Wachstum statt Personalabbau
Grohe hat das Schlimmste überstanden

Europas größter Hersteller von Sanitär-Armaturen, die Grohe AG aus dem sauerländischen Hemer, hatte durch den Einstieg von Finanzinvestoren traurige Berühmtheit erlangt. Die Straffung von Produktion und Einkauf und die damit einhergehende Kündigung von hunderten Mitarbeitern sei notwendig gewesen, sagt das Management. Nun wolle die Firma aber wieder wachsen. Erste Signale der Besserung gibt es schon.

HB DÜSSELDORF. Der Vorstandsvorsitzende David Haines sagte am Donnerstag in Düsseldorf, seit Ende 2005 hätten sich Auftragsbestand und Umsatz positiv entwickelt. Im vergangenen Jahr hatte Grohe weltweit noch einen Umsatzrückgang von 3,6 Prozent auf 865 Mill. Euro hinnehmen müssen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen seien 160 Mill. Euro erwirtschaftet worden, sagte Haines. Netto habe Grohe 2005 dennoch erneut dreistellige Millionenverluste gemacht. Das lag unter anderem an hohen Zinslasten; diese resultieren nicht zuletzt aus dem Einstieg von Finanzinvestoren. „Die Umstrukturierungen und Abfindungen haben uns auch etwas gekostet.“

Die Texas Pacific Group und Credit Suisse Private Equity hatten den Sanitär-Hersteller im Sommer 2005 vom britischen Finanzinvestor BC Partners für etwa 1,5 Mrd. Euro übernommen. BC Partners wiederum hatte Grohe Ende 1999 für 900 Millionen Euro erworben und das damals im Nebenwertesegment MDax notierte Unternehmen von der Börse genommen. Der Weiterverkauf von einem Finanzinvestor zum nächsten hatte ein Loch in die Bilanz gerissen, weil Grohe seine eigene Übernahme finanzieren musste. Nach Abschluss der Transaktion stand Grohe mit 1,15 Mrd. Euro bei den Banken in der Kreide.

„Operativ ist das Unternehmen aber gesund“, sagte Haines. Er sieht Wachstumspotenzial vor allem im Ausland. „In Deutschland sprechen wir allenfalls von Stagnation.“ Allerdings entwickeln sich die Geschäfte im Inland seit dem vierten Quartal 2005 wieder positiv. „Das ist das erste Mal seit sechs Jahren“, sagte Haines. Grohe habe jahrelang von der Substanz gelebt.

Die Trendwende beim Umsatz ließen das Management beim Stellenabbau auf die Bremse treten. Grohe habe 115 bereits ausgesprochene Kündigungen wieder zurücknehmen können und verhandele derzeit über die Rücknahme weiterer 40 Kündigungen, sagte der Vorstandschef. Vor genau einem Jahr hatte Grohe angekündigt, in Deutschland 943 Mitarbeiter zu entlassen. 500 davon gingen inzwischen freiwillig, bei 80 steht die Entlassung aber noch bevor.

Grohe beschäftigt derzeit weltweit noch 5 600 Mitarbeiter, davon mit 3 200 rund 60 Prozent an den deutschen Standorten. 80 Prozent des Umsatzes wird im Ausland gemacht. Dem Stellenabbau im Inland steht ein Ausbau der Kapazitäten im Ausland gegenüber.

„Wir mussten dieses Unternehmen wachrütteln“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die vor einem Jahr bekannt gegebene Entscheidung zum Personalabbau im Inland sei „für Wahlkampf-Getöse“ missbraucht worden. „Da war von Heuschrecken und globalem Ausbluten die Rede.“ Nun zeige sich, dass die Entscheidung richtig war. Der Abbau von insgesamt 1 200 Arbeitsplätzen sei ohne Streik und erhöhten Krankenstand erreicht worden.

In etwa drei Jahren werde Grohe die Voraussetzungen für einen Börsengang erfüllen. Es gebe aber keine konkreten Planungen und kein Datum für einen Ausstieg der Finanzinvestoren, betonte Haines.

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