Wälzlagerhersteller will kräftig wachsen und plant neue Fabriken
INA-Schaeffler knüpft Investitionen im Inland an längere Arbeitszeiten

Das Management der Ina-Schaeffler-Gruppe will auch nach dem Kompromiss bei der Tochter FAG Kugelfischer AG den Kampf um die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich fortsetzen.

mwb HERZOGENAURACH. „Wir haben angesichts des dramatischen Preisverfalls einen Schritt zu höherer Wettbewerbsfähigkeit getan“, sagte Jürgen Geißinger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der INA-Schaeffler- Gruppe und Aufsichtsratschef bei FAG gestern in Herzogenaurach.

Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Wälzlagern hatte sich mit den Arbeitnehmern statt der angestrebten Schließung des Standortes Eltmann und des Abbaus von 1000 Stellen auf die Streichung von 600 Stellen in Schweinfurt und Eltmann geeinigt. Darüber hinaus müssten sich wesentliche Rahmenbedingungen am Standort Deutschland ändern. „Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 38 oder 40 Stunden ist ideal, um die Kosten zu senken“, sagt Geißinger. Künftig will er Investitionen im Inland nur noch tätigen, wenn länger gearbeitet wird. „Wir brauchen in Deutschland ein Verringerung der Kosten um 20 bis 30 Prozent. Allein durch eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 38 Stunden könnten die Kosten um 10 Prozent verringert werden. „Wir wollen den Leuten nicht an den Geldbeutel. Aber 36 Minuten pro Tag länger zu arbeiten, ist angesichts des harten Wettbewerbs nicht zu viel verlangt“, betont Geißinger.

Für FAG wurde für alle Standorte eine Sicherungsvereinbarung bis 2008 abgeschlossen. In der kommenden Woche beginnen die Gespräche mit den Arbeitnehmern in einer außerordentlichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Im Raum stehen die Rückführung übertariflicher Leistungen sowie die Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

Für die neun Inlandsstandorte der INA will Geißinger aber keine Rahmenvereinbarung schließen, sondern mit jedem Standort individuell verhandeln. Bei der sehr profitablen Tochter LUK werde seit jeher 40 Stunden die Woche gearbeitet, sagte Geißinger. Im Lahrer INA-Werk willigten die Beschäftigten kürzlich zur 40 Stunden-Woche ein, gegen die Zusicherung einer Investition von 60 Mill. Euro in eine neue Werkshalle.

Davon ist die INA allerdings weit entfernt. Das Unternehmen ist durch die feindliche Übernahme des Konkurrenten FAG vor drei Jahren mit einem Marktanteil von 17 Prozent zum weltweit zweitgrößten Wälzlager-Hersteller hinter der schwedischen SKF (18 Prozent) aufgestiegen und zählt zu den großen Zulieferern von Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Das gegenüber der Öffentlichkeit verschlossene Unternehmen befindet sich im Besitz der Familie der persönlich haftenden Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler. In diesem Jahr werde der Umsatz um 2 Prozent auf 7 Mrd. Euro Umsatz steigen, sagte Geißinger. Im kommenden Jahr peilt er eine Steigerung um 8 Prozent an. Zudem würden mit der Einführung neuer Produkte in Deutschland 500 Arbeitsplätze geschaffen.

Zum Gewinn machte die Geschäftsführung keine exakte Angaben. „Wir sind profitabel“, betont Geißinger. Die Investitionen von jährlich 600 Mill. Euro werden vollständig aus dem Cash-flow finanziert, versicherte Geißinger. Bei INA sei die Umsatzrendite aber höher als bei FAG. Die Tochter hatte bei knapp 2,2 Mrd. Euro Umsatz ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 108 Mill. Euro erzielt, was einer Rendite von rund 5 Prozent entspricht. Dabei stammen bereits 85 Prozent des Gewinns laut Geißingers Angaben aus dem Ausland.

Die gesamte INA-Gruppe beschäftigt weltweit 57 000 Mitarbeiter, davon noch die Hälfte in Deutschland.

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