Waggon-Vermieter
Waggons rollen trotz der Krise

Der Transport geht zurück, doch die Vermieter von Schienewaggons sehen der Wirtschaftskrise trotzdem gelassen entgegen. Durch das starke Geschäft mit Spezialfahrzeugen und das Wachstum in Ost- und Südeuropa sind die Anbieter vom Abschwung kaum betroffen.

HAMBURG. Auch wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise weite Bereiche des Transport- und Logistikgeschäfts längst erreicht hat – ein großer Spezialmarkt des Schienengüterverkehrs ist von Panikstimmung weit entfernt: Die großen Waggonvermietgesellschaften sehen in ihren Marktsegmenten derzeit zwar Zurückhaltung, aber keine katastrophalen Einbrüche. Sie ergänzen mit komplexen Spezialfahrzeugen etwa für Gas- und Flüssigkeitstransporte die Wagenparks der Bahngesellschaften.

„Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage, die im Moment noch von Monat zu Monat steigt“, sagte Heiko Fischer, Vorstandschef des börsennotierten europäischen Marktführers VTG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es gebe bisher keine außergewöhnlichen Abbestellungen oder Rückgaben von gebuchten Waggon-Kapazitäten. Der Hamburger Konzern, Marktführer in Europa, sehe trotz des Abschwungs in der Chemieindustrie in seinem Stammgeschäft mit Kesselwagen bisher kaum Signale für eine Krise. Das Geschäft im Heimatmarkt werde zudem durch das immer stärker werdende Vermietgeschäft in Ost- und Südeuropa gestärkt, sagte Fischer.

Die VTG steigerte in den ersten drei Quartalen 2009 ihren Umsatz um 12 Prozent auf 450 Mio. Euro und das operative Betriebsergebnis um 18,9 Prozent auf 117 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr hatte das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von acht bis zehn Prozent und ein Wachstum beim Betriebsergebnis von bis zu 14 Prozent prognostiziert. „Daran halten wir ungeachtet der Krise fest“, betonte Fischer.

Entsprechend baue die VTG ihre Fahrzeugflotte weiter aus. Bei der vor einem Jahr erworbenen US-Tochter wurde der Fahrzeugbestand auf 1 800 Waggons fast verdoppelt, insgesamt vermietet das Unternehmen knapp 50 000 Waggons. Auch im US-Markt sei trotz Konjunkturflaute die Krise bei der VTG noch nicht angekommen, sagte Fischer.

Allerdings stellten sich die Waggonvermieter darauf ein, dass die Zeit der zweistelligen Zuwachsraten erst einmal vorbei sei. Nach den Boomjahren des Schienengüterverkehrs müsse man aber auch sehen, „dass wir vor drei Jahren froh gewesen wären, dort zu sein, wo wir in diesem Jahr angekommen sind.“

Für ein allgemeines „Krisengeschrei“ habe die Branche der Waggonvermieter keinen Grund, betonte Fischer. „Mineralöl- und Gastransporte laufen nach wie vor exzellent.“ Betroffen von der Krise seien allerdings Fahrzeugvermieter, die vom Stahl- bis zum Neuwagen-Transport in die Logistikketten der Automobilindustrie abhängig seien.

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