Wachstumsstrategie ist gescheitert
Condomi sucht dringend neues Kapital

Enttäuschte Anleger haben sich am Freitag nach Einschätzung von Analysten wegen der negativen Liquiditätssituation beim Kölner Kondomhersteller Condomi von dessen Aktien getrennt. Die Titel verloren zeitweise über 40 Prozent.

HB KÖLN. Denn Europas größter Kondomhersteller condomi ist in der Krise. Die Liquiditätssituation habe sich auf Grund verfehlter Wachstums- und Investitionsstrategien der Vergangenheit kontinuierlich verschlechtert, teilte das Unternehmen am am Freitag in Köln mit. „Wir sind zu schnell zu stark gewachsen“, sagte Vorstandschef Jens Waldhof. Er sei aber optimistisch, dass eine Neuausrichtung mit der Konzentration auf das Kerngeschäft mit Kondomen greifen werde. Die Condomi AG wollte am Freitagnachmittag die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr (30. Juni) vorlegen. Die Aktie brach bereits am Vormittag um 37 Prozent auf 1,78 Euro ein.

Derzeit laufen Gespräche für eine Überbrückungsfinanzierung mit Banken. Ein Abschluss werde noch im Dezember angestrebt. „Wir sind unterwegs, um frisches Kapital zu beschaffen“, sagte Waldhof. Dabei werde auch nach einem möglichen Investor gesucht. Condomi schrieb in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres trotz eines Umsatzwachstums erstmals rote Zahlen. Der Verlust belief sich in den ersten drei Quartalen auf 2,1 Mill. Euro. Der Umsatz des Unternehmens mit 450 Beschäftigten lag in den ersten neun Monaten bei 20,3 Mill. Euro. Im Geschäftsjahr 2001/2002 hatte Condomi einen Umsatz von 26,5 Millionen Euro sowie einen Gewinn vor Steuern von 1,3 Mill. Euro verbucht.

Condomi hatte in Erfurt 30 Millionen Euro in ein Produktionswerk mit 220 Beschäftigten investiert. In dem Werk können bis zu 720 Millionen Kondome produziert werden. „Wir haben uns verhoben an dem zu starken Kapazitätsaufbau in Erfurt. Wir erfüllen derzeit nicht die Kapazität, die uns zur Verfügung steht“, sagte Waldhof. Außerdem hatte sich condomi mit einer Tochterfirma im Medien-Bereich engagiert, die erotische Inhalte für Internetseiten entwarf. Von dieser Tochter hatte sich das Unternehmen vor einem Jahr getrennt.

„Bei der Restrukturierung ist vorgesehen, die gesellschaftliche Struktur des Unternehmens deutlich zu verschlanken.“ Dabei stünden außer der Beteiligung am polnischen Kondomhersteller Unimil alle Tochtergesellschaften auf dem Prüfstand. Condomi unterhält Vertriebstöchter in Großbritannien, Österreich, Frankreich und Italien.

„Wir haben schon seit Monaten auf Anzeichen für eine angespannte Liquiditätslage hingewiesen. Einige Anleger haben aber auf eine Verbesserung gesetzt und sind nun enttäuscht“, sagte Aktienanalystin Monica Cocco von der Stadtsparkasse Köln. Nachdem Condomi mitgeteilt habe, in Finanzierungsverhandlungen mit seinen Banken zu stehen, um seinen Fortbestand zu sichern, sei es zu massiven Verkäufen gekommen. Die Analystin nannte diese Entwicklung Besorgnis erregend.

Die im Prime Standard notierten Aktien von Condomi brachen am Freitag um mehr als 40 Prozent ein und wurden mit 1,75 Euro gehandelt, während der Gesamtmarkt rund 0,6 Prozent im Minus lag.

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