
DÜSSELDORF. Stadtwerke und Regionalversorger versuchen den großen Energiekonzernen Marktanteile beim Wachstumsgeschäft mit erneuerbaren Energien abzujagen. Der einzige börsennotierte Kommunalversorger Deutschlands, die Mannheimer MVV Energie, ist gestern nach jahrelanger Abstinenz wieder in die Windkraft eingestiegen und kaufte einen ersten Windpark in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Zukäufe sollen zügig folgen, wie Vorstandschef Georg Müller im Gespräch mit dem Handelsblatt ankündigte: "Das ist der erste Schritt unserer Strategie, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 30 Prozent zu steigern - weitere werden folgen. Unser Schalter steht auf grün."
Derzeit liegt der Anteil bei 18 Prozent. Die MVV-Gruppe, ein Netzwerk aus neun über das Bundesgebiet verteilten Versorgern, erzeugt den regenerativen Strom bislang aber fast ausschließlich in den eigenen Müllverbrennungsanlagen mit Biomasse. Jetzt will das Unternehmen bewusst in der Windenergie expandieren. "1,5 Milliarden Euro wollen wir bis 2020 in Wachstumsinvestitionen stecken, der Großteil wird dabei in erneuerbare Energien fließen und dort wird wiederum der Schwerpunkt auf der Windenergie liegen", erläutert Müller. Potenzial sieht er auch im Geschäft mit Biogas. Photovoltaik und Solarthermie seien sind dagegen wegen der mangelnden Wirtschaftlichkeit kein größeres Thema.
Für die MVV Energie, die mit einem Umsatz von zuletzt 3,2 Milliarden Euro zu den größten Versorgern der zweiten Reihe hinter den vier Großkonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe gehört, bedeutet das eine strategische Kehrtwende. 2005 war das Unternehmen noch bewusst aus der Windkraft ausgestiegen, weil das Unternehmen unter der Führung von Müllers Vorgänger Rudolf Schulten von den Erträgen enttäuscht war. MVV Energie verkaufte das Portfolio damals an den spanischen Konzern Iberdrola.
"Mehr als bewegte Luft"
Inzwischen haben sich nach Müllers Worten aber die Rahmenbedingungen geändert: "Windenergie ist mehr als bewegte Luft und keine Nische mehr, sondern eine wirtschaftliche Zukunftsenergie geworden." Inzwischen seien die politischen Rahmenbedingungen stabil, die Förderung kalkulierbar und das Know-how gut. "Die Anlagen sind verlässlich und rentabel", so Müller.
Nach seinen Worten gilt das aber nur für Windparks auf dem Festland. Bei den Offshore-Projekten, den Windrädern vor der Küste, auf die sich die Konkurrenz zur Zeit reihenweise stürzt, sind ihm die Risiken noch zu hoch. Hier müsse die Technologie erst noch ihre Standfestigkeit beweisen.