Wälzlagerhersteller geht in Schaeffler-Gruppe auf
Von FAG Kugelfischer bleibt fast nur die Marke

Drei Jahre nach der Übernahme geht der traditionsreiche Schweinfurter Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer endgültig in der Herzogenauracher Schaeffler-Gruppe auf.

HB HERZOGENAURACH/SCHWEINFURT. Die FAG Kugelfischer AG sowie die INA-Schaeffler KG würden im kommenden Jahr zur neuen Schaeffler KG zusammengefasst, teilte INA am Mittwoch mit. Die eingeführte Marke FAG soll bestehen bleiben.

Für die Mitarbeiter des neuen Unternehmens ergäben sich keine Änderungen, hieß es. Die IG Metall erklärte dagegen, FAG werde „ausradiert“. Da es künftig keinen Aufsichtsrat mehr geben werde, bedeute die Entscheidung den Abschied von der Mitbestimmung bei FAG. Informations- und Beteiligungsrechte der Arbeitnehmer gingen verloren.

INA verspricht sich eine effizientere Nutzung gemeinsamer Ressourcen etwa bei Forschung und Entwicklung, die Beschleunigung interner Prozesse sowie bessere Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.

INA hatte FAG im Herbst 2001 nach einem spektakulären Kampf übernommen. Die Schaeffler-Gruppe mit INA, FAG und LuK (Bühl) erzielt als Anbieter von Wälzlagern und Zulieferer für die Autoindustrie nach eigenen Angaben mit weltweit 57 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund sieben Mrd. €.

Mit der vollständigen Integration in die Schaeffler-Gruppe verschwindet der traditionsreiche Schweinfurter Wälzlagerhersteller Kugelfischer weitgehend als eigenständiges Unternehmen. Lediglich als Holding für einige ausländische Tochtergesellschaften existiert die FAG Kugelfischer AG noch weiter.

1883 hatte der 34-jährige Schweinfurter Tüftler Friedrich Fischer den Grundstein für den späteren Weltkonzern gelegt. Er entwickelte eine Kugelschleifmaschine, mit der es möglich war, gehärtete Stahlkugeln in großen Stückzahlen gleichmäßig rund zu schleifen. Dank dieser Innovation des „Kugelfischers“ trat das Kugellager von Schweinfurt aus seinen Siegeszug um die Welt an.

Als Fischer 1899 starb, beschäftigte die Firma bereits 400 Arbeiter. 1909 kaufte der Schweinfurter Kugellagerfabrikant Georg Schäfer die Fabrik. Das Warenzeichen „FAG“ der Fischer Aktien-Gesellschaft war schon 1905 registriert, damit war die Marke „FAG“ geboren.

Im Zweiten Weltkrieg war die Industriestadt Schweinfurt Ziel zahlreicher Bombenangriffe der Alliierten. Das FAG-Werk wurde zerstört. Doch bald nach Kriegsende machte sich Kugelfischer unter der Geschäftsführung der Gesellschafter Georg und Otto Schäfer an den Wiederaufbau. Nach weltweiter Expansion erfolgte 1985 der Gang an die Börse.

Nach der deutschen Einheit geriet FAG wegen eines Engagements in den neuen Bundesländern in massive Schwierigkeiten. Mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm wurde der Zusammenbruch verhindert. Im Jahr 2000 stand das Unternehmen mit 2,2 Mrd. € Umsatz und 18 000 Beschäftigten wieder gut da. Im Herbst 2001 wurde FAG nach wochenlangem Kampf vom Konkurrenten INA-Holding Schaeffler KG aus Herzogenaurach übernommen.

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