Wagit Alekperow: Ein ganz stiller Oligarch

Wagit Alekperow
Ein ganz stiller Oligarch

Seiner ruhigen Art hat es der Chef des russischen Ölförderers Lukoil, Wagit Alekperow, zu verdanken, dass sein Konzern bisher kaum Konflikte mit dem Kreml auszutragen hatte. Der eher stille Milliardär kann bereits jetzt auf eine lange Karriere im Erdölgeschäft zurückblicken.

mbr MOSKAU. Das russische Wirtschaftsmagazin „Finans“ hat Wagit Alekperow gerade auf Rang sieben der Moskauer Milliardärsliste gesetzt – mit einem geschätzten Privatvermögen von umgerechnet 12,3 Mrd. Dollar. Neben seinen Anteilen an den Investmentbanken Uralsib und Kapital ist dies vor allem seinen Aktien des Ölkonzerns Lukoil geschuldet, dessen Gründer und Vorstandsvorsitzender der heute 56-Jährige ist.

Wie groß sein Lukoil-Anteil tatsächlich ist – Moskauer Medien berichten von 13 Prozent –, sei seine persönliche Sache. „Nur so viel: Ich verkaufe nicht, sondern kaufe Lukoil-Aktien hinzu“, sagte Alekperow dem Handelsblatt. Wie zum Beweis meldete der Konzern gerade, Alekperow, Ehefrau Larissa und Sohn Jusuf hätten weitere 3,8 Millionen Anteilsscheine des Unternehmens für 308 Mill. Dollar erworben. Ob Sohn Jusuf später auch an die Lukoil-Spitze aufrücke, will der Mann mit dem Mecki-Haarschnitt nicht verraten. Die nachfolgende Generation sei „nicht so patriotisch eingestellt wie wir zu unserem Job. Aber alles im Leben ändert sich ja“, sagt Alekperow senior.

Dabei fließt bei Alekperow das Öl wie Blut in den Adern: Geboren 1950 als jüngstes von fünf Kindern einer Ölarbeiter-Familie im aserbaidschanischen Baku, trat Alekperow bereits mit 18 Jahren in die Fußstapfen des Vaters. Auch wenn er bei einer Explosion auf einer Bohrinsel ins Kaspische Meer gespült wurde, hat Alekperow seine Entscheidung für das Öl nie bereut.

1990 wurde er Vize-Minister, ein Jahr bevor mit dem Zerfall der Sowjetunion im Osten ein wild wuchernder Kapitalismus ausbrach, der Minister zu Milliardären machte. Er habe selbst als Vize nicht in die Politik gehen können, erzählt der grauhaarige Mann mit dem Hang zu hellgrauen Anzügen: „Ich war kein Politiker, sondern Technologe und verantwortlich für die gesamte Ölförderung der UdSSR.“ Ein bisschen kleiner, dafür privat wurde Alekperows Reich, als er 1993 bei der Privatisierung die Ölfirmen in Langepas, Urai und Kogalym bekam. Deren Anfangsbuchstaben gaben Lukoil den Namen. Seine internationale Ausrichtung begründet Russlands Rockefeller so: Schon zu Ministerzeiten habe er bei Chevron und Agip gesehen, wie gut vertikal integrierte, breit aufgestellte Ölkonzerne seien. Heute produziert Lukoil mit 145 000 Mitarbeitern 2,1 Prozent der Welt-Ölförderung – mehr als ganze Opec-Mitgliedstaaten.

Da es der Ölmagnat trotz seines Milliarden-Reichtums nie zu politischen Konflikten mit dem Kreml kommen ließ, nennt ihn das „New York Times Magazin“ den „stillen Oligarchen“. Auch seine leise Stimme trug dazu bei. Dass der Aserbaidschaner in Moskau bisher verschont blieb, hat auch damit zu tun, dass er nicht extravagant, sondern russisch-patriotisch agiert: Während Jet-Set-Oligarch Roman Abramowitsch seinen Ölkonzern Sibneft an Gazprom verkaufte und sich das Hobby FC Chelsea zulegte, steht Lukoil-Vize Leonid Fedun dem Fußballklub Spartak Moskau vor. Spartak ist die Balltretertruppe der russischen Armee.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%