Waffenbranche
Amerika rüstet auf

Steigende Umsätze, laxe Gesetze: Der US-Waffenbranche könnte es nicht besser gehen. Der Amoklauf in einem Kino hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Am Wochenende stürmten die Amerikaner erst recht in die Waffenläden.
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WashingtonAm Freitag in den frühen Morgenstunden fielen die USA in einen Schockzustand. Aus den Frühstücksnachrichten erfuhren die Amerikaner, dass soeben ein Amokläufer in einem Kino in Colorado um sich geschossen und mehrere Menschen getötet hatte. Schnell schwollen Twitter, Facebook und die Kommentarseiten der Online-Zeitungen an mit Tausenden von Kommentaren, in denen die Nutzer ihr Entsetzen, ihre Trauer und ihr Mitgefühl ausdrückten.

Die National Rifle Association (NRA) dagegen, Amerikas mächtigste Waffenlobby, hatte bei Twitter Folgendes zu sagen: „Guten Morgen, ihr Schützen. Einen schönen Freitag! Pläne fürs Wochenende?“

Der Tweet von @NRA_Rifleman war ein Versehen, den der Verband peinlich berührt nach zwei Stunden aus dem Netz nahm. Doch viel mehr fiel den Waffenfreunden dann auch nicht ein. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, deren Familien und der Community“, hieß es in einer knappen Mitteilung. Ansonsten werde man die Ereignisse zunächst nicht weiter kommentieren.

Die Waffenlobby fürchtet, dass im Angesicht des Blutbads mit zwölf Toten und Dutzenden Verletzten wieder einmal jemand auf die Idee kommen könnte, die Gesetze zu verschärfen. Und entsprechende Forderungen ließen nicht lange auf sich warten. Immerhin hatte der mutmaßliche Attentäter James Holmes sein mörderisches Arsenal völlig legal zusammengekauft. Doch wirklich Anlass zur Sorge gibt es für die Branche nicht: Die Lobby gilt als eine der einflussreichsten im ganzen Land, und die Industrie macht glänzende Geschäfte.

Mehr noch: Der Amoklauf vom Freitag scheint deren Verkauf sogar noch zu befeuern. US-Medien berichten, dass Waffengeschäfte im ganzen Land an diesem Wochenende mehr Besucher zählten als sonst. „Das Telefon hört nicht auf zu klingeln“, zitierte der „Boston Herald“ einen Händler, der nur 25 Kilometer vom Ort des Attentats entfernt ein Geschäft betreibt. Die Menschen wollten gerüstet sein, sollten sie einmal selbst einem Amokläufer gegenüberstehen. „Sie wollen nicht mehr Opfer sein“, sagte ein anderer Ladenbesitzer, der sagt, dass seine Verkäufe am Wochenende um die Hälfte angestiegen seien.

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  • Einige Anmerkungen zu dieser Diskussion hier:
    1. In den USA gibt es nicht DAS Waffengesetz, jeder Bundesstaat regelt es anders.
    2. Diejenigen die meinen sie bräuchten nur eine Waffe kaufen und seinen dann in Sicherheit sind auf dem Holzweg. Ohne regelmäßiges Training werden sie eher für Schaden als Nutzen sorgen.
    3. Waffen gibt es bei uns schon heute nur sehr restriktiv. Kaum einer der Legalwaffenbesitzer ist befugt seine Waffe zu führen. Und bevor sich die hier auf Selbsthilfe nach At. 20 Abs. 4 des GG schielen versehen wird es ihnen wie im 3. Reich (und später in der DDR) ergehen: Der Waffenbesitz wird rechtzeitig untersagt. Dann bleiben nur noch die illegalen Waffen. Und spätestens wenn dann die Versorgung mit Strom und Kraftstoff unterbunden ist ist es mit dem Aufstand vorbei.
    4. Wer sagt denn dass der Einbrecher sich nicht auch eine Waffe besorgt wenn er mit einer solchen bei seinem Opfer rechnet?

  • ich könnt entweder heulen oder mich einfach totlachen, wenn ich diese ganzen komennts hier lese, pro bewaffnung einen jeden. das zeigt nur, dass das bildungsniveau hier in deutschland stark runter geht in die richtung, die in den usa vorherrscht. das massaker würde auch nicht verhindert werden, wenn einige dort eine waffe zur gegenwehr gehabt hätten, sondern es hätte wohl eher die opferzahl sogar erhöht. zweitens: schaut mal statistiken an, wie viele tödlichen unfälle durch unsachgemäße waffennutzung in den usa passieren. bsp.: ein kleiner junge kommt an die geladene waffe der eltern und spielt räuber und gendarm, drückt ab und verletzt sich selbst oder andere. ich glaube, bei einigen hakts. den waffenbesitz damit zu rechtfertigen, dass es doch nur gerecht ist, ine zu besitzen, weil es vor gefahren durch staatsterror, äußeren terror oder andere irre kriminelle schützt, ist sowas von unterstem bildungsniveau. bin mal gespannt, wenn mal bürgerkrieg in den usa herrschen sollte: da schießt sicher dann jeder jedem die birne weg, ohne nachzudenken. Auslöser kann ja ne epidemie sein oder staatsbankrott. das militär würde zwar sofort eingreifen, aber dann würde man in aller welt darüber berichten, wie blöd es doch war, diesen bürgern waffenbesitz en masse zu ermöglichen.

  • Das Recht sich zu bewaffnen ist Teil des sog. Systems der "Checks and Balances" in der amerikanischen Verfassung und ein Grundbestandteil selbiger. Das Recht Waffen zu tragen wurde schon sehr früh kodifiziert, einfach um einem pot. Diktator etwas entgegensetzen zu können. Gut, damals waren weder Panzer, Drohnen noch sonstige High-Tech Waffen erfunden so dass tats. "Waffengleichheit" herrschte. In Canada ist der Waffenbesitz und Erwerb ähnlich verbreitet. Aber auch hier Mitten in Europa gibt es ein Land das nur so vor Waffen starrt. In jedem Haushalt liegt MINDESTENS ein Karabiner samt Munition, Waffen kann und darf man als Bürger problemlos besitzen und kaufen. Auch Frauen werden von offizieller Seite aufgefordert an ihren Schiessfähigkeiten zu arbeiten. Na, wie heisst dieses Waffenfetischistenland, dieser Hort von ausufernder Gewalt, Kriminalität, Blutvergiessen, Chaos und Wahnsinn ? Na ? Genau, es ist unser Nachbar die Schweiz ! In der Geschichte dieses Landes wimmelt es nur so von Bürgerkriegen, totalitären Diktaturen, Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten, Einschränkung von Bürgerrechten etc.pp....

    Man sollte auf der anderen Seite bedenken warum hierzulande die Waffengesetze (Waffen klingt in diesem Zusammenhang schon albern) ständig verschärft werden und man als Normalbürger nur noch mit Wattebäuschen und Pfefferspray sich "bewaffnen" darf.....

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