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17.06.2008 
schwieriges Umfeld

Wachstumsplan von Renault auf der Kippe

von Holger Alich und Mark C. Schneider

Gestartet als heißester Auto-Typ der Erde muss sich Konzernchef Carlos Ghosn jetzt gewaltig strecken, um seine Ziele für Absatz- und Ertrag bis zum Jahr 2009 noch zu erfüllen. Bei Experten wachsen die Zweifel am Erfolg der Franzosen.

Renaults Spitzenmodell Laguna leidet unter den hohen Spritpreisen. Foto: dpaLupe

Renaults Spitzenmodell Laguna leidet unter den hohen Spritpreisen. Foto: dpa

PARIS/DÜSSELDORF. Fast genau drei Jahre ist es her, dass Carlos Ghosn beim französischen Autokonzern Renault das Steuer übernommen hat. Die Börse bedachte den "heißesten Auto-Typ der Erde" ("Wall Street Journal") mit Vorschusslorbeeren. Schließlich hatte er aus dem schlingernden japanischen Autobauer Nissan eine Gewinnmaschine gemacht. Beim Großaktionär Renault sollte Ghosn das Wunder wiederholen. Doch seit seinem Amtsantritt im Mai 2005 hat die Börse den Glauben an Ghosn und die Aktie rund neun Prozent an Wert verloren.

Selbst wenn man die gezahlten Dividenden einrechnet, bleibt für die Anteilseigner nur ein Plus von gut vier Prozent. Der Dow Jones EuroStoxx Auto Index legte zur gleichen Zeit fast 50 Prozent zu. "Schauen Sie sich den Konsensus an: Niemand glaubt mehr, dass Renault die Ziele erreicht", sagt Pierre-Yves Quemener, Autoanalyst von der Schweizer Landesbanki Kepler.

Mit seinem "Contrat 2009" hat sich der Renault-Chef auf konkrete Zielmarken festgelegt: Die Marge soll im Jahr 2009 sechs Prozent erreichen. Der Autoabsatz soll im Vergleich zum Startjahr 2005 um 800 000 Fahrzeuge zulegen, Renault will dann 3,3 Millionen Autos verkaufen. Zudem soll der neue Laguna in Sachen Qualität zu den besten Drei seiner Klasse aufschließen.

"Mit den explodierenden Öl- und Rohstoffpreisen hat sich das Umfeld dramatisch verschlechtert", sagt Analyst Quemener. Entsprechend skeptisch sind die meisten Experten. "Renault wird sein Volumenziel nicht schaffen", urteilt etwa Thierry Houn, Autoanalyst bei Exane BNP Paribas.

Das Problem: Bis 2007 brach bei Renault der Absatz ein wegen einer veralteten Modellpalette. So verkauften die Franzosen im Vorjahr rund 40 000 Autos weniger als 2005. Dem Konzern bleiben nur noch zwei Jahre, um das Absatzziel zu packen - und das bei heftigem Gegenwind von der Weltkonjunktur. Allein 2008 soll der Verkauf um zehn Prozent zulegen. Bis Ende April schaffte Renault nur ein Absatz-Plus von 7,1 Prozent.

Das Management zeigt sich unbeirrt: "Das Umfeld ist schwierig, das ist sicher, wir halten an den Zielen aber fest", sagt Thierry Moulonguet, Finanzvorstand von Renault, zum Handelsblatt. Er setzt darauf, dass der neue Billigwagen Sandero, der ab dem Ende der Woche in Europa verkauft wird, und weitere Versionen des Erfolgsmodells Logan der rumänischen Tochter Dacia den Absatz beflügeln werden.

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