Wachstum 2002 deutlich geringer als 2001
Pharmaverband sieht Branche unter Druck

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie kritisierte erneut, dass der Gesundheitskonsens zwischen rot-grüner Koalition und Opposition dem Standort Deutschland massiv schade und nachgebessert werden müsse. Das Produktionsvolumen der pharmazeutischen Industrie in Deutschland sei 2002 deutlich geringer gewachsen als im Jahr zuvor.

HB BERLIN. Vergangenes Jahr habe der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr bei 2,5 % gelegen, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie (BPI), Bernd Wegener, am Mittwoch in Berlin. Im Jahr 2001 sei allerdings noch ein Wachstum im Vorjahresvergleich von 9,1 % verzeichnet worden. Für das laufende Jahr sei nochmals mit einer Verlangsamung des Wachstums zu rechnen.

Wegener beklagte einen deutlichen Rückgang im Export vom Arzneimitteln aus Deutschland. Die Ausfuhren seien im vorigen Jahr um 15,5 % zurückgegangen. Der BPI rechnet erst 2004 auf Grund der Gesundheitsreform mit wieder einem Umsatzsprung von 1,6 Mrd. €. Weil nicht-verschreibungspflichtige Medikamente aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen würden, würden mehr teure verschreibungspflichtige Medikamente verordnet, sagte Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des BPI. Für das laufende Jahr erwarte er eine stabile Umsatzentwicklung.

Pharmaverband kritisiert Gesundheitsreform scharf

Der Bundesverband hat die Gesundheitsreform scharf kritisiert. Man müsse kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der so genannte Gesundheitskonsens nicht ohne Auswirkungen auf den Bestand der 75 000 Arbeitsplätze in den 300 vom BPI vertretenden Unternehmen bleiben werde, sagte BPI-Vorsitzender Bernd Wegener in Berlin. Der Export von Arzneimitteln sei 2003 deutlich um 15,5 % zurückgegangen. Die einstige „Apotheke der Welt“ sei zu einem Arzneiimportland geworden. Die Produktionsentwicklung sei im vergangenen Jahr regelrecht eingebrochen.

Das geringe Wachstum 2002 schlage sich auch in der Beschäftigtenzahl nieder, sagte BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp. So hätten im vergangenen Jahr rund 114 000 Mitarbeiter in Betrieben der Pharmabranche gearbeitet, 8 000 weniger als 1995. Wegener kritisierte den Zwangsrabatt von 16 %, der bei einer Umsatzrendite von vier bis sieben Prozent in der mittelständischen Pharmaindustrie nicht darstellbar sei. Außerdem wirke die Herausnahme von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten aus der Erstattungspflicht der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) wie eine Positivliste.

Die pharmazeutischen Industrie in Deutschland werde vom globalen Wachstum des Arzneimittel- und Gesundheitsmarkt mehr und mehr abgekoppelt. Impulse für Wachstum und Beschäftigung verpufften in Deutschland aufgrund falscher politischer Weichenstellungen. Fahrenkamp betonte, das Verhältnis der Gesundheitsausgaben der GKV zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liege seit Jahren konstant bei sechs Prozent. „Wir haben kein Ausgaben- sondern ein Einnahmenproblem.“ Die Herausnahme der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente aus der Erstattung sei unter Kostengesichtspunkten verfehlt.

Verschreibungsfreie Arzneimittel machten rund 30 % der Verordnungen aus, verursachten aber nur 15 % der Kosten. Wegener sieht als Folge dieser Gesundheitsreform eine schlechtere Versorgung der Patienten, eine Beschneidung der Ärzte in der Therapiefreiheit, einen Rückgang der Arbeitsplätze in der Pharmabranche, eine zunehmende Verlagerung der Forschung ins Ausland und eine Verminderung des Pharmaexports.

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