Wachstumspotenzial noch nicht ausgeschöpft
Deutsche Firmen schwören auf Japan

Zwar bleibt die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft mit einem realen Wachstum von wohl knapp unter zwei Prozent in diesem Jahr weit hinter den dynamischen Märkten China oder Indien zurück. Doch das absolute Umsatz- und Gewinnwachstum ist wegen der Größe der Wirtschaft und der Branchen für die Unternehmen oft weitaus höher als auf anderen asiatischen Märkten.

TOKIO. Für den deutschen Software-Konzern SAP bleibe Japan über die kommenden Jahre der größte Wachstumsträger in Asien, was das Geschäftsvolumen angehe, sagte Vorstandssprecher Henning Kagermann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Derzeit stammen fünf Prozent des SAP-Gesamtumsatzes aus Japan. Das ist knapp die Hälfte der Erlöse aus Asien. Die Margen liegen über denen in China oder Indien. „Japan kann sicherlich anderthalb bis zweimal so schnell wachsen wie die Gruppe“, sagte Kagermann am Rande eines vom Japanisch-Deutschen Zentrum und der Unternehmensberatung Roland Berger organisierten deutsch-japanischen Wirtschaftssymposiums in Tokio. Selbst von den prozentualen Wachstumsraten sei das Geschäft in den kommenden Jahren nicht weit vom Wachstum in Asien insgesamt entfernt.

SAP ist mit solchen Wachstumserfahrungen in Japan nicht allein: Werkzeugmaschinenbauer Trumpf steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr in Japan um 41 Prozent, weil Firmen wieder in neuere Anlagen investieren. Roland Berger wuchs die letzten Jahre in Japan im Schnitt um 50 Prozent.

Legt man ihren Weltmarktanteil zu Grunde, sind deutsche Unternehmen in vielen Branchen in Japan unterrepräsentiert. In der Unternehmenssoftware etwa dominierten lange Eigenentwicklungen der japanischen Firmen. Dann gab es feste innerjapanische Lieferbeziehungen, die erst jetzt mit der fortschreitenden Globalisierung aufbrechen.

Für den Industrie- und Konsumgüterkonzern Henkel etwa sei es positiv, dass einige japanische Zulieferer nicht mit ihren Kunden in der Auto- oder Elektronikindustrie ins Ausland wanderten, sagte Geschäftsführungsvorsitzender Ulrich Lehner dem Handelsblatt. Auch der Autozulieferer Bosch profitiert von der wachsenden Zahl an Auslandswerken der japanischen Autobauer. Und SAP-Chef Kagermann hält das China-Geschäft für die Eintrittskarte in japanische Unternehmen.

In den vergangenen Jahren stand Japan wegen seiner Wirtschaftsprobleme und der Ausgabenhemmung der Unternehmen oft im Schatten seiner asiatischen Nachbarn. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland sank drei Jahre in Folge, bevor es 2004 wieder anstieg. Doch Bernhard Scheuble, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Merck KGaA und designierter Sprecher der Japan-Initiative der deutschen Wirtschaft, betont: „China und Indien sind trotz ihrer Wachstumsraten auch zu einem gewissen Maß ein Modetrend. Die wenigsten verdienen hier Geld. Die meisten Unternehmen machen ihre Gewinne in Japan.“

Erleichtert werden die Geschäfte der Deutschen in Japan durch einen verbesserten Marktzugang. Dies zeigt sich auch in einer höheren Zahl von Fusionen und Akquisitionen in den vergangenen Monaten. Im Jahr 2007 werden zudem die gesetzlichen Bestimmungen so gelockert, dass Ausländer japanische Unternehmen leichter im Wege eines Aktientauschs übernehmen können.

Auch die Lufthansa profitiert von den regeren Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und Europa. Sie hat die Kapazität auf der Strecke Nagoya-Frankfurt mit dem Bau des neuen Flughafens in Nagoya in diesem Jahr um 40 Prozent aufgestockt. Japan sei von der deutschen Politik in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, sagt Lufthansa-Finanzvorstand Karl Ludwig Kley: „Es wäre schön, wenn die neue Bundesregierung Japan in ihrer Außenpolitik wieder wichtiger nehmen würde.“

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