Wachstumschancen liegen im Ausland
Kraftmeiereien aus Essen

RWE und Vattenfall prüfen ein gemeinsames Gebot für den britischen Atomkraftbetreiber British Energy. Die beiden Unternehmen seien über eine Allianz im Gespräch, erfuhr das Handelsblatt am Donerstag aus Finanzkreisen. Der deutsche Konzern könnte bei einer Übernahme des britischen Unternehmens, das über 14 Milliarden Euro kosten dürfte, einen Teil an die Schweden weiter reichen.

ESSEN. RWE und Vattenfall reagieren damit auf die zunehmend schwierigen Bedingungen in Deutschland, wo sie beim Betrieb von Atom- und Kohlekraftwerken auf immer neue Probleme stoßen. Aktueller Fall: Vattenfalls deutsche Tochter muss nach der Bildung der ersten schwarz-grünen Regierung in Hamburg mit dem Aus für sein geplantes Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg rechnen. RWE musste jüngst im saarlandändischen Ensdorf wegen des Widerstands in der Bevölkerung ein großes Projekt aufgeben.

Großbritannien lockt indes Europas Versorger mit der Ankündigung, wieder im großen Umfang neue Atomkraftwerke bauen zu wollen. Einen Schlüssel dafür hält British Energy. Der Konzern betreibt acht der zehn aktuellen Kernenergiestandorte in Großbritannien. An diesen wäre der Bau neuer Anlagen am schnellsten und einfachsten durchzusetzen. Noch läuft zwar keine offizielle Auktion, British Energy hat aber die Investmentbank Rothschild beauftragt, Offerten einzuholen.

RWE hat ein solches Gebot im Volumen von rund 14 Mrd. Euro schon vor Wochen eingereicht, um in die Bücher des Unternehmens schauen zu können. Allerdings gibt es mit Electricité de France (EDF) und der britischen Centrica finanzkräftige Konkurrenten.

Ein gemeinsames Gebot von RWE und Vattenfall, die Schweden lassen sich von der Citigroup beraten, würde aus mehreren Gründen Sinn machen. Zum einen könnten die Konzerne die Risiken streuen. Die gebotenen 14 Mrd. Euro erscheinen zwar moderat, sie entsprechen dem Siebenfachen des für das Geschäftsjahr 2008/2009 zu erwarteten Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), die größten Versorger werden im Schnitt mit dem Achtfachen bewertet. Allerdings sind die British-Energy-Reaktoren veraltet. Aktionäre stellten deshalb am Donnerstag auf der Hauptversammlung von RWE kritische Fragen: "Laufen wir nicht Gefahr zu viel zu bezahlen?"

Zum zweiten würde ein gemeinsames Gebot die Chancen erhöhen. Die Regierung in London, die mit entscheidet, weil der Staat 35 Prozent der Anteile an British Energy hält, dürfte ein Interesse haben, dass möglichst viele Firmen neue Reaktoren bauen und die Standorte von British Energy nicht an einen Bieter gehen.

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