am Donnerstag unter Zusicherung ihrer Anonymität.

Das 20-köpfige Gremium wird sich an diesem Freitag treffen und über Einschnitte bei Investitionen ebenso entscheiden wie über den Zeitplan. Der Investmenthorizont könne demnach auf drei Jahre oder weniger verkürzt werden. Volkswagen wollte sich auf Nachfrage zum Thema Haushaltsplanung nicht äußern.

Im Volkswagen-Konzern mit seinen zwölf Konzernmarken und mehr als 300 Fahrzeugmodellen ist derzeit das knapper werdende Budget ein Streitpunkt zwischen Management und Arbeitnehmervertretern. Als sicher gelten können Einschnitte in die bisherige Finanzplanung, in der Investitionen von mehr als 17 Mrd. Euro pro Jahr für Neuentwicklungen, Werke und technische Infrastruktur vorgesehen waren. Die Kernmarke Volkswagen hat die Ausgaben bereits um eine Mrd. Euro gekürzt. Der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Müller wollte laut Planungen in der letzten Woche seine Gespräche mit der Belegschaft über Investitionen und die Kapazitätsziele bis zum Freitag abschließen.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
1 von 23

Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
2 von 23

Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
3 von 23

Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
4 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
5 von 23

Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
6 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
7 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Volkswagen hat seit 2010 die jährlichen Investitionen um 66 Prozent aufgestockt. Entsprechend besteht nach Ansicht von Evercore ISI Raum zur Senkung der Investitionen und Entwicklungskosten von rund zehn Prozent. Zu lange, stellte Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI in London in einer Einschätzung fest, habe Volkswagen das Ziel der Weltmarktführerschaft im Blick gehabt, und weniger die Effizienz und die Wertentwicklung: „Wer sich die Kostenbasis bei VW anschaut, muss erkennen, dass seit 2010 etwas richtig schief gelaufen ist“.

VW verschickt Gutscheine

  • Bloomberg
Startseite

Mehr zu: VW vor unabsehbaren Kosten - Aufsichtsrat gibt Fünfjahresplanung auf

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%