Wachsen durch Machtabgabe
Porsche ist zu großen Opfern bereit

„Wir sind aus unserer warmen Kuschelecke herausgekrochen und stellen uns jetzt bewusst den Spielregeln einer anderen Liga“, verkündete Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Das hat der Sportwagenbauer mit dem Einstieg bei VW eindrucksvoll bewiesen. Nun ist von weiteren Zukäufen die Rede. Dafür würde die Gründerfamilie Porsche/Piëch sogar ihre Macht im Unternehmen teilen.

HB/mwb/hz FRANKFURT/STUTTGART. Unter Umständen würde Porsche für Akquisitionen auch stimmberechtigte Aktien ausgeben, die bisher den Porsches und Piëchs vorbehalten sind. Wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung am 26. Januar 2007 hervorgeht, soll der Vorstand des Sportwagenbauers das Bezugsrecht der Altaktionäre auch für Stammaktien ausschließen können, um damit Übernahmen bezahlen zu können.

Das Stuttgarter Unternehmen begründete den Schritt damit, dass Verkäufer von Firmen vielfach Wert auf stimmberechtigte Papiere legten, um Einfluss auf den künftigen Besitzer – also Porsche – zu nehmen. Börsennotiert sind bisher nur die Vorzugsaktien von Porsche; die stimmberechtigten Stammaktien liegen bei den Nachfahren des Unternehmensgründers Ferdinand Porsche.

Porsche will sich von der Hauptversammlung grünes Licht für eine Kapitalerhöhung um 8,75 Mill. Stamm- oder Vorzugsaktien geben lassen. Allein mit der Ausgabe von Vorzugsaktien könnte Porsche damit fast 8 Mrd. Euro erlösen. Vorstandschef Wendelin Wiedeking betont aber, keine konkreten Pläne dafür zu haben.

Nach Berechnungen von Analysten könnte Porsche mit dem Geld die Mehrheit an Volkswagen übernehmen. Für 4 Mrd. Euro ist der Sportwagenhersteller mit 27,4 Prozent bei VW eingestiegen, will derzeit aber nicht über 29,9 Prozent hinaus aufstocken, um ein Pflichtangebot an die anderen Aktionäre zu verhindern. Eine komplette Übernahme von VW sei „derzeit nicht Bestandteil unserer Planung“, sagte Wiedeking.

Porsche drängt auf Macht bei VW

Im Kampf um die Vorherrschaft im Volkswagen-Konzern geht Großaktionär Porsche vorerst auf anderem Wege in die Offensive. Mit seinem Anteil müsse Porsche „mindestens drei“ statt bisher zwei Sitze im Aufsichtsrat erhalten, sagte Porsche-Chef Wiedeking am Mittwoch bei der Vorlage der Porsche-Bilanz.

Damit kündigt er den im Frühjahr mühsam gefundenen Kompromiss mit Christian Wulff, dem Ministerpräsidenten des zweiten Großaktionärs Niedersachsen. Danach sollte sich Porsche mit zwei Sitzen für Wiedeking und Porsche-Finanzchef Holger Härter begnügen und Porsche-Eigentümer Ferdinand Piëch den Aufsichtsratsvorsitz bei der kommenden Hauptversammlung abgeben. „Wenn wir 29,9 Prozent der Aktien halten, ändert sich die Situation“, sagte Wiedeking.

Ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung wollte den Porsche-Vorstoß am Mittwoch nicht kommentieren. Wulff hatte bislang auf ein Ausscheiden von Piëch wegen möglicher Interessenkonflikte gedrängt und gilt als dessen erbitterter Gegenspieler.

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