Wälzlagerhersteller
Herzogenaurach bangt um Schaeffler

Einst kannte man Herzogenaurach wegen Puma und Adidas. Und bis heute haben die beiden Sportartikelausrüster ihre Hauptsitze dort. Arbeiten tun die meisten Menschen dort allerdings bei Schaeffler. Seit der Übernahme von Continental ist die Region in einer tiefen Krise. Ein Besuch vor Ort.

rtr HERZOGENAURACH. 2008 war die Welt in Herzogenaurach noch in Ordnung. Mit einer Arbeitslosenquote von zwei Prozent und einer Rekord-Gewerbesteuereinnahme von rund 37 Mio. Euro gehörte die 23 000-Einwohner-Stadt bei Nürnberg zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen in Deutschland. Die Schuhherstellung hat in „Herzo“, wie viele Einheimische ihre Stadt nennen, eine 120-jährige Tradition. Doch Adidas und Puma produzieren längst nicht mehr in Deutschland. Größter Arbeitgeber ist seit langem die Schaeffler-Gruppe, deren Firmenzentrale unübersehbar über der Altstadt thront. Sie stellt die Hälfte aller Arbeitsplätze in Herzogenaurach.

Die Familie Schaeffler ist der Grund, warum die Stadt nun vor den größten Problemen seit der Weltwirtschaftskrise 1929 steht. Die milliardenschwere Übernahme des Autozulieferers Continental sollte dem Wälzlagerhersteller eigentlich den Zugang zur Elektronik und damit die Zukunft sichern - stattdessen brachte sie das Unternehmen in der Finanzkrise aber an den Rand des Ruins.

Schaeffler ächzt unter der Schuldenlast von rund 16 Mrd. Euro. Allein 899 Mio. Euro Zinsen werden darauf im ersten Jahr fällig. Erst vor kurzem hatte Schaeffler einige Monate Aufschub von den Banken erhalten, um seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Rund sechs Mrd. Euro brauche das Unternehmen, sagte Miteigentümer Georg Schaeffler.

Darunter leidet auch die Stadt: Bürgermeister German Hacker hat ausrechnen lassen, dass Herzogenaurach in diesem Jahr 3,7 Mio. Euro mehr Gewerbesteuer zurückzahlen muss als der Ort einnimmt. Als Student hat Hacker selbst bei Schaeffler gejobbt. „Wenn sie mich vor einem halben Jahr nach einem Worst-Case-Szenario gefragt hätten, hätte ich gesagt, unter zehn Mio. können wir nicht fallen. Ein Worst-Worst-Case hätte geheißen, wir können auf Null fallen. Aber minus 3,7 Mio. - die Software nimmt das gar nicht.“ Jetzt werden Beerdigungen in Herzogenaurach teurer. Die Hundesteuer ist schon erhöht worden, und in der Straßenreinigung streicht Hacker Stellen, um das Haushaltsloch zu stopfen.

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