Wachstumsmarkt
Investitionsdruck bei Biotech wächst

Komplizierte Biotech-Wirkstoffe gewinnen im Pharmageschäft weiter an Bedeutung. Große Arzneimittel-Konzerne reagieren darauf mit verstärkten Zukäufen und Investitionen, sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion.

FRANKFURT. Marktforschern wie Datamonitor oder Wood Mackenzie zufolge werden Biopharmazeutika in den nächsten Jahren den Löwenanteil des Wachstums im Pharmageschäft generieren und bis Ende des Jahrzehnts mehr als 90 Mrd. Dollar Umsatz erzielen. Die durchschnittlichen Umsatzsteigerungen für die Produktgruppe wird bei 16 Prozent erwartet, gegenüber sechs bis acht Prozent Wachstum im gesamten Pharmamarkt.

Bei den so genannten „Biologicals“ handelt es sich um komplizierte Eiweißstoffe wie Antikörper oder Wachstumsfaktoren. Umsatzstarke Vertreter der Produktklasse sind unter anderem Krebsmittel wie Avastin und Erbitux oder das Anämie-Medikament Epo (Procrit, Epogen, Aranesp), das auch als Dopingmittel Schlagzeilen gemacht hat. Von herkömmlichen Pharmasubstanzen unterscheiden sich diese therapeutischen Proteine vor allem darin, dass sie nicht chemisch synthetisiert werden können, sondern nur mit Hilfe von gentechnisch modifizierten Mikroorganismen oder Zellkulturen. Dazu wiederum sind aufwändige Fermentations- und Aufbereitungsanlagen erforderlich, die in aller Regel bereits während der Entwicklungsphase geplant und errichtet werden müssen. Vor allem Newcomer gehen damit ein relativ hohes Risiko von Fehlinvestitionen ein, sollten ihre Forschungsprojekte scheitern.

Der aktuelle Investitionsboom in dem Bereich konzentriert sich daher vor allem auf Akteure, die im Geschäft mit Biopharmazeutika bereits erfolgreich agieren. Der US-Konzern Amgen, der umsatzstärkste Anbieter auf dem Gebiet, hat vor kurzem den Antikörper-Spezialisten Abgenix übernommen und errichtet gerade für rund eine Mrd. Dollar eine neue Biotech-Produktion in Irland. Er folgt damit dem US-Konkurrenten Wyeth, der ebenfalls in Irland neue Biotech-Kapazitäten errichtet hat. Roche, die Nummer zwei auf dem Gebiet, baut derzeit Kapazitäten im bayrischen Penzberg stark aus und errichtet zudem eine neue Biotech-Anlage am Stammsitz in Basel.

Auch Boehringer Ingelheim, der führende Auftragsfertiger in dem Bereich, denkt an weitere Expansion. Drei Jahre nachdem man am Standort Biberach ein zweites komplettes Biotechwerk in Betrieb genommen hat, soll bis Ende 2007 die Kapazität durch neue Anlagen für die Protein-Aufbereitung deutlich erweitert werden. Das Pharmaunternehmen produziert bisher rund ein Dutzend zugelassene Biotech-Wirkstoffe, überwiegend für Dritte, darunter Betaferon für Schering und Erbitux für Merck. Der Umsatz in der Biotech-Auftragsfertigung hatte sich in den vergangenen beiden Jahren auf 500 Mill. Euro verdoppelt. „Für 2006 erwarten wirErlöse in ähnlicher Größenordnung“, sagt Uwe Bücheler, der für den Bereich Biopharmaceuticals zuständige Geschäftsführer.

Die Schweizer Lonza-Gruppe, die Nummer zwei bei der Biotech-Auftragsfertigung, plant derzeit eine große Anlage in Singapur, für die sich wiederum die Roche-Tochter Genentech eine Kaufoption gesichert hat. Im Gegenzug erwarb Lonza einen Anlage von Genentech in Spanien.

Für wachsenden Bedarf an solchen Kapazitäten spricht nicht zuletzt die stetig wachsende Zahl an Forschungsprojekten im Bereich der Biopharmazeutika. Der Antikörper-Spezialist Morphosys etwa zählt inzwischen zwölf der zwanzig größten Pharmakonzerne zu seinen Kunden und hat alleine in diesem Jahr sechs neue oder erweiterte Allianzen besiegelt. Etliche Übernahmen von Biotechfirmen durch Pharmakonzerne waren ausschließlich von dem Motiv getrieben, die Position bei Biologicals zu stärken.

Kapazitätsbedarf erwächst zudem aus den Ambitionen von Generikaherstellern wie Sandoz, Ratiopharm oder Stada, die inzwischen an Nachahmer-Produkten von erfolgreichen Biotech-Medikamenten arbeiten (siehe Bericht unten).

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