Wäschehersteller
Schiesser stellt Insolvenzantrag

Unterwäsche trägt man grundsätzlich zwar auch in Krisenzeiten. Aber wenn wenig Geld da ist, muss es ja nicht die teure Variante sein. Das war jedoch nicht der einzige Grund, warum Schiesser nun Insolvenz anmelden musste. Für die Mitarbeiter bleibt Grund zur Hoffnung.

STUTTGART. Der Wäschehersteller Schiesser hat Insolvenz beantragt. Das teilte das 1875 gegründete Traditionsunternehmen aus Radolfzell am Bodensee gestern mit. Trotz erfolgreicher Restrukturierung sowie einer positiven Geschäftsentwicklung habe die notwendige Anschlussfinanzierung nicht sichergestellt werden können, begründete der vorläufigen Insolvenzverwalter der Traditionsfirma, Volker Grub, am Montag die Entscheidung. Altlasten aus der Vergangenheit hätten zudem zu 65 Millionen Euro Bankschulden geführt.

Das Unternehmen gehört zur Schiesser Group AG mit Sitz im schweizerischen Küsnacht, die vier Tochtergesellschaften in Deutschland und neun in anderen europäischen Ländern hat. Der Umsatz lag 2008 bei 130 Mio. Euro. In Radolfzell hat Schiesser noch rund 600 Beschäftigte und hatte kurz vor Weihnachten den Abbau von 100 Stellen angekündigt. Die IG Metall in Singen befürchtete bereits damals das bevorstehende Aus für das Unternehmen.

In der Branche kursierten bereits Gerüchte über massive Finanzprobleme. Marketingexperten fiel auf, dass Schiesser in jüngster Vergangenheit kaum noch Werbung schaltete. „Schiesser ist ja im Prinzip ein Produkt, dass nach außen hin nicht sichtbar ist“, sagt Peter Littmann, ehemaliger Chef von Hugo Boss und Gründer der Beratungsagentur Brandinsider. „Gerade deshalb wäre gezieltes Marketing besonders wichtig. Aber selbst ich habe Schiesser in letzter Zeit überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Das ist natürlich kein gutes Zeichen.“

Der Sportausrüster Puma hatte seinen Ende 2008 auslaufenden Lizenzvertrag für Bodywear mit dem Unterwäsche-Spezialisten Schiesser nicht mehr verlängert. Bereits Ende 2007 gab es wegen Lieferengpässen, Imageproblemen und Verlusten Spekulationen über eine drohende Pleite. Damals dementierte das Unternehmen heftigst. Allerdings kommt die Traditionsfirma seit Jahren nicht aus den roten Zahlen. Vorstandssprecher Winfried Daltrop, ein ehemaliger Reebok-Manager, musste nach sechs Jahren an der Spitze Ende 2007 gehen. Schiesser bekam seine Lieferprobleme dennoch nicht in den Griff. Das führte vor allem zu Unzufriedenheit bei den Lizenznehmern wie Hugo Boss, Polo Ralph Lauren, Puma, Strellson und Tommy Hilfiger.

Aber gerade das Lizenzgeschäft sollte weiter ausgebaut werden, um die stagnierenden Umsätze der Kernmarke zu kompensieren. Denn die eigene Marke Schiesser bekam trotz hoher Qualität der Produkte seit Jahren ihr spießiges Feinripp-Image, das die Radolfzeller einer bahnbrechenden Erfindung aus den 30er Jahren verdankten, trotz intensiver Bemühungen nicht mehr los. Wegen der Probleme stiegen die Lizenzgebern einer nach dem anderen aus. mwb/iw

Schiesser wurde 1875 von dem 27-jährigen Schweizer Jacques Schiesser in Radolfzell gegründet. Der Fabrikanten hatte zuvor Erfahrungen gesammelt in einer Weberei im Thurgau. Der erste Produktionsraum befand sich offenbar im Tanzsaal eines Gasthauses, doch schon 1876 folgte der Umzug in eine eigene Fabrikhalle.

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