Wachstum
VW-Finanzsparte profitiert von der Absatzkrise

Immer mehr Volkswagen werden über Kredite finanziert. Mit speziellen Angeboten lockt die Finanzsparte auch klamme Autokäufer. Den Vorwurf der Rabattschlacht weist Volkswagen aber zurück.
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HannoverDie Finanzierungs- und Leasingtochter von Volkswagen kommt angesichts der Schwäche direkter Konkurrenten beim Ausbau ihres Geschäfts in Europa schneller voran als gedacht. "Wir werden unser Ziel wahrscheinlich erhöhen müssen", sagte Vorstandschef Frank Witter am Mittwochabend in Hannover. Die VW-Tochter wollte den Anteil der finanzierten und geleasten Fahrzeuge am Absatz der Marken des Wolfsburger Konzerns in Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien in den nächsten Jahren auf 40 Prozent steigern. Mit 35 bis 40 Prozent ist dieses Ziel bereits jetzt zum Greifen nahe. "Wir kommen offenbar noch besser voran, als wir uns vorgestellt haben", fügte Witter hinzu. Die Zielmarke könnte auf 50 Prozent angehoben werden.

In Deutschland wird bereits mehr als die Hälfte der von Europas größtem Autokonzern verkauften Fahrzeuge von der Finanztochter finanziert. Auf dem Heimatmarkt habe VW Financial Services in diesem Jahr leicht zugelegt. Immer mehr Käufer nutzen die Finanzierungsangebote, um sich Wagen mit einer höherwertigen Ausstattung in die Garage zu stellen. Dabei subventionieren die einzelnen Marken den Zinssatz mit ihren Absatzbudgets. Nach einem ähnlichen Prinzip verfahren auch BMW, Daimler und Ford.

Witter machte deutlich, dass auch Volkswagen wegen der Absatzkrise in Westeuropa Preisnachlässe gewährt. Er nannte dies eine "marktgerechte Teilnahme am Wettbewerbsumfeld". Durch "intelligente Pakete" aus Finanzierung, Versicherung und Zusatzangeboten bei Dienstleistungen wie Wartung sollten den Händlern "zusätzliche Argumente" für den Autoverkauf an die Hand gegeben werden. An einer Rabattschlacht beteilige sich der Wolfsburger Konzern nicht. Fiat -Chef Sergio Marchionne hatte VW unlängst vorgeworfen, durch die Preisgestaltung ein "Blutbad" unter den Konkurrenten anzurichten. Dies hatte einen Streit ausgelöst, der darin gipfelte, dass VW die Ablösung von Marchionne als Chef des europäischen Herstellerverbandes ACEA forderte. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet.

Bei der Refinanzierung profitieren die Wolfsburger von der konzerneigenen Direktbank. Deren Einlagen kletterten in diesem Jahr um elf Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Vergleichbare Summen steuern Schuldverschreibungen und verbriefte Forderungen bei. Die VW-Finanztochter habe keinerlei Probleme gehabt, sich die nötigen Gelder zu beschaffen, sagte Witter. "Die Refinanzierung ist gut gelaufen."

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