Waffenverkäufe
Deutschland profitiert vom Rüstungsboom

Der weltweite Waffenhandel hat zugelegt. Davon profitiert Deutschland besonders stark: Deutsche Panzer, U-Boote und elektronische Sicherheitssysteme haben sich zu Exportschlagern entwickelt.
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MünchenDer globale Waffenhandel wächst kräftig. In den Jahren 2007 bis 2011 erhöhten sich die Verkäufe von Panzern, Schiffen, Flugzeugen und Munition im Vergleich zu den fünf Jahren davor um 24 Prozent auf rund 130 Milliarden Dollar. Das hat das schwedische Forschungsinstitut Sipri ausgerechnet. Zu den größten Profiteuren des Rüstungsbooms gehört Deutschland, dessen Rüstungsindustrie weltweit den dritten Rang belegt. Die Ergebnisse von Sipri werden heute veröffentlicht und lagen dem Handelsblatt vorab vor.

Die deutsche Rüstungsindustrie kommt mit einem Anteil von neun Prozent am weltweiten Handel der Branche auf den dritten Platz. Die USA führen die Liste mit 30 Prozent der globalen Waffenverkäufe an. Platz zwei belegt Russland mit einem Anteil von 24 Prozent. Die Rangordnung ist damit unverändert. Die größten Kunden der Rüstungsindustrie sind Indien, Südkorea und Pakistan. In den kommenden Jahren dürfte Saudi-Arabien an die Spitze rücken, das 2010 und 2011 für 60 Milliarden Dollar Kampfjets in den USA bestellt hat.

Von allen großen Exporteuren verzeichnet Deutschland aber den größten Zuwachs — 37 Prozent. Daran wird sich mittelfristig wenig ändern, obwohl traditionell wichtige Abnehmerländer wie Griechenland und Portugal wegen klammer Kassen als Kunden ausfallen. „Für die Waffensysteme, die Deutschland produziert, gibt es international eine große Nachfrage“, sagte Sipri-Experte Mark Bromley dem Handelsblatt.

Die deutschen Firmen sind spezialisiert auf den Bau von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen sowie Unterseebooten. In beiden Bereichen hat die Industrie zuletzt eine Reihe von Großaufträgen erhalten. So steht Saudi-Arabien vor dem Erwerb von rund 200 Leopard-Kampfpanzern. Israel und die Türkei bestellten U-Boote bei der Kieler Werft HDW. Jeder dieser Aufträge ist eine dreistellige Millionensumme wert. Immer häufiger ergeben sich diese Aufträge aus geostrategischen Partnerschaften, wie zuletzt mit Algerien. In dem nordafrikanischen Land engagieren sich Rheinmetall und Thyssen-Krupp beispielsweise mit dem Aufbau einer Industrie für gepanzerte Fahrzeuge. Die EADS-Tochter Cassidian installiert ein Grenzsicherungssystem in Saudi-Arabien.

„Mit dem Auftragsbuch wird Deutschland auch künftig unter den Top vier der Waffenlieferanten bleiben“, sagte Bromley. Diese Position ist keine Selbstverständlichkeit, denn anders als die USA, Russland, China oder Großbritannien verfügt Deutschland nicht über große Rüstungskonglomerate.

Die westlichen Rüstungskonzerne drängen mit ihren Produkten derzeit vor allem nach Indien, in die Golfregion und nach Südamerika. Mit Zuwächsen in diesen Regionen hoffen sie die sinkenden Bestellungen auf ihren Heimatmärkten zu kompensieren. Deutschland dampft wie die USA und Großbritannien sein Verteidigungsbudget ein, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen.

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  • Sobald der Import konventioneller Waffen unwirtschaftlich wird - gemessen an den Entwicklungs- oder Beschaffungkosten von ABC-Waffen - dürften alle Dämme brechen, alle Verzichtsverträge zu Makulatur werden. Bis dahin sollten wir unsere Exportchancen maximal nutzen. Danach sind wir aus dem Geschäft, das zurzeit umfassend und alternativlos Arbeitsplätze sichert. Energielite hat die Bedeutung richtig dargestellt. Zu ergänzen ist ein Hinweis auf den scharfen Wettbewerbdruck im Waffenmarkt, dem Deutschland nicht mehr gewachsen sein wird, falls Handelsinteressen Kernwaffen produzierender Staaten eine Neubewertung der Konversion auslösen. Die Militärgeschichte lehrt, dass das Undenkbare stets das Naheliegendste war. Deshalb sollten wir uns hüten, Ethik und Vernunft gegeneinander zu positionieren. So stehen wir vor der Herausforderung, konventionelle Waffen zu entwickleln und zu exportieren, die ABC-Waffen ebenbürtig sind. Das "philosophische Quartett" hat vor einiger Zeit die Phänomene beschrieben, die zu beachten sind.

  • Fast könnte man sagen: Deutschland, an jeder Front bekannt - zu Haus wäre eine böswillige Verleumdung.

  • Waffen gehen um die Erde, sie bleiben niemals nur in einem Land allein. Übrigens war Deutschland stolz darauf, vor der arabischen Revolution wieder Waffen in zweistelliger Millionenhöhe nach Libyen geschickt zu haben. Natürlich war da keine Kalaschnikow dabei, aber dafür andere Systeme. Ist doch egal, Gaddhafi konnte alles gut gebrauchen. Notfalls tauscht man sie gegen andere ein. Eine Waffe bleibt aber eine Waffe.
    Außerdem weiß man nie, von wem ein Land, in das man heute Waffen schickt, bereits morgen politisch angeführt wird!

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