VW-Wiedergutmachung für Dieselgate Keine Gutscheine für deutsche Schummeldiesel-Käufer

Volkswagen steht in den USA kurz davor, Käufer von manipulierten Autos zu entschädigen. Jedes Betrugsopfer soll offenbar mehr als 1000 Euro erhalten. Für deutsche Verbraucher soll das laut VW aber nicht gelten.
Update: 09.11.2015 - 11:51 Uhr 28 Kommentare

Zwang Winterkorn seine Ingenieure zur Manipulation?

Zwang Winterkorn seine Ingenieure zur Manipulation?

Düsseldorf/WolfsburgIn den USA wird Kundenpflege großgeschrieben. Jetzt heißt es, dass dort vom Abgas-Skandal bei VW betroffene Autobesitzer mit einer Geldzahlung entschädigt werden sollen. Kaum machen Berichte darüber die Runde, fordern Verbraucherschützer eine ähnliche Regelung auch für Deutschland. „Das Unternehmen muss zu seiner Verantwortung stehen“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), der „Rheinischen Post“. „Darum wären solche Gutscheine in Deutschland das Minimum, um die betroffenen Verbraucher zu entschädigen.“

Die Möglichkeit, getäuschte Kunden über Gutscheine zu entschädigen, gelte „ausschließlich“ für die USA und Kanada", sagte dagegen ein VW-Sprecher am Montag in Wolfsburg. VW entwickle individuell für jeden Markt ein „Maßnahmenpaket“ für Kunden, um auf den Manipulationsskandal zu reagieren. Wie Lösungen in Deutschland aussehen könnten, stimmt VW demnach derzeit mit den Behörden ab. Für die USA sollen in der nächsten Woche Details bekanntgegeben werden.

VW will in den USA betroffenen Autobesitzern offenbar Geld anbieten. Besitzer von Diesel-Autos sollten als Wiedergutmachung Gutscheine im Wert von bis zu 1250 US-Dollar (rund 1150 Euro) bekommen, berichtete das Online-Portal „The Truth about cars“. Ein Gutschein über 500 US-Dollar könne überall eingelöst werden, einer über 500 bis 750 US-Dollar bei Volkswagen-Händlern.

Zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist am Montag auf dem VW-Werksgelände in Wolfsburg erneut das Präsidium des Aufsichtsrates zu einer Sitzung zusammen gekommen. Das sechsköpfige Gremium wollte bei der Zusammenkunft nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem über die jüngst von Betriebsratschef Bernd Osterloh geäußerte Kritik am Konzernvorstand beraten.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Osterloh in der Mitverantwortung. Er sei „der mächtigste Mann im VW-Konzern“, sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). „Es ist unvorstellbar, dass Osterloh nichts davon gewusst hat, dass die Mitarbeiter über Jahre in einem System der Angst und der chronischen Überforderung gearbeitet haben.“ Dieses System habe „maßgeblich dazu beigetragen“ offenbar auch mit illegalen Manipulationen Konzernziele zu erreichen.

Darüber hinaus dürften weitere Personalfragen sowie die neusten Erkenntnisse der internen Ermittlungen eine Rolle bei den Beratungen des Aufsichtsratspräsidiums hinter verschlossenen Türen gespielt haben.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Im Anschluss an die Sitzung des Präsidiums stand für 11.00 Uhr eine Sitzung des Aufsichtsrates auf der Tagesordnung. Auch dabei sollte es um Konsequenzen der weltweiten Manipulationen an Dieselfahrzeugen gehen. Zusätzliche Sorgen bereiten den VW-Kontrolleuren auch die jüngst bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten von Diesel- und Benzinfahrzeugen. Durch unerlaubte Maßnahmen soll bei Tests der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 nach unten korrigiert worden sein.

Seit September befindet sich Europas größter Autobauer in der größten Krise der Unternehmensgeschichte. Den Wolfsburgern drohen Milliardenkosten und strafrechtliche Ermittlungen. Am Sonntagabend hatte in Wolfsburg bereits der zur Aufarbeitung des Skandals einberufene Sonderausschuss getagt. Auch die Ergebnisse dieser Beratungen soll dem Vernehmen nach am Montag zur Sprache kommen.

  • dpa
  • afp
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28 Kommentare zu "VW-Wiedergutmachung für Dieselgate: Keine Gutscheine für deutsche Schummeldiesel-Käufer"

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  • Es gab bei VW ein Problem mit den DSG Getrieben,
    In China wurden alle Getriebe auf Kulanz modifiziert, später desgleichen in Australien.
    Relevanz für Deutschland wurde vehement verneint.
    Wer sich aber mit persönlichem Einsatz dahinter klemmt, der bekam auch hier sein Recht.
    Denn, man merke der Fehler trat auch in unseren Breiten auf.
    Also wer seinen Rechtschutz oder auch ein Forum nutzt, der ist gut beraten, denn er erhält in jedem Falle das Maximum.
    Also Volkswagenfahrer, macht euch auf den Weg.
    LG Silberneradler

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der deutsche Michel wird über die erhöhten Servicepreise den Schaden bezahlen. Er hat es auch nicht anders verdient.

  • @Vinzi Queri
    Das sind jedoch Berufe, die keine wirtschafltiche Wertschöpfung und damit einen Mehrwert für uns als Gesellschaft darstellen.
    Die Grün-Sozialistische Merkel will ja die CO2 freie Gesellschaft und was will man dann noch in einer CO2 freien Gesellschaft mit ausgebildeten Menschen anfangen. CO2 freie Gesellschaft bedeutet, dass es keine unabhängige Wissenschaft, keinen technischen Fortschritt, keine freie Marktwirtschaft, keine Innovationen und keine Writschaftlichen Mehrwert = Wohlstand mehr gibt. CO2-frei bedeutet Mangel und Armut.
    Es wird keine gut bezahlten und wohlstandsschaffenden Industriearbeitsplätze, keinen Mittelstand und eine schlecht bezahlte Handwerks- und Dienstleistungsbranche geben.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • VW als Vorzeige-Unternehmen? Wirklich? Doch wohl mehr Peinlichkeit hoch 3. Erst gross rumtoenen vom saubersten Diesel und dann nichts als Betruegereien. Diese Betrueger sollte man aus dem Verkehr ziehen um Platz fuer anstaendgie Unternehmen zu schaffen.
    Die "Deutsche" Bank sollte man aus Deutschland vertreiben, meintwegen koennen die ihre Gaunereien in London oder Wall Street fortsetzen. Man sollte sich ein Beispiel an Island nehmen, die haben gezeigt wie man mit organisierter Kriminalitaet umspringt. Dort sind die Manager zu langjaehrigen Haftstrafen verurteilt worden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Entschädigung kann es - zumindest nach deutschem Recht - nur geben, wenn es ein Schaden gibt. Selbst der Name drückt dies schon aus. Wo ist also der Schaden? Mit einem 3 l - Auto unter Einhaltung der Testwerte 160 km/h zu fahren war schon immer eine Utopie.

  • Was für Amerika gilt, gilt noch lange nicht für Deutschland. Auch hier wird der devote Michel sich achselzuckend in sein Schicksal fügen. Auf gesetzgeberischer Seite werden die Lobbieisten der hörigen Regierung schon die passenden Paragrafen diktieren

  • Die Kauefer in den USA sollten sich nicht mit 1000 Euro (Dollar?) abspeisen lassen. Rueckkauf aller Schummeldiesel zum Neupreis, drunter wird in den USA nichts zu machen sein.
    Betrogen und erwischt worden, dumm gelaufen. Jetzt wird es teuer. und das ist auch gut so.

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