Wachstumskurve
Chemie wieder auf Kurs

Zwar flachte die Wachstumskurve seit Jahresmitte ab, doch das Vorkrisenniveau der Chemiebranche liegt in Reichweite, und auch die Beschäftigung bleibt konstant. Mit der Entspannung auf den Rohstoffmärkten wurde zudem der Preisanstieg gedämpft.
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FRANKFURT. Die Dynamik in der Chemiebranche in Deutschland hat sich im dritten Quartal erwartungsgemäß abgeschwächt. Nach den gestern veröffentlichten Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) legte die Produktion chemischer Erzeugnisse gegenüber dem zweiten Quartal nur noch um 0,5 Prozent zu.

"Die Chemie hat einen rasanten Aufholprozess hinter sich. Das Vorkrisenniveau liegt in greifbarer Nähe", kommentierte VCI-Präsident Klaus Engel gestern die Ergebnisse. Der Rückenwind lasse aber nach, weil sich die Weltwirtschaft langsamer entwickele und der Wettbewerb intensiver werde, so Engel.

Wegen der starken ersten Jahreshälfte ändert der Verband die Gesamtprognose für das laufende Jahr aber nicht: Die Chemieproduktion soll in diesem Jahr insgesamt um elf Prozent über dem Vorjahr liegen, der Umsatz um 18 Prozent auf rund 171 Mrd. Euro steigen.

Auch wenn sich die Wachstumskurve für die Branche seit Jahresmitte abflacht: Verglichen mit dem dritten Quartal 2009 liegt die Produktion der Branche per Ende September um zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Viele Hersteller wie BASF, Dow und DSM aber auch Bayer Material Science haben im dritten Quartal starke Zahlen für ihr Chemiegeschäft präsentiert. Die Erwartungen für die Zukunft wurden allerdings vielfach gedämpft.

Laut Verband der Chemischen Industrie blieb die Auslastung der Anlagen im dritten Quartal unverändert bei 85 Prozent und damit auf Normalniveau. Die Nachfrage im Inland stagnierte bei 16,6 Mrd. Euro gegenüber dem Vorquartal und auch das Auslandgeschäft entwickelt sich mit einem Wachstum von einem Prozent auf 25,2 Mrd. Euro gedämpfter. Einen weiteren Zuwachs für Deutschland hält der VCI derzeit für "nicht selbstverständlich". Im dritten Quartal konnte die Produktion chemischer Grundstoffe wie Petrochemikalien und Polymere nicht mehr an das hohe Niveau des Vorquartals anknüpfen.

Die nachlassende Nachfrage und eine leichte Entspannung auf den Rohstoffmärkten dämpften auch den Preisanstieg. Das Fass Rohöl der Nordseesorte Brent war in Durchschnitt im dritten Quartal 2,9 Prozent günstiger als im Vorquartal, der wichtigste Rohstoff Naphtha (Rohbenzin) verbilligte sich sogar um fast 9 Prozent. Insgesamt lagen die Preise für Chemikalien im dritten Quartal um 0,6 Prozent über dem Vorquartal, im Vergleich zum Vorjahr sind sie um vier Prozent gestiegen.

Die Zahl der Beschäftigten in der Chemiebranche in Deutschland ist in diesem Jahr mit 416 000 Mitarbeitern konstant geblieben. Der VCI erwartet auf absehbare Zeit auch keinen merklichen Beschäftigungsaufbau. "Die Verunsicherung über die weitere Konjunkturentwicklung ist nach wie vor hoch", heißt es in dem Quartalsbericht. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sich das Tempo der Erholung in den kommenden Monaten erheblich verlangsamen wird.

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