VW-Werk in den USA
„Demokratie endet nicht am Werkszaun“

Es ist ein ideologischer Kampf: VW will in seinem US-Werk einen Betriebsrat einrichten, konservative US-Politiker sind strikt dagegen. Trotzdem hält VW-Betriebsratschef Osterloh an den Plänen fest.
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DüsseldorfVolkswagen hält trotz des wachsenden Widerstands aus den USA am Plan eines eigenen Betriebsrats für das Werk des Autobauers in Chattanooga fest. „In puncto Mitbestimmung muss klar sein: Demokratie endet für uns nicht an Werkszäunen. Dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagte Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh dem Handelsblatt.

Die Fabrik des deutschen Konzerns im US-Südstaat Tennessee soll einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild bekommen. Chattanooga ist das einzige größere VW-Werk weltweit, das über keine Arbeitnehmervertretung verfügt. Doch der Widerstand unter konservativen Politikern in den USA wächst. Die Debatte entzündet sich vor allem an der Rolle der umstrittenen Auto-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), die in dem Werk wohl Fuß fassen würde. Das geht schon aus rechtlichen Gründen kaum anders.

Die Auseinandersetzung wollte Volkswagen mit einem Besuch vor wenigen Tagen in den USA entschärfen, der konnte aber wegen eines defekten Flugzeuges nicht stattfinden. „Leider bauen wir keine Flugzeuge – sonst wäre die Reise von VW-Management und Betriebsrat in die USA sicher nicht an technischen Problemen gescheitert“, so Osterloh. Das ändere aber nichts daran: „Unsere Kolleginnen und Kollegen in den USA und der Standort Chattanooga liegen uns am Herzen.“

Der republikanische Senator Bob Corker sagte dagegen dem Handelsblatt, VW verhalte sich „schrecklich naiv“ und begehe „einen der größten Fehler der Konzerngeschichte“, so der Senator. „Die UAW schwächt unseren Standort.“ Chattanooga dürfe kein „zweites Detroit“ werden – die Heimatstadt der US-Autoindustrie hat einen jahrzehntelangen Verfall hinter sich, den Corker auch der UAW anlastet.

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Arbeitnehmervertreter nicht überrascht

Kommentare zu " VW-Werk in den USA: „Demokratie endet nicht am Werkszaun“"

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  • Volkswagen, seine Betriebsräte, Vorstände und Gremien stehen für Ethik und Nachhaltigkeit?
    Hier zur Erläuterung des Begriffs ein kleiner Auszug aus dem Wikipedia:
    "Die Ethik (griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikē (epistēmē) „das sittliche (Verständnis)“, von ἦθος ēthos „Charakter, Sinnesart“ (dagegen ἔθος: Gewohnheit, Sitte, Brauch),[1] vergleiche lateinisch mos) ist eines der großen Teilgebiete der Philosophie und befasst sich mit Moral, insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit. Cicero übersetzte als erster êthikê in den seinerzeit neuen Begriff philosophia moralis,[2] der seitdem in der lateinsprachlichen Philosophie verwandt wurde."

    Alles, was ich aus der Erinnerung in Verbindung mit VW bringe, hat aber auch gar nichts mit Ethik zu tun, sondern mit Lustreisen, Korruption, Sozialabbau und Steueraffären.
    Das passt meines Erachtens nicht zusammen mit dem Begriff "Ethik" und von Nachhaltigkeit möchte ich bei diesen Verhaltensweisen auch nicht sprechen.

  • Ich bin nicht für die Gewerkschaften (Volkert oder sein Ziehsohn Ostrerloh), aber Volkswagen zeigt Mut und bekennt sich zu Ethik und Nachhaltigkeit, rund um die Welt. Aus verständlichen Gründen muss das den [...] Amis hervorrufen. Amis ticken anders, als wir. Das kommt immer deutlicher hervor.

    Uns gehört die Zukunft, denn wir wollen uns unseren Wohlstand selbst erarbeiten und wir wollen auch, dass noch unsere Urenkel in einer schönen und sicheren Umwelt leben und gedeihen können. Das geht aber nur mit Ethik und Nachhaltigkeit. [...]
    Im Gegensatz dazu sind die Amis im tiefsten Herzen Piraten und Ausbeuter, die ähnlich den Kolonialmächten (England, Spanien, Frankreich) nur darauf aus sind, wie sie mit Krieg andere Völker ermorden und ausrauben können. Was morgen in den Ländern passiert, über die sie wie die Heuschrecken hergefallen sind, ist ihnen egal.
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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