Wandel von Pharmafirmen in Richtung Konsumgüterhersteller
Markt für rezeptfreie Arzneien steht vor dem Umbruch

Im Geschäft mit freiverkäuflichen Medikamenten kündigt sich ein radikaler Umbruch an. Denn im Zuge der Gesundheitsreform soll für diese Arzneimittel sowohl die Erstattung durch die Krankenkassen als auch die Preisbindung im Rahmen der Arzneimittelpreisverordnung entfallen. Für die so genannten OTC-Arzneimitteln gelten damit künftig ähnliche Spielregeln wie im Konsumgütergeschäft.

FRANKFURT/M. Ein Umbruch, der vermutlich viele kleinere Anbieter überfordert – zumal der Markt ohnehin seit Jahren stagniert oder leicht schrumpft. Branchenexperten rechnen daher mit einer Bereinigung. Mehrere Firmen prüfen allerdings die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde gegen die Herausnahme der OTC-Medikamente aus der Erstattung.

Unmittelbar betroffen von dieser Neuregelung ist mehr als ein Drittel des OTC-Marktes. Denn von gut 7 Mrd. Euro Gesamtumsatz mit rezeptfreien Arzneien im Jahr 2002 entfielen immerhin 2,9 Mrd. Euro auf Produkte, die vom Arzt verordnet und von den Kassen erstattet wurden. Dazu gehören unter anderem viele Mittel gegen Durchblutungsstörungen, Hauterkrankungen und Eisenmangel sowie sehr viele pflanzliche Arzneimittel. Die Reform soll nun den Kassen Einsparungen von 1 Mrd. Euro bringen. Etwa vier Fünftel dieses Volumens, fürchtet der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH), wird sich in Umsatzeinbußen für die Hersteller niederschlagen.

Das Marktforschungsunternehmen IMS Health schätzt, dass von den insgesamt rund 900 OTC-Herstellern in Deutschland etwa 400 Firmen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit verordneten Mitteln erzielen. Darunter sind überwiegend kleinere Anbieter mit bis zu 50 Mill. Euro Jahresumsatz. „Viele dieser Firmen sind nicht darauf vorbereitet, ein reinrassiges OTC-Geschäft zu betreiben“, sagt Elisabeth Beck, die Geschäftsführerin von IMS Deutschland.

Weniger problematisch erscheint die Entwicklung dagegen für die großen, international tätigen Anbieter von OTC-Medikamenten wie Bayer, Boehringer und Roche. Denn sie sind weniger abhängig vom deutschen Markt und verstehen sich in dem Segment ohnehin viel stärker als Markenartikler. Vor allem diese großen Firmen auf der einen und kleine, flexible Nischenanbieter auf der anderen Seite dürften auf längere Sicht zu den Gewinnern im Markt gehören, schätzt die Pharmaexpertin.

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