Wachstumsmarkt China
Große Konkurrenz für deutsche Exporteure

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung warnt deutsche Unternehmen vor der Stärke aufkommender chinesischer Konkurrenten. Allerdings ist der Markt aus dem Reich der Mitte stark von deutscher Industrie abhängig.
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BerlinDeutschlands Exporteure müssen sich einer Studie zufolge warm anziehen, um weiter vom Wachstumsmarkt China profitieren zu können. Hauptgrund dafür sei der zu erwartende Aufstieg chinesischer Unternehmen in Richtung technologischer Weltspitze, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Prognos-Analyse für die Bertelsmann Stiftung.

„Deutsche Firmen werden nur dann ihre aktuellen Erfolge auf dem Mega-Markt China bewahren können, wenn sie ihren technologischen Vorsprung bewahren und damit - zum Beispiel im Investitionsgüterbereich - auch künftig für ihre chinesischen Kunden unverzichtbar sind”, sagte Bertelsmann-Experte Helmut Hauschild. „Die Wirtschaft muss mehr in Forschung und Entwicklung investieren, um langfristig gegenüber der Konkurrenz aus China zu bestehen.”

Bisher laufe der deutsch-chinesische Handel nach dem Muster „hoch spezialisierte Investitionsgüter aus Deutschland gegen kostengünstige Konsumgüter aus China”. Daher standen die gegenseitigen Ein- und Ausfuhren in der Vergangenheit meist auch nicht in direkter Konkurrenz zur heimischen Industrie, sondern stellten eine Ergänzung zu den im Inland produzierten Gütern dar. Im Klartext: Für hochtechnologische Produkte „Made in Germany” gab es auf dem chinesischen Markt kaum Alternativen. Das dürfte sich der Studie zufolge ändern. „Künftig werden immer mehr deutsche Unternehmen in direkter Konkurrenz mit Wettbewerbern aus China stehen.”

Damit werde zwischen beiden Ländern auch der sogenannte intra-industrielle Handel dominieren, wie er zwischen Industriestaaten auf vergleichbarem Entwicklungsstand - etwa Deutschland und Frankreich - normal sei. Der Trend gehe bereits in diese Richtung. Betrug der Anteil dieser Art von Handel am gesamten deutsch-chinesischen Handelsvolumen 1992 nur etwa fünf Prozent, waren es 2010 laut Studie bereits 20 Prozent.

Derzeit sei die Abhängigkeit Chinas von deutschen Produkten höher als umgekehrt. „Der deutsche Maschinenbau spielt für Chinas Industrie eine Schlüsselrolle”, betonte Hauschild. Sollte Deutschland als Lieferant für Maschinen ausfallen, stünde die exportorientierte chinesische Wirtschaft vor großen Problemen. Deutschland wiederum sei vor allem bei Computern, Laptops und Textilien abhängig von Importen aus dem Reich der Mitte. Betrug Chinas Anteil der deutschen Textilimporte 1992 knapp sieben Prozent, so liegt er laut Studie derzeit bei über 31 Prozent. Bei Büromaschinen, Computern und Laptops stieg der Anteil von unter einem Prozent auf nahezu 44 Prozent.

Der Außenhandel zwischen beiden Ländern boomt seit vielen Jahren. Allerdings mussten die deutschen Exporteure 2012 mit 2,7 Prozent ihr schwächstes Wachstum im China-Geschäft seit 2005 wegstecken. Grund war die Konjunkturabkühlung in China.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wachstumsmarkt China: Große Konkurrenz für deutsche Exporteure"

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  • Das ist ja nun wahrlich nichts Neues und war zu erwarten. Genauso ist es abzusehen, dass mittelfristig Deutschland diesen Wettbewerb verlieren wird. Dank dem billigen Euro, der fett, träge und blind macht. Dank unserer unfähigen, mittelalterlichen Bildungspolitik. Die Dekadenz solch einer Politik hat in der Geschichte genügend Beispiele.

    Unsere politische Unfähigkeit trägt einen Namen der in die Geschichtsbücherstehen wird, Merkel.

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