Der Höhenflug der Solarbranche wirkt sich nun auch auf andere Gewerbe aus. Die Wacker AG aus München ist dabei einer der großen Gewinner. Der Chemiekonzern baut die Produktionsanlagen massiv aus und profitiert dabei von einer weltweiten Knappheit.
MÜNCHEN. Die Münchener Wacker AG baut erneut die Kapazitäten für die Produktion von Polysilizium aus. Bis zum Jahr 2010 will das Unternehmen weitere 400 Mill. Euro in die Produktionserweiterung seiner Anlagen im Stammwerk Burghausen stecken. Mit den bereits beschlossenen Erweiterungen wird Wacker seine heutige Produktionskapazität bis 2010 glatt verdreifachen. „Die jetzt beschlossene Kapazitätsausweitung trägt der starken Nachfrage unserer Kunden Rechnung“, sagte Firmenchef Peter-Alexander Wacker in München. 200 neue Arbeitplätze entstehen.
Die Kunden sind vor allem die Hersteller von Solarzellen. Polykristallines Silizium ist derzeit der Engpass der Branche. Wacker ist einer der wenigen Hersteller, die den Stoff in industriellem Maßstab produzieren können. Mit der jetzt beschlossenen Ausbaustufe steigt die Jahreskapazität von heute 6500 auf 21 500 Tonnen.
Bereits 2005 und 2006 haben die Münchener beschlossen, für 500 Mill. Euro die Kapazitäten zu erweitern. Für diese Erweiterungsstufen, die bis 2010 schrittweise in Betrieb gehen, stehen die Kunden Schlange. 80 Prozent der in diesen neuen Anlagen zu produzierenden Mengen sind Wacker zu Folge bis 2015 ausverkauft. Allein an Vorauszahlungen für das noch nicht produzierte Silizium hat Wacker im ersten Quartal des Geschäftsjahres über 100 Mill. Euro verbucht. Das Geld fließt wieder in den Ausbau.
Wacker will mit dem Ausbau seiner Kapazitäten zum Weltmarktführer Hemlock Semiconductor aufschließen. Die Amerikaner wollen ihre Kapazitäten von derzeit 11 000 Tonnen auf 36 000 Tonnen im Jahr 2011 erhöhen.
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Der deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells hält es für möglich, dass die Knappheit des begehrten Siliziums länger dauert als bisher gedacht. Bis 2008 beziehungsweise Anfang 2009 werde die Situation angespannt bleiben, sagte Firmenchef Anton Milner am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. Wacker geht davon aus, das sich erst ab 2010 der Markt beruhigt, dann könnten die jetzt geplanten Anlagen in vollem Umfang liefern. Zudem konkurriert die Solarindustrie mit den Abnehmern aus der Halbleiterbranche, die Polysilizium für die Wafer- und Chipfertigung verwendet. Zur Zeit geht etwa die Hälfte der produzierten Menge in die Chipinindustrie, die Wacker-Halbleiter-Tochter Siltronic ist der beste Kunde.
Wacker macht mit Polysilizium rund zehn Prozent seines Konzernumsatzes. Weitere große Standbeine sind die Herstellung von Silikonen vor allem für die Bauindustrie, die Polymer- sowie die Feinchemikalienproduktion. Rund ein Drittel des Umsatzes stammt von Siltronic. 2006 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 21 Prozent auf 3,34 Mrd. Euro, der Reingewinn hat sich auf 311 Mill. Euro verdoppelt.
Die wachsende Nachfrage aus der Solarzellen- und Chipindustrie und die gut laufenden Geschäfte in der Spezialchemie sollen zu einem neuen Rekordjahr führen, sagte Peter-Alexander Wacker auf der Hauptversammlung Ende Mai. Er geht von einem Umsatzzuwachs von zehn Prozent aus, auch die Profitabilität soll weiter steigen. Wacker will die Aktivitäten vor allem in Asien ausbauen.
Wacker war im vergangenen Jahr die zweitgrößte Börsenemission in Deutschland. Nach einem volatilen Start hat die Aktie kontinuierlich zugelegt: Am Donnerstag stieg der Kurs um 2,4 Prozent auf 163 Euro. Damit hat sich der Kurs binnen Jahresfrist verdoppelt.

