Wäschehersteller Schiesser Verkauf statt Börsengang

Der Wäschehersteller Schiesser, der sich erst im vergangenen Jahr aus der Insolvenz befreit hatte, geht nun doch nicht an die Börse. Stattdessen wird das Traditionsunternehmen vom Bodensee nach Israel verkauft.
Update: 02.05.2012 - 14:54 Uhr 4 Kommentare
Werksverkauf bei Schiesser in Radolfzell: Der Wäschehersteller wird nach Israel verkauft. Quelle: dpa

Werksverkauf bei Schiesser in Radolfzell: Der Wäschehersteller wird nach Israel verkauft.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer traditionsreiche Wäschehersteller Schiesser kommt in israelische Hände: Statt wie geplant im zweiten Quartal an die Börse zu gehen, werde die Firma drei Jahre nach der Insolvenz an den Konkurrenten Delta Galil aus Tel Aviv verkauft. Delta bringe 68 Millionen Euro an Kapital in die Schiesser AG ein, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Damit könnten die bis Ende 2012 gestundeten Forderungen der Gläubiger von 58 Millionen Euro befriedigt und dazu noch Wachstum finanziert werden, sagte Aufsichtsratschef Volker Grub in einer Telefonkonferenz. „Wir gewinnen einen strategischen Partner, der Schiesser voranbringen kann“, warb er für den neuen Eigentümer. Delta wolle alle 1759 Arbeitsplätze von Schiesser, davon 536 in Deutschland, erhalten. „Wir wollen neue Stellen schaffen, nicht das Gegenteil“, bestätigte Delta-COO Shlomo Doron.

Das für seine Feinripp-Wäsche bekannte Unternehmen aus Radolfzell am Bodensee hatte sich erst Anfang 2011 nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz befreit, in die Schiesser durch falsche strategische Entscheidungen gerutscht war. Als Insolvenzverwalter hatte Grub die Gläubiger von einem Börsengang überzeugt, um sie auszuzahlen.

Nach mehreren Verzögerungen war das IPO schließlich für das zweite Quartal 2012 anvisiert worden. Das Börsenumfeld sei zu wacklig, begründete Grub nun die Kehrtwende. „Obwohl Schiesser sicher eine vielversprechende Aktie geworden wäre, hätte das derzeitige volatile Börsenumfeld für die mittelfristige Entwicklung von Schiesser weniger Vorteile geboten, als der langfristig orientierte strategische Investor Delta Galil.“

Das börsennotierte israelische Unternehmen schafft mit der Übernahme den Schritt auf den deutschen Markt. Delta produziert Unterwäsche und Socken für große Marken wie Victoria Secret, Hugo Boss, Tommy Hilfiger oder Nike, verkauft Wäsche aber auch unter eigenen Marken auf dem Heimatmarkt Israel.

Vorstandschef Bündgen bleibt
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4 Kommentare zu "Wäschehersteller Schiesser: Verkauf statt Börsengang"

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  • laut meiner quellen gab es sogar deutsche bieter, welche das gleiche geboten haben, was wohl hinter dem verkauf ins ausland steckt????

  • Dass dem - leider - so ist, ist logisches Resultat nun >10-jähriger 'Förderung des Finanzplatzes Dtld.'

  • Von Erlös kann keine Rede sein.

    Es handelt sich doch wohl um eine unentgeltliche Übertragung auf Weisung der Banken, denen diese Idee nahegelegt worden ist.

  • und wieder ein deutsches Unternehmen ins Ausland verscherbelt und in Kürze sind dann die Produktionsstätten natürlich hier auch weg und nur der Vertrieb bleibt übrig... aber so konnten die Gläubiger Ihr Geld bekommen und das ist ja kurzfristig viel wichtiger als langfristig den Standort Deutschland zu sichern...

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